Waverock ist im Augenblick der totsicherste Garant, um seiner Provinzlangeweile zu entkommen. Also gründen sieben Freizeithänger aus Sacramento die Band "!!!", damit schon im Namen der New-Wave-Bezug klar ist. Und dann spielen sie entsprechende Musik, um auch ganz sicher zu gehen, dass sie jemand aus ihrem Kaff wegholt. Das hat weitestgehend geklappt, wir gratulieren.
Text: Sascha Horsley aus De:Bug 83

!!!

Mütter mit Kind, Hund und Laden brauchen gerne mal etwas länger, um Interviews fertig zu stellen. Wenn es in ihrer Weltanschauung dann auch noch eher ein zähes Gespräch mit leichtem Kaugummicharakter war, dann passiert es schon mal, dass sie die Namen der interviewten vergessen.
Die Band hat den so gar nicht bescheuerten Namen “!!!”. Vorneweg sei bemerkt, von den “???” haben sie noch nie was gehört, und leider wollte mein Sohn seine einzige “???”-Kassette (“Das Todesmoor”) nicht rausrücken. Den beiden irgendwas zwischen 26- und 40-jährigen verschlafenen Mitgliedern der eigentlich siebenköpfigen Funkrockfamilie kann also leider nicht die herausragendste Hymne meiner gottlosen Kindheit, nämlich die Anfangsmelodie jener Kassetten, vorgespielt und somit ein klein wenig deutsches Liedgut mit auf den Weg gegeben werden. Wie traurig manches Leben verläuft …

Wie gesagt, sind sie eigentlich zu siebt. Haben jahrelang rumgehangen, die gleiche Musik gehört, Mädchen mehr oder minder erfolgreich aufgerissen, wurden verlassen, sind daraufhin auf Konzerte anderer Bands, haben bestimmt stapelweise James Brown oder Gang Of Four gehört und 1996 beschlossen, einfach selber eine Band zu machen, die die Welt braucht. Sacramento war der Ort des Geschehens. Mittlerweile sind fünf der Jungs nach Brooklyn gezogen und nur noch zwei leben in Sacramento. Diese beiden haben nämlich Kinder und Jobs. Der freundliche Promoter ruft mir die Namen in Erinnerung …
Nic singt und John spielt super Schlagzeug.

DeBug:
Sacramento also, ja?
Nic:
Ach … da ist es schon okay … eine Kleinstadt eben. Wenn man sie als Fremder besucht, wirkt sie eher schlimm und langweilig, ein riesiger Vorort eben. Aber es ist einer der Orte, wo die Kids noch tatsächlich coole Sachen machen. Dort herrscht kein HussleBussle, wie es in großen Metropolen oft der Fall ist. Du hast viel Spaß und machst im besten Fall Musik, die nicht unbedingt von den aktuellen Trends beeinflusst wird. Du musst immer dein eigenes Ding machen, die Hälfte säuft sinnlos Bier, die anderen sind kreativ. Entweder gibst du auf und wirst verrückt, oder du gibst auf, wirst verrückt und nutzt diese Verrücktheit und machst damit was Gutes.
(Augenbrauenhochziehen bedeutet in dem Fall wohl, dass sie gemeint sind.)

DeBug:
Ganz ursprünglich wart ihr doch mal acht, oder irre ich mich? (kopfnicken)
Fünf von euch sind dann aber nach Brooklyn und die drei anderen haben Kinder gemacht … oder… Jobs gekriegt. Einer ist ausgestiegen. Wieso? Hat seine Frau ihn nicht mehr zu den Proben gelassen?
Nic:
Wir wollen mal nicht immer den Frauen die Schuld in die Pumps schieben. Nein, das war schon seine eigene Entscheidung. Nee Nee, der wollte das so. Ich hab ja zu ihm gesagt: “Hey Duuude, you wanna have a babee …. okaaay” (John prustet nach diesem Alter-weiser-Mann-spricht-mit-seinem-Sohn-Vortrag.)

DeBug:
Und ist er jetzt sauer und neidisch auf euren Erfolg?
Nic:
Nein, äh ja, natürlich ist er neidisch (grinst). Im Ernst, wahrscheinlich würden alle gerne auch nach NY ziehen, wenn ihr Leben ein klein wenig einfacher zu handeln wäre. Weißt du, wir alle hatten unsere Kleinigkeiten nebenher laufen außerhalb der Musik, wussten aber auch, dass wir diese mindestens genauso gut in NY bekommen oder leben könnten. Von daher war es ziemlich leicht wegzugehen. Aber für sie mit den Kids wäre es doch eine wesentlich größere Umstellung.

DeBug:
Aber wie nehmt ihr dann gemeinsam ein Album auf? Gibt es da schon ein eigenes Studio in NY?
Nic:
Nein, um dieses Album aufzunehmen, sind wir fünf für einen Monat heim nach Kalifornien und haben dann täglich in einer Art Proberaum an den Songs gearbeitet und am Ende des Monats sind wir in ein anständiges Studio und haben die Basic Tracks aufgenommen. Dann haben wir uns wieder getrennt und einzeln an den Tracks gearbeitet. Dann sind wir für ein paar der Stücke nochmal alle zusammen in NY in ein Studio. Wir haben einige Stücke nach und nach aufgebaut, statt sie immer und immer wieder zu spielen, bis sie cool klingen.

DeBug:
Gab es eine Phase als Band, die ihr besser fandet, als jetzt mit großer Promotour in Europa? Zwei von sieben sitzen hier und beantworten langweilige Fragen, ein anderer Teil putzt dem Nachwuchs den Hintern ab und grummelt vor sich hin.
Nic:
Es gibt Bekannte, die mal meinten: “Ätsch, das habt ihr jetzt davon, schön im stinkigen Kleinbus rumgurken, schwitzen, stinken, die Stinke des Nachbarn einatmen …”, aber hey, das lieben wir doch. Da wollten wir doch hin. Für mich ist jede einzelne Tour total super und spannend. Mann, da oben zu stehen, Musik zu machen und ein bis hundert Leute gehen ab, wow.

DeBug:
Wie alt warste denn beim ersten Mal da oben?
Nic:
Ach, soooo ööhm zwölf (prust).

DeBug:
und mein erstes Groupie war so … zehn … (prust)
(…. jetzt wird nur noch gealbert.)

DeBug: Dankeschön, ich wünsch euch alles Gute und dass die Groupies nie über die dreißig kommen …

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Elektronische Lebensaspekte.