Matt Owens on Narrative Jeremy Tai tai@suture.com Übersetzung: Thaddeus Herrmann Über das Narrative unstable-media.org: Designern stehen heute die verschiedensten Medien zur Verfügung. Warum konzentrierst du dich auf das World Wide Web? Matt Owens: Ohne das Internet hätte ich als Graphikdesigner nie soviel Aufmerksamkeit bekommen. Ich bin mir sicher, dass ich mit Volumeone (www.volumeone.com) meinen Beitrag zu einer neuen, vielversprechenden Designkultur leiste, die sich nur im Netz abspielt und bereits stetig wächst. Ausserdem merke ich bei mir persönlich, dass ich mich als Designer ungeheuer weiterentwickelt habe, seit ich an Webprojekten arbeite. umo: Gibt es eine bestimmte Message, die du mit Volumeone vermittlen willst? Und ist es wichtig, dass der Betrachter deine Perspektive annehmen kann? Matt Owens: Hinter allen Projekten auf Volumeone stecken Konzepte, kleine Erzählungen oder Ideen. Die Benutzer der Webpage sollen ermutigt werden, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn obwohl sie jeweils für ein spezifisches Thema konzipiert sind, sind sie so offen wie möglich gehalten, um Platz für andere Interpretationen zu lassen. Im Idealfall findet jemand die Site, einige Projekte interessieren ihn besonders, er identifiziert sich mit ihnen und kehrt zu ihnen regelmässig zurück. umo: Wie wichtig ist die Technologie bei der Entwicklung der Seiten? Du benutzt ja jede Menge Flash! Matt Owens: Ich mag Flash, weil es extrem vielseitig und sehr komplex in seinen Möglichkeiten ist. Zunächst aber arrangiere ich die einzelnen Elemente in Photoshop, genau wie in einem Storyboard bei Filmen. In dieser ersten Phase habe ich auch schon ziemlich genaue Vorstellungen vom dazugehörigen Sound und der Interaktivität. Das muss auch so sein, schließlich ist Flash ja kein Designprogramm, sondern ein interaktives Animationstool. Wenn ich dann aber Flash und Html programmiere, tun sich wieder völlig neue Möglichkeiten auf. Man weiß nie genau, wie das Ergebnis aussehen wird. Wichtig dabei ist, dass sich der spätere User auf der Seite wohlfühlt. Aus Angst vor langen Downloadzeiten funktioneren die meisten Webpages heute über den kleinsten gemeinsamen Nenner der technischen Möglichkeiten. Nichts bewegt sich, es gibt keinen Sound. Ich versuche, möglichst viel Spontanität, Interaktivität und Spass auf die Seiten zu programmieren, nicht ganz uneigennützig, denn schliesslich muss mir die Arbeit ja auch Freude machen! Wenn man stundenlang am Rechner wie ein Sklave geschuftet hat und dann darauf aufmerksam gemacht wird, dass es da draussen eine ganze Welt voller Menschen gibt, die völlig offline sind, frustriert das ungemein. Man muss lernen, das zu akzeptieren. umo: Hat deine eigene experimentelle Arbeit für volumeone Einfluss auf die kommerziellen Auftragsarbeiten? Matt Owens: Der Einfluss ist sehr gross. Volumeone ist mein persönliches Kreativlabor. Hier lerne ich neue Dinge und entwickle neue Strategien als Designer. Hätte ich nur die Auftragsarbeiten, um meine Kreativität auszuleben, wäre ich ganz schön aufgeschmissen! Für Volumeone bekomme ich auch deutlich mehr Reaktionen von der Userseite. Eine Tatsache, die mir sehr wichtig ist. Ich möchte, dass die Menschen sehen, womit ich mich gerade beschäftige, schliesslich ist das der wichtigste Teil meiner Arbeit. Ich freue mich über ihre Kommentare und hoffe, dass ich sie vielleicht dazu ermutigen kann, ihre eigenen Projekte zu starten. umo: In welche Richtung werden sich deiner Meinung nach On-line Erzählungen entwickeln? Matt Owens: Je grösser die Bandbreite werden wird, desto intensiver werden sich die Webpages vom reinen Inhaltsmanagement hin zum wirklich kreativen Umgang mit dem Thema entwickeln, so dass man sich hoffentlich zukünftig über den speziellen Flow des entsprechenden Themas schon vorher Gedanken machen wird. Das Ziel sollte eine gute Mischung aus passiven, fernsehartigen Erfahrungen und interaktivem Inhalt, der den User auch dazu zwingt, Entscheidungen zu treffen und nicht nur zu konsumieren. Dabei geht es nicht um diesen vielzitierten und gehypten virtuellen Raum. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich die Art und Weise, wie Information auf dem Monitor präsentiert wird und wie wir sie wahrnehmen, ändern wird. Nicht was, sondern wie es kommuniziert wird, ist wichtig. Ein guter Geschichtenerzähler kann aus einer langweiligen Story etwas Interessantes oder Lustiges machen, es kommt nur auf die Präsentation an. Ich stamme ja aus Texas, und in unserer Familie gab es jede Menge gute Erzähler. Die âErzählbarkeitÔ eines Inhalts ist der Schlüssel für zukünftige Online Erfolge. Es geht nicht mehr darum, um jeden Preis einen Inhalt online zu plazieren, sondern um die wirklich sinvolle und durchdachte Art und Weise. Den Produzenten der Sites wird nichts anderes übrig bleiben, als sich auf die inhaltliche Ebene zu konzentrieren. Ich bin mir sicher, dass die User zukünftig viel wählerischer sein werden, was die Wahl der Webpages angeht, mit denen sie sich auseinandersetzen.

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Elektronische Lebensaspekte.

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