Wenn Disco heute als Qualitätsmusik und nicht als Schlaghosenfasching wahrgenommen wird, ist das zu einenm großen Teil Morgan Geist und seinem Projekt Metro Area mit Darshan Jesrani zu verdanken.


Der Perfektionist und Platten-Fetischist Geist droht aber gerade seine Liebe zur Musik zu verlieren. Die Gesellschaft ist schuld. Dagegen steuert er mit einem Album an, das am 80s Synth-Pop die Melodie und den Gesang feiert. Das hat sich vorher nur King Britt mit seinem Projekt Sylk 130 getraut.

Für einen wertkonservativen Musiknerd wie Morgan Geist waren die letzten Jahre kein Zuckerschlecken. Die Erosionsbewegungen und kulturellen Verschiebungen, die es im Umgang mit Musik dank digitaler Revolution gegeben hat, liegen ihm noch immer zentnerschwer im Magen und halten seine Begeisterungsfähigkeit und seine Kreativität im Würgegriff zwischen Zynismus und Kulturpessimismus. Ein Grund, warum es über zehn Jahre gedauert hat, bis er sein zweites Soloalbum nach ”The Driving Memoirs“ fertig gestellt hat.

Nicht, dass er untätig gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Sein Label Environ gilt nach wie vor als Bastion für Disco und Disco-affines Songwritertum à la Kelley Polar. Und auch Metro Area, sein stilbildendes Disco-Projekt mit Darshan Jesrani aus den frühen Nullerjahren, taucht Dancefloors nach wie vor weltweit in ein samtiges Funkeln. Aber Morgan Geist schaut mit einer Mischung aus Unbehagen und Fatalismus auf die Welt, die ihm einst so viel bedeutete und eigentlich immer noch bedeutet.

Und wie es sich für einen (zugezogenen) New Yorker gehört, bezeichnet er sich im Interview immer wieder als Zwangsneurotiker, um dann zu lachen. Ein Lachen, das sich selbst nicht so ernst nehmen will, in dem aber trotzdem Bitterkeit mitschwingt. ”Double Night Time“, so der Name seines neuen Albums, das er mit vielen Vocals von Freund und Junior-Boys-Sänger Jeremy Greenspan über einem Zeitraum von knapp drei Jahren aufgenommen hat, ist sein Versuch, die verloren geglaubte Begeisterung für Musik wiederzufinden – mit Synthie-Pop, viel Gesang und einem bunten Strauß an kitschigen Melodien.

In seinem neuen Studio in Queens zwischen Kartons und unausgepackten Kisten sitzend, erklärt ein redseliger und nach wie vor ungemein sympathischer Morgan Geist seine Sicht der Dinge.

De:Bug: Dein letztes Solo-Album, ”The Driving Memoirs”, das bei aller Verspieltheit noch durch und durch Detroit-Techno geatmet hat, ist über zehn Jahre alt. Seitdem ist musikalisch viel passiert bei dir, Metro Area zum Beispiel. Der erste Track auf deinem neuen Album heißt ”Detroit”. Wolltest du damit trotz aller musikalischer Unterschiede zwischen den beiden Alben eine Brücke schlagen, eine Kontinuität andeuten?

Morgan Geist: Nein, eigentlich nicht, das war Zufall. Der Text zu ”Detroit” ist von einem bestimmten Moment beeinflusst – einer Reise von mir nach Detroit, die nichts mit Musik zu tun hatte. Der Ursprung dieses Songs waren eher depressive Gedanken, die mich damals auf dieser Reise durch Detroit begleitet haben. Es sollte keine Hommage an die Stadt und ihre Musik sein.

De:Bug: Du samplest dich auf dem Track quasi selber.

Morgan Geist: Ja, ich habe Teile von ”24 K” und ”Lullaby” von der “Super EP” verwendet, die 2001 auf Environ erschienen ist. Ich hätte natürlich auch die beiden Original-Tracks einfach mit aufs Album packen können, aber das hätte nicht zum Rest der Platte gepasst. Außerdem hat sich meine Art zu produzieren in der Zwischenzeit sehr verändert, also habe ich sie komplett neu aufgenommen und nur Teile verwendet.

