In Rumänien ist dieses Technoding auch ein Neuanfang


Techno expandiert gen Osten. Jahrelang bestand die Speerspitze der ost-europäischen Technoszene nur aus wenigen Namen, jetzt erobert eine neue Generation talentierter Producer und DJs mit südländischer Lässigkeit und griffigen Minimal-House-Produktionen auch die Dancefloors des Westens.

Drei Freunde aus Bukarest, Rhadoo, Petre Inspirescu und Raresh, haben mit gerade mal zwei Releases auf ihrem Label “A:rpia:r” nicht nur die Aufmerksamkeit von Größen wie Luciano und Villalobos auf sich gezogen, sondern auch Rumänien fast über Nacht auf der Techno-Landkarte etabliert. Petre Inspirescu blickt zurück auf die Anfänge der rumänischen Technokultur.

Petre: Die Szene gibt es bestimmt schon gut zehn Jahre, aber für viele in Rumänien ist dieses Technoding auch ein Neuanfang. Die Wirtschaft war jahrelang im Keller, und das hat sich natürlich auch auf andere Bereiche des Lebens ausgewirkt. Dann haben viele junge Leute die elektronische Musik entdeckt und sich darauf gestürzt. Als ich angefangen habe zu produzieren, war ich immer auf der Suche nach neuen Sounds und Ideen. Wir haben hart dafür gearbeitet, dass Techno dort inzwischen so populär ist. Die Clubkultur ist inzwischen schon sehr ausgeprägt, aber Techno ist immer noch Underground.

Inspirescu hat inzwischen u.a. auf Cadenza veröffentlicht und mit “Sakadat” den Track mit der wohl prägendsten Snare des letzten Jahres produziert, Kollege Raresh wird inzwischen gar als Villalobos’ Protégé gehandelt. Davon, dass die drei inzwischen eine Pionierrolle in Rumänien erfüllen, will er nichts wissen, schließlich geht es bei Arp:ia:r doch in erster Linie um Spaß.

Trotzdem verfolgt das Label auch das Ziel, eine Plattform für aufstrebende lokale Talente zu werden. Mit einer strikten Vinyl-Only-Philosophie, bedingungsloser Dancefloor-Tauglichkeit und erfrischender Down-to-Earth-Attitüde rockt das ”RPR Soundsystem“ mittlerweile Partys von Bukarest bis Dublin, eine Residency im legendären DC10 auf Ibiza inklusive.

Doch nicht nur auf Seiten der Produzenten bewegt sich einiges in Rumänien. Die Clubs in Bukarest florieren, seit immer mehr bekannte Namen auf den Flyern stehen, und Clubbing wird mit einer Intensität und einem Enthusiasmus wahrgenommen, der an die Anfänge der westeuropäischen Techno-Evolution erinnert.

Für viele ist das Cluberlebnis einfach eine ganz neue Erfahrung, und dazu kommt eben noch unser südländisches Temperament. In Berlin z.B. ist die Szene viel gesättigter; alleine dadurch, dass man drei, vier Mal die Woche ausgehen kann. In Rumänien ginge das allein schon vom finanziellen Aspekt her nicht, und wenn die Leute dann ausgehen, dann lassen sie eben die Sau raus. Hoffentlich bleibt das auch so.
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Elektronische Lebensaspekte.

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