Blade und Mark B. treten seit geraumer Zeit auf britischen HipHop Pfaden. Mit attackierenden Ideen im Rucksack marschieren sie durch die Rapwiese. Gerade haben sie eine LP namens

Männer in Strumpfhosen
Blade und Mark B.

Beim Telefoninterview mit dem Londoner MC Blade wird so manchem Vorurteil von langweilenden Klischeekauern am anderen Hörer ein frisch flaxender Sticker auf der Nase plaziert. Ständig auf der Lauer, die Lage humorvoll mit scharfen Gedankensprüngen traktierend, bewahrt sich Blade massig flexible Ironie. Dementsprechend kein zurechtgelegter Film für Features, die die Realität breitstampfen. Blade spuckt zwischen witzigen Wendungen ein paar Tatsachen über seinen Style und sein Anliegen, dass er zusammen mit dem exzellenten Produzenten Mark B. soeben auf ihrer Platte ‘The Unknown‘ via Major Wordplay/ Source dargelegt hat, aus.

Von Beginn aufgerollt: Blade ist seit 89 auf der Rap Landkarte vertreten, hatte damals vier Jahre lang ein Label namens 691 Influential, auf dem folglich eine Reihe seiner Maxis rauskamen, 93 eine unter anderem durch die “den Markt manipulierenden” Vorteile des Mailorderings recht verbreitete LP namens ‘The Lion Goes From Strength To Strength‘. Zu jener Zeit war HipHop bekanntlich auch in England anders als heute, mit eher Hardcore gesottenen Styles wurde dort die Würde des HipHop verteidigt. Die auch dem Halb-Armenier Blade implantierte Einstellung, Rap muss ruff, aus’m Herzen und direkt, demzufolge unter Umständen leicht aggressiv sein, hat er zwar prinzipiell beibehalten. Doch sein Style ist gereift, schließlich ist er inzwischen 32 und oberstolzer Vater eines Sohnes: “Ich bin durch verschiedene Wechsel im Style gegangen. So 91 war ich etwas aggressiv geworden, dann habe ich mich etwas lockerer gemacht und bin mehr auf konzeptuelles Reimen abgegangen. Ansonsten fluche ich jetzt nunmal nicht mehr, meine Vortragsweise läuft mehr auf dem Beat, mein Flow ist wesentlich tighter, als er es jemals war. Ich bin nicht mehr so aggressiv wie früher.”

Auf “The Unknown” ist Blade mit seinem energievollen, prägnanten Rapstil daher in neuer Weise ganz der Alte. Mark B. (der zwecks Interview leider nur die Mailbox abnehmen lies) zeigt sich in charakterstarker Vielfältigkeit, mit trickreichen, eingängigen Beats, die bei jedem Track funky fette Bewegung erzeugen. Mit dieser Zusammenstellung werden sie wohl nicht bloß englische Zuhörer begeistern. So spekuliert auch Blade und ist froh, denn langsam linsen die zwei, die sich vor Urzeiten mal in einem Plattenladen trafen, nach mehr. Ein Bild dazu: “Wenn du einen Laden an der Ecke hast, musst du Pläne zum Expandieren machen. Schließlich willst du ja nicht den Rest deines Lebens an dem Ort bleiben. Einige Leute sind damit sehr glücklich. Ich bin es nicht. Die ganze Welt ist dazu da, um in gewisser Weise übernommen zu werden. Ich will meinen Strumpf über’m Gesicht tragen und damit anfangen, die Macht zu übernehmen. Ich will nicht bloß Musik für meine Freunde zum Hören machen. Bei Jazz Fudge war das so ziemlich alles, was passieren würde. Kein Disrepekt an sie oder so, aber es gab Limitierungen. Zudem ist der Typ, dem Jazz Fudge gehört, DJ Vadim, selbst ein Künstler. Er wird also nicht viel Zeit haben, alles selber zu machen. Wir mussten irgendwo hingehen, wo die Leute dafür angestellt werden, die erforderliche Arbeit zu erledigen.” Der Vertrag bei dem Virgin Unterlabel Source kam recht flüssig aus der Mütze: “Der Typ, der uns den Vertrag gegeben hat, war früher DJ in Oxford und hat unsere damaligen Singles gespielt. Er hatte Marks Nummer und hat ihn wegen eines Interviews in seiner Show angerufen. Wir waren dann ein paar Mal da. Und dann kam es halt so, dass er eine A&R Position bekommen hat.”

Am coolsten an der Arbeit mit Mark B. findet Blade, dass “man weiß, dass das Ganze fertig wird. Auch wenn es die ganze Zeit Streit mit Leuten erfordert, die Sachen kommen zu einem Ende und werden aufgenommen.” Klappt also soweit korrekt, ebenso das Konzept ihrer Platte: “Mein persönliches Ziel bei dem Album war, weiterhin das zu machen, was ich schon immer getan habe. Zu rappen. Und zu versuchen, die alten Zuhörer zu halten und gleichzeitig auch ein neues Publikum zu erreichen. Im Grunde unterscheidet sich die Botschaft auf dem Album nicht von der, die ich vor einigen Jahren vermittelt habe. Der Unterschied ist, dass ich eine wesentlich ruhigere Person geworden bin und die Leute ein bißchen geistreicher anspreche, anstatt nur zu sagen: “Bloody listen to it, you idiot.” Versammelt sind auf der LP auch einige Gast MCs und Scratchfetischisten wie Mr. Thing, der ein alter Freund aus Blades mühseligen Kindertagen ist: “Mr. Thing kenne ich schon viele Jahre als einen Freund, bevor er überhaupt aufgelegt hat, er hat mich oft besucht. Wir waren damals total abgebrannt. Unser lokaler Hühnchenhändler machte immer so um drei Uhr zu. Also haben wir bei meinem Haus gewartet, bis es drei Uhr war. Und da sie die Hühnchen dann nicht mehr verkaufen konnten, haben sie sie uns für lau gegeben. Von solchen Aktionen kenne ich Mr. Thing, er ist auch mit Mark B. befreundet. Alle anderen Connections kamen eher durch Mark als durch mich, außer Westwood.”

Zur Etablierung von britischen HipHop dürfte “The Unknown” einen guten Teil beitragen. Bündelung. “Ich finde, jedes Input, aus welcher Ecke es auch kommt, hilft, eine Szene aufzubauen”, so Blade. Ihr Major-Deal wird von den anderen aktiven Engländern Blade zufolge so aufgenommen: “Es gibt auf jeden Fall Leute, die uns supporten. Roots Manuva zum Beispiel, der bei unseren Shows in der Menge abgeht. Aber natürlich wird es immer auch welche geben, die neidisch sind. Das ist der Grund, weshalb HipHop noch nicht so weit ist, wie er sein könnte. Weil es immer noch viele Neider gibt. In Amerika kümmert sich keiner mehr darum, wer der beste Rapper ist. Jeder kümmert sich mehr um seinen eigenen Kram, sein Leben auf die Reihe zu bekommen oder auch ständig reicher zu werden, als er eh schon ist. In England ist es leider so, das jeder meint ‘Ich bin ein besserer Rapper als du. Meine Stimme ist besser als deine. Meine Beats sind doper als deine‘. Das trägt zu nichts bei.” Dennoch hat Blade noch immer viel Spaß am Wettbewerb und an Herausforderungen.

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Elektronische Lebensaspekte.

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