Auf der Halfpipe Richtung Deepness
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 113


Zwei Londoner Skater nehmen die Sprungschanze Richtung Deepness. Move D, Styrax und Mojuba jubeln ihnen zu.

“Ich hab mir schon wieder einen Knochen gebrochen. Und ja, ich werde mindestens die nächsten drei Wochen in Gips liegen.” So liest sich ein Kommentar von Mike Oliver auf der Myspace-Seite von Rob Lawrence. Oliver and Lawrence sind Skater. Aber nicht nur das. Wenn sie sich mal nicht die Knochen bei gescheiterten Grind- oder Slide-Tricks brechen, dann machen sie Musik. Oliver als Remote, Lawrence als Bovill. Deepen Techno in reduziertem Tempo, der genauso viel mit Model 500 und Basic Channel wie mit frühen Elektronika-Sachen auf Warp, B12 oder Source zu tun hat. Auf Lawrence’ Myspace-Seite findet sich dann unter anderem auch eine Respektsbekundung vom Heidelberger Source-Chef Move D für seine neue EP auf Lawrence’ Label Meanwhile.

Skateboardfahren ist die eine gemeinsame Klammer bei Meanwhile. Neben Mike Oliver lernte Rob auch Greame White, der mit Dave Togher als Murmur veröffentlicht, durch die Liebe zum Rollbrettfahren kennen. In einem Skatepark in Meanwhile Gardens in West London. Woher der Labelname kommt, liegt also auf der Hand. Die andere Klammer ist die Musik. Techno und House sind nicht gerade der gängige Soundtrack für die meisten Skater. Um so überraschter und glücklicher waren die Meanwhile-Jungs, als ihnen nicht nur klar wurde, dass sie auf dieselben Platten standen, sondern sich beide auch in ihren Schlafzimmerstudios an eigenen dubbigen Techno-Emissionen versuchten. Tracks wurden ausgetauscht und sich gegenseitig vorgespielt und kurz darauf wurde eintschieden, dass sie ein eigenes Label gründen würden.

2004 kam die erste Split-EP, “The Ground”, von Bovill und Murmur auf Meanwhile heraus. Mike Oliver, der ein alter Freund von Rob ist und schon vorher auf Smallfish Records und Neurhytthmics veröffentlicht hatte, stieß dann kurz darauf dazu. Die bisher sieben Maxis auf Meanwhile zeichnen sich alle durch einen einnehmend warmen Sound aus feinen Melodiefiguren, ätherischen Chords und übereinander geschichteten Pads aus. “Für uns ist das Wichtigste, dass die Musik, die wir veröffentlichen, deep ist. Sei es Techno, House, Dubbiges oder eher abstraktere Sachen. Als wir mit Meanwhile anfingen, gab es nicht viele andere Label, die die Musik herausbrachten, die wir mögen. Die meisten so genannten Minimal-Techno-Platten haben nicht die Tiefe, die wir suchen. Versteh mich nicht falsch, manches davon klingt im Club wirklich gut und es sind super DJ-Tools. Aber ich finde nicht, dass viele von ihnen musikalisch viel zu bieten haben, zu dem man auch in ein paar Jahren noch zurückkehren wird. Ich komme zum Beispiel immer wieder auf ‘Internal Empire’ von Robert Hood zurück. Das ist für mich die beste Minimal-Techno-Platte, die jemals auf Vinyl gepresst wurde. Das Album ist so unglaublich deep und der Sound so dreidimensional, dass man sich heute immer noch in ihm verlieren kann. Jeder, der sagt, er mag ‘Minimal’, sollte sich dieses Album genau anhören und dabei bedenken, dass es 1994 produziert worden ist”, erklärt Rob per Email.

Mit den Berliner Labeln Styrax und Mojuba haben sie mittlerweile Kontakte zu gleichgesinnten Produzenten geknüpft, die ähnlichen musikalischen Fährten folgen. Sven Weisemann zum Beispiel wird im Juni eine Maxi auf Meanwhile veröffentlichen. Und auch Quantec, ein weiterer Styrax-Künstler, arbeitet laut Rob gerade an seinem Meanwhile-Debüt. Im Juli steht dann mit dem Murmur-Album der erste Langspieler an. “Wir haben viel vor in diesem Jahr. Vor allem wollen wir etwas mehr Regelmäßigkeit in unseren Veröffentlichungsplan bekommen. Allerdings würden wir im Zweifelsfall lieber nichts herausbringen, wenn wir nicht hundertprozentig zufrieden sind. Also habt bitte Geduld.”

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Elektronische Lebensaspekte.