Der Mann mit der roten Maske zerwirbelt diesen Herbst unsere Dancefloor-Wahrnehmung. Sein Debüt-Album "The Dance Paradox" rollt Techno von einer neuen, unerwarteten Seite auf.

Redshape

Rod Modell – Plays Michael Mantra (Silentes)

silentes30

Redshape: Sehr schön. Das erinnert mich spontan an Lawrence. Würde ich in meinem iPod hören. Was ist das?

Debug:
Das ist Rod Modell von Deep Chord und Echospace. Er interpretiert den Ambient-Musiker Michael Mantra. Die CD ist vor kurzem wiederveröffentlicht worden.

Redshape: Gefällt mir. Jetzt noch eine Bassdrum und alles ist gut.

Debug: “The Dance Paradox”, dein Debüt-Album, ist auch sehr atmosphärisch, sehr moody. War das von vornherein geplant?

Redshape: Nein. Man sollte es nur gut durchhören können. Und es sollte eine rohe Qualität haben, damit man es trotzdem spielen kann. Wobei ich bezweifle, dass das viele tun werden. Ich hab im letzten November mit dem Album angefangen, und dann die ganze kalte und feuchte Jahreszeit durch produziert. Das hört man auch. Von daher ist es ganz praktisch, dass es jetzt im Oktober erscheint. Schon witzig, wie das Album für mich im Sommer geklungen hat. Die ganze Leidenschaft und Emotion, die da drinsteckt, schien nicht mehr den selben Effekt zu haben.

Debug:
Ein Platte für die dunklen Tage.

Redshape:
Ja, definitiv.


Kreidler – Mosaik (Italic)

Kreidler

Debug: Ich musste bei dem Track an dein Album denken, auch wenn er aufgeräumter und sauberer ist. Kannst du mit solcher Musik etwas anfangen, oder ist dir das zu krautig?

Redshape:
Bis jetzt finde ich es super. Ich hab aber keine Ahnung, was das ist. Klingt für mich wie früher Cral Craig versus Dubstep. Schön atmosphärisch. Ich könnte mir auch vorstellen, mal etwas so aufgeräumtes zu produzieren. Wer ist das?

Debug: Kreidler. Vom neuen Album.

Redshape: Würde ich auch in meinen iPod laden. Ich bin für unterwegs immer auf der Suche nach ruhigen Sachen, die nicht belanglos sind. Das ist gar nicht so einfach.

Juju & Jordash – Deep Blue Meanies (Dekmantel)

Juju

Redshape: Das klingt sehr US-mäßig. Oder europäisch geklaut. Ich stehe total auf solche Drums. Es gibt ja mittlerweile auch eine ganze Riege von Produzenten, die anständige Sachen in die Richtung machen. Als ich mit Redshape angefangen habe, war das noch nicht so. Da gab es vor allem Carl Craig, Omar S und Theo Parrish. Aber jetzt mit Workshop, den Italienern von Morphine Doser oder auch Sistrum geht da schon einiges mehr. Woher kommt das jetzt?

Debug:
Aus Amsterdam.

Redshape: Echt? Würde ich auf jeden Fall spielen. Eine neue Platte auf Aaroy Dee’s Label M.O.S. vielleicht?

Debug: Nein, das sind Juju & Jordash. Von ihrem Debüt-Album, auf “Dekmantel” via Rushhour.

Rue East – Remove (Pure Plastic)

Rue-east

Redshape: Pizzicato, yeah ….

Debug: Es gibt eine Verbindung zwischen dir und der Platte.

Redshape:
Wirklich? Das könnte eine alte Rue East sein.

Debug: Stimmt. Eine frühe Produktion auf Pure Plastic. Hast du noch ein Ohr für solchen klassischen, schnelleren Techno?

Redshape: Grundsätzlich schon. Ich finde den Track allerdings nicht so gut. Da hat er bessere gemacht. Ich mag Pizzicato einfach nicht. Davon gab es damals, so ’98, eine ganze Flut von Platten. Das reicht mir bis heute noch. Bei Pizzicato geht bei mir bis heute die Alarmglocke los. Was klassischen Techno angeht, gefällt mir zum Beispiel die neue Rob-Hood-Platte ganz gut. Hauptsache nicht so aufgepumpt.

Debug:
Mit dem neuen Album von Planetary Assault System kannst du dann wahrscheinlich nicht so viel anfangen?!

Redshape: Ich war ja früher ein Riesenfan. Die Maxis und das erste Album auf Peacefrog sind nach wie vor absolut großartig. Aber auf dem neuen Album hat er sich irgendwie primär selbst kopiert.

Debug: Du hast das mal “Domina-Techno” genannt.

Redshape: Damit meinte ich aber eine spezielle Phase von Techno, ungefähr ab der zweiten British-Murder-Boys-Platte. Was dann auch Leute wie Oscar Mulero weiter getrieben haben. Diese klaren, spitzen und metallischen Sounds. Und eine Härte, die irgendwie auch immer noch funky ist, das meine ich mit “Domina-Techno”.

Debug: Machst du denn noch manchmal die Maschinen an und endest bei 135 oder 140 bpm?

Redshape:
Nein. Ich mache die Maschinen an, ende bei 110 bpm und muss mich dann immer daran erinnern, dass das etwas zu langsam ist. Ich habe gerade einen Remix für Martyn gemacht, da dachte ich mir, dass ich mal wieder einen Breakbeat-artigen Track mit viel 909 machen will. Als das dann alles lief, so schön oldschoolig, war mir das aber zu viel. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Leute mit so viel Claps und Ride-Becken einfach nur erschrecken würde. Krach mach ich schon noch gerne, aber eben bei langsamerem Tempo.

