Stefan Heidenreich über Bewerbungslöcher


Foto: STR/AFP/Getty Images

“Die Jüngsten – die, die es sich leisten konnten – kleideten sich bei Lanvin oder Hermès ein und ließen sich ihre Hemden auf der Jermyn Street von Turnbull & Esser schneidern.“ Philipp Gorman aka Wolfowitz hat seither einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Erst Musterschüler bei Bloom, in Bellows Roman die Hauptfigur Ravelstein, dann Präsidentenberater, von dort zum Chef der Weltbank weggelobt. Hätte er sich nur ein wenig mit islamischer Kultur beschäftigt, er hätte wissen müssen, dass beim Betreten von Moscheen die Schuhe auszuziehen sind. Aber die Bilder zeigen genau das, was der Fall ist: Der Chef der Weltbank hat Löcher in den Socken.

Die Geschichte könnte allerdings eine Kehrseite haben. Sie könnte ein gut geplanter Winkelzug im Polit-Guerilla-Marketing sein. Wolfowitz, der Kriegstreiber, hat sich bekehren lassen, sich von der dunklen Seite der Macht entfernt. Der Falke wandelt sich zum schrulligen Kauz. Die Geschichte geht weiter, denn am selben Tag schnorrte er beim Einkaufen in Istanbul seinen Leibwächter an, weil er zu wenig Geld dabei hatte. Das passt. Was will der Mann mit der autodestruktiven Kampagne erreichen? Einen Posten bei einer Hilfsorganisation in Afrika? Herausgeber bei der New Left Review werden? Oder eher aus der Tiefe der Karriere Schwung holen für den nächsten Krieg.

Sh••••

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Elektronische Lebensaspekte.

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