”Double Night Time” wollte ich erst gar nicht herausbringen. Ich war mir nicht sicher, ob es gut ist. Ich will nicht melodramatisch klingen, aber das Album wurde in einer Zeit produziert, in der ich einige schwierige persönliche Herausforderungen zu meistern hatte und auch meine Beziehung zu Musik im Allgemeinen sich sehr verändert hat. Der Song ”Detroit” handelt letztendlich davon, wie enthusiastisch ich früher war, nicht nur in Bezug auf Musik, sondern auch in Bezug auf das Leben, und wie ich diesen Enthusiasmus langsam zu verlieren begann. Vielleicht ist es einfach ein Sympton des Alterns, dass ich nicht mehr so empfinde, vielleicht bin ich auch einfach nur gelangweilt von Musik. Verstehe mich nicht falsch, ich liebe Musik. Aber ich fühle mich von ihr nicht mehr herausgefordert. Und ich mag auch das Klima nicht, in dem Musik heutzutage verhandelt und gehört wird. Wenn ich Musik höre, dann tue ich nur das.

Ich konzentriere mich auf die Musik, es ist ein Event. Heutzutage wird Musik meist als MP3 auf dem iPod gehört und alle geiern nach den neusten Tracks, die man gerade auf den einschlägigen Blogs kriegen kann. Ich weiß noch, wie ich mich gefreut habe, wie aufgeregt ich war, wenn ein Album herauskam, auf das ich mich gefreut hatte. Das Erscheinen von neuen Platten war früher ein Event, und das vermisse ich heutzutage sehr. Ich habe vor kurzem ein Interview gelesen, in dem erzählt wird, wie sich früher Schlangen vor Plattenläden gebildet haben, wenn ein bestimmtes Album angekündigt war. Heute sehe ich nur Schlangen, wenn das verfickte neue iPhone in die Läden kommt. Und dann hören sie Musik auf diesen Scheißdingern … entschuldige, ich fange an herumzumeckern. (lacht)

Ich habe das Album nicht gemacht, weil ich gerade einen Überfluss an Ideen hatte, sondern mehr oder weniger aus dem genau gegenteiligen Grund: Ich hatte das Gefühl, dass ich dieses Album herausbringen muss, weil ich sonst nie wieder etwas veröffentlichen werde, weil ich dabei war, den Glauben an Musik und an mich zu verlieren.

De:Bug: Du hast auch zum ersten Mal Gesangsmelodien und Texte dazu geschrieben …

Morgan Geist: Nicht ganz, es ist nur das erste Mal, dass ich Songs mit meinen Texten und Vocalmelodien veröffentliche. Es ist wirklich peinlich (lacht). Ich hatte das Gefühl, dass ich mich selbst herausfordern muss, um weiter zu wachsen, und dass ich meine persönlichen Probleme überwinden muss.

De:Bug: Ich bin beim ersten Hören davon ausgegangen, dass ihr an dem Album wirklich zusammengearbeitet habt, Jeremy hat mir aber erzählt, dass er so gut wie gar nichts gemacht hat. Alles war schon fertig, er musste nur noch singen.

Morgan Geist: Das sagt er nur, um sich zu verteidigen. (lacht).

De:Bug: Er hat gesagt, dass er viel von dir gelernt hat. Deine Art des sehr sorgfältigen Arbeitens, die im Gegensatz zu seiner Arbeitsweise steht, vor allem was Vocals betrifft, hat ihn beeindruckt.

Morgan Geist: Ich habe auch einiges von Jeremy gelernt. Ich glaube, seine Herangehensweise ist besser.

De:Bug: Inwiefern?

Morgan Geist: In Bezug auf Vocals. Es kommt natürlich darauf an, was du willst. Jeremys Art mit Vocals umzugehen ist super. Ich bin ein großer Junior-Boys-Fan, aber das erste Album, ”Last Exit”, klingt wirklich scheiße. Ich meine nicht die Songs, sondern die Produktion. Selbst Jeremy sagt das. Aber ich liebe das Album trotzdem und habe es schon so oft gehört, dass mir klar geworden ist, dass es nicht immer perfekt und akribisch genau sein muss. Es gibt keine objektive Perfektion.