Debug: Ist dein Album oldschoolig?

Redshape: Nein. Auf keinen Fall. Natürlich ist man geprägt von bestimmten Sounds und Stilen, aber es wäre müßig darüber jetzt zu reden. Das einzige, was ich unter Oldschool laufen lassen würde, ist, dass Ben Lauber, der Drummer von T.Raumschmiere, Drums live eingespielt hat. Ich wollte unbedingt ein bisschen Indie-Feel auf dem Album haben. Er hat bis auf den ersten Track zwar keine Beats gespielt, dafür aber alle HiHats, Shaker und Snares. Ich wollte klassische Rock-Sounds auf dem Album. Keine jazzigen. Das hat viel Spaß gemacht, aber auch eine Menge Nerven gekostet, weil das Editieren teilweise sehr aufwendig war. Jetzt habe ich eine riesige Library mit live eingespielten Drums, die werde ich auch weiterhin nutzen. Ich habe da schon einige Ideen, auf die ich mich freue.

Hunee – Tour De Force (W.T. Records)

Hunee

Redshape: Sehr netter Kontrast mit diesen Filterfahrten und den E-Piano. Die Amis setzen ja auch bis zum Unfallen E-Pianos ein, aber meistens gibt es dann einfach keinen Kontrast dazu. Das wird schnell langweilig und vorhersehbar. Von daher finde ich das sehr abwechslungsreich hier. Das klingt neu für mich, eine Zusammenstellung, die man wahrscheinlich nur jetzt machen würde. Darf aber nicht zu verspielt werden. Wie heißt das Label?

Debug: W.T. Records. Und der Produzent heißt Hunee.

Rhythim Is Rhythim – Kao-tic Harmony (Transmat)

Rythim

Redshape: Das Label habe ich jetzt aber schon am Artwork erkannt, was kommt aber noch nicht. Ich werde das auf jeden Fall super finden.

Debug: Ich wollte eigentlich eine andere Transmat-Platte mitbringen, die erste Psyche von Carl Craig, hab sie leider nicht mehr gefunden. Aber er hat ja auch hier seine Finger drin.

Redshape:
Diese Tracks sind wirklich wichtig für mich. Diese Atmosphäre. Das ist alles nicht so vorhersehbar, was das Arrangement angeht. Die Melodien wurden einfach improvisiert und aufgenommen. Diese Sounds und Modulationen sind großartig.

Debug: Das dürften ja auch Live-Jams sein. Carl sitzt am Pitch-Bend-Regler und Derrick fummelt an den LFOs und Envelopes und fertig. Jamst du auch live auf der Suche nach den richtigen Melodie und nimmst dabei auf?

Redshape: Nein. Ich probiere zwar ein bisschen herum, aber wenn ich das Gefühl habe, dass es das jetzt ist, nehme ich es einfach einmal auf und belasse es dabei. Fertig. Nicht noch mal drüber nachdenken. Das Album habe ich auch an einem Stück produziert. Einen Track nach dem anderen. Als ich den ersten fertig hatte, war ich mir sicher, dass ich es nicht schaffen würde, ein Album zu machen. Mir ist richtig bewusst geworden, dass Redshape als Maxi-Projekt gedacht war. Sehr geprägt von 69-Platten, auf denen Carl Craig ja auch alles Mögliche zusammen geschmissen hat. Wenn die Tracks irgendwie komisch klangen, dann war das eben so.

Aber als ich mit dem Album anfing, wusste ich plötzlich nicht, wie ich mir so viele Melodien einfallen lassen sollte. Das hat mich erstmal völlig überfordert. Dann habe ich mich entschieden, erst mal einige rohe Tracks ohne große Melodien zu produzieren. Und diese rohen Aufnahmen habe ich dann in Wavelab geladen, so dass ich von Track zu Track springen konnte. Dadurch habe ich erst das Gefühl für das Album bekommen. ‘Ah, so klingt das!’

Debug: Und dann hast du es irgendwann Marsel von Delsin gezeigt.

Redshape: Nee, ich hab niemanden etwas vorgespielt. Ich wusste, dass mich das zu sehr beeinflusst. Marsel hat die Tracks erst gehört, als schon alles fertig abgemischt und das Album angekündigt war. Ich hatte sozusagen Carte Blanche bei der Produktion. Er hat mir voll vertraut.

Jeff Mills – Time Mechanic (Axis)

Jeff-mills

Redshape: Das ist “Time Mechanic” von Jeff Mills, oder?

Debug: Ja, stimmt.

Redshape: Jeff Mills war natürlich auch extrem wichtig für mich. Bei Redshape dann allerdings nicht mehr so sehr. Ich glaube er hat mich irgendwo bei Purpose Maker 012 verloren. Aber es ist schon beeindruckend, wie er sein Schema mit denselben drei Instrumenten konsequent durchzieht. Er hat ja mittlerweile so unglaublich viele Tracks produziert, die so klingen. Eine ganz eigene Soundwelt, die auf einer sehr übersichtlichen Anzahl von Klängen fußt. Vielleicht braucht es diese schiere Masse, damit man ihm seine ganzen Space-Konzepte überhaupt abnimmt.

Na ja. Aber der Track hier ist immer noch oberer Durchschnitt. Mit so was kann nicht jeder so einfach um die Ecke kommen. Seine Art zu arrangieren, Spuren einfach zu muten, war auch sehr wichtig für mich. Wenn ich live spiele, dann kommt das manchmal durch. Da reiß ich dann die ganzen Arrangements auseinander und rotze richtig los.

Redshape, The Dance Paradox, ist auf Delsin / Rushhour erschienen.
http://www.shapedworld.com
http://www.delsin.org

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Elektronische Lebensaspekte.

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