Dubstep-Signale zwischen Saarland und Stuttgart


Im deutschen Drum and Bass sind Phace und Misanthrop beispiellos erfolgreich. Nach einigen Veröffentlichungen auf kleineren Labels wurden 2005 Phace, die Saarländer Florian Harres und Nico Ruoff, von Teebee für dessen Label Subtitles gesingt. Der Stuttgarter Michael Bräuninger alias Misanthrop im darauf folgenden Jahr. Subtitles ist seit den mittleren Nullern das Referenzlabel für technoid-futuristischen Drum and Bass und war somit der Ritterschlag für beide Projekte.

Veröffentlichungen auf Subtitles, Virus, Renegade Hardware und Vision folgten. Mit Science-Fiction-Sphären, eigenwillig stolperndem Groove und Breaks verzichten die deepen Phace-Tracks weitgehend auf Hooklines und entziehen sich jedweder Formalisierung, die viele Drum-and-Bass-Produktionen heute so einfältig macht. Misanthrop dagegen kombiniert reduziert-geradlinige Funkyness, (selbst gespielte) Gitarrenlicks und eigenwillige Breaks in ungewöhnlichen Arrangements, deren Druck stets die Messlatte im Drum and Bass dieser Tage sein könnte.

Der gemeinsame Nenner der langjährigen Freunde ist das ausdifferenzierte Sounddesign – dass sich Florian und Michael nebenher in dem Bereich verdingen, überrascht da nicht. Inzwischen zählen sie zu den wichtigsten Vertretern des Neurofunk-Genres, spätestens seit Phaces “Psycho“-LP auf Subtitles im letzten Jahr. ”Wenn du etwas für andere Labels machst, ist das zwar gut und man muss diesen Weg auch gehen, um sich zu etablieren“, erzählt Florian am Telefon. ”Ein Teil des Erfolgs geht dabei aber immer auch an das Label oder den, der dahinter steht. Bei Subtitles wurde durch unsere Musik auch immer viel Öffentlichkeitswirkung für die Marke Subtitles beziehungsweise Teebee geschaffen.“

Ein eigenes Label zu gründen ist somit der nächste, konsequente Schritt. ”Und damit die komplette Freiheit zu haben, wirklich machen zu können, was wir wollen“, erklärt er. Neosignal heißt das und steht nun mit dem ersten Release in den Startlöchern: Phaces “Cold Champagne“ mit “Astral Projection“ auf der Flip; Nummer zwei sind Misanthrops “Black Rain“ und “Moon Clouds“. Das Ganze soll nun ”kein Output-Label werden“, sagt Florian. Und vorerst sollen nur eigene Stücke veröffentlicht werden, dann auch Kollaborationen mit Noisia, Spor, Mayhem und vielleicht auch Teebee, die allesamt Produzenten aus der ersten Reihe im Neuro- und Techfunk sind. Um ein bestimmtes Genre soll es aber gerade nicht gehen.

Kann man also auch mit neuen 4/4- oder Dubstep-Signalen rechnen? “Durchaus”, erzählt Florian, “zwar nicht auf Vinyl, aber es könnte sein, dass auf einer CD-Compilation auch solche Stücke sein werden.“ Neben Vinyl und CDs wird es natürlich MP3s geben, vertrieben wird alles von Triple Vision. Sich neben den unzähligen anderen Labels etablieren zu können, schätzt Florian selbstbewusst ein: “Im Endeffekt sind wir kein Label, dass sich aus dem Nichts heraufarbeitet, sondern wir sind ein Label etablierter Künstler, die jetzt einfach ihre eigene Plattform haben wollen.“
http://www.neosignal.de

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Elektronische Lebensaspekte.

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