Metro Area war für Darshan und mich auch eine große Lernerfahrung – mit derselben Lektion: Die Fehler und schlampigen Parts waren die besten Momente der Songs. ”Double Night Time” ist teilweise ein großer Rückfall in diese obsessiv-perfektionistische Arbeitsweise, die mich früher ausgezeichnet hat. Auf ”The Driving Memoirs”, meinem ersten Solo-Album, ist wirklich jeder Sound genau so, wie ich es wollte, ich habe damals nichts dem Zufall überlassen und hatte auch noch nicht gelernt, dass Fehler gut sind. Deswegen klingt es heute auch so langweilig. (lacht)

De:Bug: Sowohl deine eigenen Produktionen als auch dein Label Environ haben sich immer mehr in eine poppige Richtung entwickelt, die gar nicht mehr so viel mit Disco zu tun hat wie noch Metro Area, sondern mehr mit Electric Boogie und Synthie-Pop.

Morgan Geist: Pop war mir schon immer wichtig. Selbst auf meinen ersten Maxis, z.B. auf Metamorphic, die noch sehr von Detroit-Techno beeinflusst waren, habe ich Hooklines eingebaut. Ich liebe gutes Songwriting. Ich habe mich definitiv in diese Richtung entwickelt. Kelley Polar war für Environ auch ein großer Schritt in diese Richtung. Aber ich wollte es immer mal selber machen. Mit Metro Area war genau das Gegenteil unser Ziel.

Auch wenn es viele Leute gab, die uns überreden wollten, Vocals für Metro-Area-Tracks aufzunehmen. Darshan und ich waren militante Gegner dieses Vorschlags. Die Idee hinter dem Metro-Area-Album waren Dubs. Moody Boogie und Disco Dubs. Eigentlich war es für mich ein Techno- und kein Disco-Projekt. Es ging vor allem darum bestimmte Stimmungen heraufzubeschwören. Wir haben ganz am Anfang von Metro Area, so um 2000, sogar Vocals für einige Stücke aufgenommen, aber wir fanden dann, dass es der Musik zu viel Gesicht gab, zu deskriptiv war. In letzter Zeit hat sich Environ in eine andere Richtung entwickelt. Ich wollte schon immer, dass es ein Label ist, auf dem es viele unterschiedliche Stile zu hören gibt. Alle meine Lieblingslabel waren so. Selbst ein klassisches Disco- und Boogie-Label wie Prelude hat Platten veröffentlicht, die totaler Pop waren.

Der Unterschied war nur, dass die Pop-Charts damals anders waren als heute. Du konntest einen Pop-Song von Sharon Redd in den R&B-Charts oder den Top 40 finden, der auch in Clubs gespielt wurde. Das ist heute nicht mehr so, oder nur bei HipHop. Und aus irgendeinem Grund fühlt sich das für mich anders an. Ich fange schon wieder an zu meckern. Pop war und ist auf jeden Fall wichtig. Das liegt auch daran, dass mich moderne Dance Music nicht mehr so interessiert. Hin und wieder höre ich mal einen neuen Track, der mir wirklich gefällt, aber es hat schon einen Grund, dass ich als DJ fast nur alte Platten spiele. Ich bin genau das geworden, was ich mir als Teenager geschworen habe, nie zu werden. Das ist echt eine Lektion. I turned into the bitter old motherfucker!

Damit mich Dance Music anmacht, muss sie etwas Mysteriöses haben, etwas, das ich nicht sofort verstehe oder benennen kann. Wenn ich heutzutage Dance-Platten höre, dann habe ich das Gefühl, ich weiß sofort, wie der Track gemacht wurde, wohin der oder die Produzenten damit wollen. Es ist so unmittelbar, so offensichtlich. Wenn du Pop oder auch Indie machst, kannst du dich auf andere Sounds, auf Songwriting und andere Modi, Musik zu konstruieren, konzentrieren. Das finde ich aufregender. ”Double Night Time” ist zur Hälfte Songwriting und zur Hälfte klassische Techno-Produktion. Es gibt Songs, die ich wie mit der Akustik-Gitarre geschrieben habe. Ich habe nicht die richtigen Sounds, sondern Platzhalter verwendet und die Songs so geschrieben, dass man sie auf einem Piano spielen kann und sie sich meinem Empfinden nach toll anhören.

