Als alle Labels ihre MP3 Shops aus dem Boden stampften, legte das Netzlabel .shadybrain los, um Vinyl zu veröffentlichen.


Es ist hinlänglich bekannt: MP3 bewegt sich mit großen Schritten darauf zu, einziges gefragtes Musikformat zu sein. Laut Media Control war die Zahl legaler Musikdownloads im ersten Quartal 2008 so hoch wie nie zuvor (11,3 Mio). Kaum ein Label kann es sich mehr leisten, sich nicht in diesem Bereich zu platzieren. Viele gehen mittlerweile als reiner MP3-Anbieter an den Start.

Im Drum and Bass machte als solcher vor allem .shadybrain von sich Reden. Chris Impulse und Marc Steiling brachten das Label 2004 an den Start und veröffentlichen seither Neurofunk und Techstep, wie man in Zeiten fortgeschrittener Genreisierung sagt, in digitaler Form.

Das musikalische Profil ergibt sich durch die veröffentlichten Künstler: Zum Bespiel waren das Phace und Misanthrop, die mittlerweile internationales Renomee haben. Weiter Syncopix, Nphect & Diz:play, Body & Soul und noch einige mehr, allesamt in die erste Reihe der Produzenten zeitgenössischen Drum and Bass´ strebend oder dort schon angekommen.

Zu den spannenden Künstlern kommt eine spannende Tonträger-Politik: Wenn man in Betracht zieht, dass MP3 so dermaßen auf dem Vormarsch ist (bei den Downloads sind das 38 Prozent mehr als letztes Jahr), überrascht es umso mehr, dass ein Label, das im digitalen Bereich schon etabliert ist, entgegen dem Trend Vinyl als neues Format anbietet. Bei .shadybrain ist das so. Dort ergänzen neuerdings Platten die digitalen Releases. Chris Impulse gibt Auskunft.

Chris Impulse: Das Gebilde .shadybrain hat es als Kollektiv, in dem verschiedene Musik wie HipHop und anderes Elektronisches entstand, schon seit 1999 gegeben. Ich legte auf und knüpfte so viele Kontakte. Im Laufe der Zeit haben wir uns immer mehr auf Drum and Bass zubewegt. 2004 kam uns die Idee, auch Musik zu veröffentlichen. Die Chancen, sich als neues Label etablieren zu können, waren damals jedoch nicht besonders groß. Einige Vertriebe waren gerade Pleite gegangen und wir sagten kurzum: Gut, dann machen wir das eben digital und ließen uns einen Downloadshop programmieren. Es gab damals zwar Freelabels im Netz, aber wir waren die ersten in dem Bereich, die nur ihre digitale Musik verkauften.

De:Bug: Wie kam es dazu, dass ihr inzwischen auch Vinyl herausbringt?

Chris Impulse: Im Laufe der Zeit stieg die Nachfrage nach den Veröffentlichungen. Vor anderthalb Jahren kam dann der Vertrieb Triple Vision aus den Niederlanden auf mich zu. Sie boten mir direkt einen Press- und Distributionsvertrag an. Wir hatten damals starke Stücke, die als digitale Releases geplant waren, und brachten die so als Debüt heraus. Wir wollten ja ohnehin gerne Musik auf Vinyl veröffentlichen und hatten das auch schon im Gespräch. Wir sind sehr zufrieden damit.

De:Bug: Welche Pläne habt ihr mit .shadybrain für die Zukunft?

Chris Impulse: Es wird einiges passieren in diesem Jahr. Unser Schwerpunkt wird weiterhin auf digitalen Releases liegen. Auf der Schiene möchten wir künftig mehr neue Künstler unterstützen. Mitte bis Ende des Jahres werden wir unseren Webauftritt neu launchen und wollen dann auch Musik aus anderen Genres veröffentlichen. Der Labelcharakter soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Also soll keine Verkaufsplattform entstehen, sondern ein roter Faden erkennbar bleiben. Wir haben durch den digitalen Vertriebsweg die Möglichkeit, schnell und unkompliziert zu veröffentlichen, wieso sollen wir uns also auf Drum and Bass beschränken?
http://www.shadybrain.net

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Elektronische Lebensaspekte.

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