Paddy McAloon, Popmusik-Retter der 80er, meldet sich mit elf bis dato unveröffentlichten Prefab-Sprout-Stücken von 1993 zurück.

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Als 2003 im Zuge von Paddy McAloons hörspielartigem Solo-Debüt “I Trawl The Megahertz” gleich noch eine Prefab-Sprout-Platte angekündigt wurde, konnte man gespannt sein, ob es sich dabei wirklich um ein neues Werk oder eines jener Konzeptalben handelte, über die McAloon immer wieder in Interviews berichtete.

Seit diesem Jahr weiß man, dass letzteres der Fall ist. In der Zwischenzeit dokumentierten lediglich die solo eingespielten Neuaufnahmen einiger “Steve McQueen”-Songs (anlässlich der Jubiläums-Ausgabe von 2007), dass McAloon den Bezug zur Popmusik nicht verloren hat. Die Stücke des achten (chronologisch gesehen sechsten) Prefab-Sprout- Albums “Let’s Change The World With Music” sind nun so sehr “Pop”, wie man es nach den zwei Pet-Shop-Boys-artigen Singles von 1992 erwarten konnte.

Doch anders als beim Vorgänger “The Gunman And Other Stories” hat McAloon hier keine seiner Auftragsarbeiten (u.a. für Cher) in Bandbesetzung neu eingespielt, sondern die 1993 erstellten Demos offenbar so belassen, wie er sie seinerzeit dem Vertrieb präsentierte: kompositorisch ausgereift, gesanglich weit leidenschaftlicher und facettenreicher als später auf “Andromeda Heights”, doch sowohl bei den Beats, als auch bei den Streicher- und Bläserarrangements auf Schablonen zurückgreifend, deren Behelfscharakter nur schwer als “Vintage MIDI Sound” schöngeredet werden kann.

Für McAloon, der seine Platten bisher stets von Klangperfektionisten wie Thomas Dolby oder Calum Malcolm bearbeiten ließ, eine ungewöhnliche Entscheidung. Doch möglicherweise kam es McAloon bei der Postproduktion gar nicht darauf an, mit großem Kraftaufwand ein “great lost album” fertig zu stellen (nicht von ungefähr nimmt er in den Linernotes immer wieder auf Brian Wilsons “Smile” Bezug), als vielmehr das Augenmerk darauf zu lenken, was die Vorschussgeber seinerzeit zögern ließ, für die Songauswahl das Go zu geben.

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Es sei nämlich vor allem die inhaltliche Ausrichtung gewesen, die Stirnrunzeln verursachte. In Strophen wie “I’ve told your guardian angel not to let you out of his sight” griff McAloon noch tiefer in den Bibelfundus als auf dem Vorgänger “Jordan: The Comeback”. Dessen – im Vergleich zu “Steve McQueen” und “From Langley Park To Memphis” – bescheidener Erfolg versetzte den damals 36-jährigen in keine gute Verhandlungsposition. Und er selbst schien unsicher, wie sein Publikum auf so unverblümte Spiritualität reagieren könnte.

Nach 16 Jahren Bedenkzeit eine immer noch berechtigte Frage, denn wer bereits bei “Andromeda Heights” die Sprachspiele des jungen McAloon vermisste, dürfte auch für Appelle der Art “Spread your golden wings and take me close to the divine” nur bedingt empfänglich sein. Dem Albumtitel “Let’s Change The World With Music” entsprechend geht es hier nicht nur um Losungen, sondern vor allem um jene Verführerin Musik, der alles geopfert wird, weil sie der (wiederum göttliche) Antrieb an sich sei.

Und in “Sweet Gospel Music” , neben “Ride” das eingängigste und tanzbarste Stück des Albums, hört der Erzähler nicht nur Trompeten und Chöre frohlockender Engel, sondern auch – für den Hörer ebenfalls vernehmbar – deren Flügelschlag. Spätestens da zeigt sich, dass Paddy McAloon selbst auf Cliff-Richard-Terrain den Witzbold zu geben vermag. Und was die synthetischen Fanfaren und Pizzicati betrifft, so scheint er inzwischen auch zu denjenigen Musikern zu gehören, für die der Sound eine vernachlässigbare Größe ist – solange nur die Harmonien brillieren.

Fans von Ivan Lins und Todd Rundgren mögen in jenem erforderlichen Abstraktionsvermögen schon geschult sein, doch mit etwas Fantasie, gutem Willen und – am besten – Humor kommt man auch beim “Last Of The Great Romantics” auf seine Kosten.

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Prefab Sprout, Let`s change the world with music, ist auf Kitchenware Records / Edel erschienen.
www. kitchenwarerecords.com

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. lassinger

    in der Tat nicht ganz so “sperrig” wie davor veröffentlichtes und sehr sprirituell. Aber ein Genuss, endlich was neues (altes) zu hören von dieser Band.

    Ich gehöre auch zu jenen, die diese Band sehr spät entdeckt haben und dann nicht genug bekommen konnten.

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