Das waren die Stücke, auf denen dann meist Jeremy singt. Den anderen Teil hab ich dann ganz klassisch eher Techno-mäßig produziert. Da kam es dann nicht so sehr auf die Songstruktur oder Melodie an, damit der Song sich entwickelt, sondern es ist die Produktion, das Sounddesign, die Studiotricks. Es hat Spaß gemacht, das beides zu verbinden. In Dance Music geht es selten um den Song, sondern meistens um den Sound. Und deswegen veraltet sie auch so schnell. Sobald ein neues Plug-In auf den Markt kommt, verwenden es alle, dann wird es langweilig und es wird nach dem nächsten Kick gesucht. Das hat zwar auch seine unterhaltsamen Aspekte, macht die Musik aber zu einem Einweg-Produkt.

De:Bug: Du bist auch viel als DJ unterwegs. Wie veträgt sich das mit deinem gerade eben konstatierten Mangel an Enthusiasmus für Dance Music? Betrifft das auch das Club-Erlebnis?

Morgan Geist: Ich habe in letzter Zeit viel aufgelegt. Allerdings war meine Grundmotivation in Bezug auf Musik immer, ein Musikschaffender zu werden. A Recording Musician. Kein Live-Musiker, kein DJ. Auch wenn ich beides liebe. Ich wollte jemand werden wie … (überlegt) … Quincy Jones zum Beispiel. Nicht, dass ich alles mögen würde, was er produziert hat, aber ich wollte immer derjenige sein, der das Talent von jemandem erkennt und es auf ganz eigene Art fördert. Ich mochte diese Idee, der Mann im Hintergrund zu sein, für den nur die Musik spricht, anstatt das er selber für sich spricht, so wie ich es gerade mache.

Ich bin besser darin Musik zu machen als darüber zu sprechen, weil ich dann immer anfange mich zu beschweren und zu beklagen. Das war also meine Idealvorstellung, als ich anfing. Leider funktioniert das so nicht mehr. Die Kultur hat sich so durch Filesharing, fallende Verkaufszahlen etc. verändert, so dass sich dieser Ansatz nicht mehr rentiert. Deswegen habe ich in letzter Zeit sehr viel aufgelegt. So verdiene ich mir meine Miete. Es bringt mir mehr, als wenn ich sechs Monate im Studio sitze und an einer Maxi feile. Ich will nicht undankbar sein, ich bin froh, dass ich so viele Gigs habe, aber meine Idealvorstellung war und ist eine andere. Wenn ich also die Möglichkeit hätte, das ganze Jahr im Studio zu sein und so mein Geld zu verdienen, dann würde ich drei Mal im Jahr auflegen. Ich mache einfach viel lieber Musik.

De:Bug: Jeremy sagte in unserem Interview auch, dass ”Double Night Time” ein Anti-Metro-Area-Album werden sollte. Dass du sehr sorgfältig und akribisch daran gearbeitet hast, diese Idee umzusetzen. Kannst du das genauer erklären?

Morgan Geist: Es stimmt, ich habe das gegenüber Jeremy sehr oft zum Ausdruck gebracht. Aber gleichzeitig ist Metro Area nicht die Band von irgendwem, sondern von mir. Es ist meine Musik. Das relativiert die Aussage natürlich. Ich kann ja kein Anti-Morgan-Album machen. Metro Area war eine andere Art von akribischem und sorgfältigem Arbeiten. Wir waren sorgfältig darin, dass es live klingt, dass es Fehler gibt. Es war eine Reaktion darauf, dass selbst Klassik-Aufnahmen nachbearbeitet werden und alles da sitzt, wo es hingehört. Dass alle alte Disco-Platten loopen und filtern. Deswegen haben wir auch darauf bestanden, mit Live-Instrumentierung zu arbeiten und unsere eigenen Disco-Originale zu schaffen.

Nach Metro Area hat Disco wieder Auftrieb bekommen, es wurde wieder mehr gehört. Ich habe vor kurzem sogar gelesen, dass es ein Disco-Revival geben soll. Was ich allerdings gar nicht nachvollziehen kann. Wahrscheinlich wegen des Erfolges von Hercules & Love Affair. Das ist alles sehr konstruiert. Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Es gibt zurzeit einige Leute, die diese spacigen, rockigen Disco-Sachen spielen, und ich dachte mir, als Reaktion darauf mache ich ein New-Wave-Album. Nur mit Drum-Maschinen und Keyboards. (lacht) ”Double Night Time” passt nicht wirklich zu dem, was gerade so passiert. Es ist zu soft und nicht energetisch genug. Und das sollte auch so sein. Das ist meine Gegenhaltung. Nicht in einem revolutionären Sinne, sondern eher in einem Ich-gebe-auf-Sinn. (lacht) Insofern ist es ein Anti-Metro-Area-Album. Ich dachte mir, alle bringen jetzt obskure Disco-Edits raus, na dann mache ich doch ein Pop-Album mit Vocals.

