Glen Johnsons Band kultiviert altersschlaffes Nörgeln


Die Band um Glen Johnson kultiviert altersschlaffes Nörgeln. Sie ist dabei aber auf Zack genug, um als Erste Vashti Bunyan wiederentdeckt zu haben. In fünf Jahren wird man wissen, wie sensationell ihr aktuelles Album “Part Monster” ist.

Piano Magic machen Music out of time – eine Seite mit zwei Medaillen. Einerseits: karrierebedrohlich trendfern. Auf der anderen: weitgehend zeitlos. “Stimmt, im günstigsten Fall ist unsere Musik alterslos“, raunt Glen Johnson, Gründer, Sängertexter und Gitarrist der Band, um dann kurz und bitter aufzulachen: “Nur wir werden alt. Aber ich finde, Musik sollte die Herzen berühren und nicht nur die Füße. Ich mache Musik, seit ich 15 bin, und dieser Ansatz hat sich seitdem nicht geändert.“ Der Mann ist zweifellos älter als 25, deswegen bleibt eine Zeitspanne zwischen seinem 15. Geburtstag und der zehn Jahre zurückliegenden Geburt von Piano Magic vorerst ungeklärt.

Fest steht: Piano Magic formulierten im Lauf ihrer Geschichte Ideen, die erst fünf Jahre später zum Trend wurden, oder entwickelten fünf Jahre alte Trends konsequent weiter, als längst keiner mehr damit Geld verdienen konnte. Sie waren es, mit denen die heute erst in der Gegenwart angekommene Folk-Legende Vashti Bunyan nach 30 Jahren Abstinenz die ersten Aufnahmen machte. Sie hätten mit ihrer Verzahnung von Bedroom-Elektronik und Gitarrenwänden vielleicht sogar so was wie Radiohead werden können, aber das haben dann ja Radiohead gemacht. In Italien und Spanien werden Piano Magic gefeiert, in England nur respektiert, vielleicht weil drei Fünftel der Band Franzosen sind.

Die Zahl der festen und assoziierten Bandmitglieder wird höchstens von der der Labels übertroffen, bei denen sie veröffentlichten, darunter i/Che, Rocket Girl, Staalplaat, Darla, 4AD, Acetate, Wurlitzer Jukebox und Morr Music. Piano Magic bleiben an den Rändern und fühlen sich wohl dabei, wie Johnson mit seiner altersmilden Abgeschlafftheit feststellt: “Ich denke, England ist interessiert an Celebrities und Fashion und gut aussehenden Jungs mit drei Akkorden. Wir sind nichts davon. Wir sind eine dieser altmodischen Bands, die spielt, weil sie gerne spielt. Fame … pfff … Popularität ist ganz unten auf der Liste. Kurz hinter Geld.“

Das neue Album heißt “Part Monster”, vielleicht weil der ursprüngliche Plan, möglichst rau und hart zu bleiben, im Prozess immer wieder Momenten fragiler Schönheit Platz machte. Out of time bleibt die Musik sowieso. Dafür sorgte als Produzent Guy Fixsen, einst eine Hälfte der fabulösen Laika, ferner gefragter Engineer (u.a. Breeders und Pixies), vor allem aber Mitglied einer Band, die Johnson zu seinen Lieblingen zählt: “Yeah, Moonshake … Ende der Achtziger gab es eine Reihe großartiger Bands, die plötzlich alle auf einmal verschwanden: Moonshake, Insides, Disco Inferno … mir kam es so vor, als bekäme meine Plattensammlung eine Lücke. Und so begann ich, diese Lücke mit meinen Platten zu schließen.“

Aus dem Bedroom-Projekt eines stilbewussten Einzelgängers mit Bühnenangst ist eine eingespielte Band mit ausfransendem Gast- und Freundespersonal geworden, darunter die Sängerin Angele David-Guillou (Klima). Und um eine der FAQs der Webseite zu beantworten: “Part Monster” bietet einen guten Einstieg in die Serie dieser Missing Links zwischen My Bloody Valentine – die Johnson sehr kritisch kommentiert, aber natürlich trotzdem nicht überzeugend vom Tisch fegen kann – und Kraftwerk, die er vorbehaltlos verehrt. Als er aber darauf beharrt, man könne nicht über Piano Magic reden, ohne die Scorpions zu erwähnen, versucht sich der alte Melancholiker wohl an einer Form von Humor, von der seine Musik dankenswerterweise frei ist. Denn da wird noch mit Stil gelitten.
http://www.piano-magic.co.uk

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Elektronische Lebensaspekte.

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