De:Bug: Im Pressetext stand etwas von ”guilty pleasures” und Glam Rock …

Morgan Geist: (lacht) Nein, es war Progressive Rock. Meinen ersten Kontakt mit Synthesizern hatte ich durch die Musik, die mein älterer Bruder und meine ältere Schwester gehört haben. Devo und B-52s bei meiner Schwester und Yes und Emerson, Lake & Palmer und so ein Quatsch bei meinem Bruder. Es gibt diesen Song ”Skyblue Pink” auf meinem Album, bei dem ich meine Erinnerungen an den Kitsch von Emerson, Lake & Palmer und das Pathos von Pink Floyd verarbeitet habe. Es ist ein käsiger, melodramatischer Song, eine Hommage an meinen Bruder.

Er hatte, als ich klein war, lange Haare, hat wahrscheinlich Unmengen an Gras geraucht und nannte den Moment des Sonnenuntergangs im Sommer, wenn der Himmel noch blau war, sich aber gleichzeitig pink verfärbte ”Skyblue Pink”. So ein albernes Stoner-Hippie-Ding. Aber damals habe ich angefangen, mich für Synthesizer zu interessieren. Die Synthie-Solos von Pink Floyd. Viel von diesen Prog-Rock-Sachen sind wirklich schlimm. Peinlich. Aber sie hatten einen Effekt auf mich. Damit wollte ich mich auseinander setzen. Der Song ”Nocebo” auf ”Double Night Time” ist ein weiteres Beispiel, wie ich in diesen Erinnerungen geschwelgt habe, wie ich als Sechsjähriger bei meinem Bruder im Zimmer auf dem Boden liege und mit ihm zusammen seine Klassik-Rock-Platten höre. Alles sehr nostalgisch. Und irgendwie nerdig.

De:Bug: Gibt es noch Hoffnung am Ende des Tunnels?

Morgan Geist: Facebook ist den meisten heutzutage wichtiger als Musik. Wenn dir etwas so am Herzen liegt und du siehst, wie es marginalisiert wird, dann kann das schon an deinem Enthusiasmus nagen. Aber wer weiß schon, was passieren wird. Guck dir zum Beispiel die amerikanische Esskultur an. Deren Entwicklung kann man vielleicht als Analogie zur Musik-Kultur betrachten. Jahrelang ging es nur darum, dass alles billiger wird, die Modi der Belieferung schneller und direkter.

Mittlerweile gibt es zumindest in den Metropolen eine starke Gegenbewegung dazu. Es gibt die Slow-Food-Bewegung, Leute starten Bio-Food-Coops. Ich habe das Gefühl, dass bald eine kritische Masse erreicht ist, und dann rebellieren die Leute. Wer weiß, vielleicht passiert etwas ähnliches mit Musik. Essen und Musik so zu vergleichen, klingt vielleicht etwas seltsam, aber es sind beides Dinge, die mir sehr am Herzen liegen. (lacht) Es war sehr lange sehr einfach, an der amerikanischen Esskultur zu verzweifeln. Und jetzt ändern sich die Dinge langsam. Michael Pollan, der einige Bücher wie ”In Defense Of Food” geschrieben hat, wird gerade sehr populär.

Und seine Grundaussage ist, dass Essen bessere Qualität haben und dementsprechend mehr kosten sollte. Mehr kosten nicht in dem Sinne, dass man es sich nicht mehr leisten kann, sondern in dem Sinne, dass man die Prioritäten zugunsten von Essen verschiebt und mehr Geld für gute Qualität ausgibt. Und auch, dass man mehr Zeit mit dem Essen verbringt. Viel davon trifft auch auf Musik zu. Vielleicht wird Musik gerade zu Fastfood und irgendwann merken die Leute, dass es nicht gut für sie ist, und dann bekommt Musik einen neuen Stellenwert.

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Elektronische Lebensaspekte.

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