die Galaxie und Wir

Alles an Deep Space Orchestra schimmert. Schon ihr Name. Ich könnte den – einfach wie er ist – hundert Mal drehen und würde immer eine Nuance finden, die mir vorher nicht aufgefallen ist, egal wie einfach und einleuchtend der Name eigentlich ist.

Deep Space ist nicht nur der Raum, in dem sich ihre Musik bewegt, sondern natürlich auch das Weltall, weit draußen, die Sehnsucht nach der Zukunft, die wir in Musik der letzten Zeit viel zu oft vergessen haben und oft nur noch Erinnerung ist. Ihr Label Use Of Weapons, benannt nach einem Culture-Roman von Iain M. Banks, macht die Sci-Fi-Konnotationen noch klarer. Und natürlich sind beide DSO-Mitglieder bekennende Banks-Fans. Auch hier deutet der Name mehr an. Wie “Use Of Weapons” mit der Zeit spielt, mal rückwärts, mal vorwärts, beides verschränkt laufend, beides gleichzeitig und beides immer wieder gebrochen, so funktioniert auch die Musik von Deep Space Orchestra in diesem Jenseits von Zeit, in der Linearität immer nur eine der möglichen Abzweigungen aus dem historischen Wurmloch elektronischer Deepness ist. Ihr Logo mit dem Planetenring könnte nicht eindeutiger sein. Musik für die Galaxis, für eine Nostalgie, für einen Sound, der weiter war, und immer noch weiter sein kann als das, was um einen herum ist, aber auch auf so merkwürdige Weise selbstverständlich und entrückt, dass sie schon wieder albern ist.

Eine Topologie der Weite, die ohne Frage an frühe Technozeiten erinnert, genau wie ihr Sound. Deep Space Orchestra sind Detroit, Downtempo, synthverliebte Liverpooler. Überbordender Gefühls-Sound aus analoger Dichte, House aus den Urzeiten, galaktische Sternschnuppen und dennoch handfester Widerstand. Nicht weit von Delusions Of Grandeur oder Instruments Of Rapture entfernt, aber mit marginaleren Disco-Momenten ist ihre Musik auch schon mal genau das, was – wäre er heute erst erfunden worden – ein neuer Carl Craig machen würde. Mit allen Funk- und Jazz-Einflüssen und mit den völlig unerwarteten Momenten wie dem Aufgreifen von Highlife auf “Sir Shina” mit seinen wuchtig jazzigen Breaks, oder dem flirrend außerirdischen Piano im schleppenden Groove von “Clockwork Ninja”, das klingt wie eine Swingband auf dem Red Planet. Ich hätte sie – wie alle, die nördlich von London Musik machen, die sich bis in die letzten Tiefen an Detroit orientiert – für Schotten oder Iren gehalten. Und tatsächlich kommt Simon Murray aus Glasgow. Zusammen mit Chris Graeme aka The Revenge hatte er schon als Cronk Family Enterprises Releases auf Graemes ehemaligem Label Five20East gearbeitet.
Chris Barker (auch er mit Releases auf Five20East) und er haben seit ihrer ersten EP “Trust Skynet” im Dezember einen Slammer nach dem anderen releast und sich das Orchestra – irgendwie ist das ja seit Sun Ra eine Auszeichnung – nicht nur musikalisch, sondern auch als Release-Maschine verdient. Auf dem legendären Label ”Applied Rhythmic Technology“ von Kirk Degiorgio, Winding Road Records und Foto, die zweite Use Of Weapons, eine auf Tracky Bottoms, eine Boogie Originals.

Irgendwie kommt bei ihnen jetzt alles zusammen. Und ihre Mischung aus Soundtrack-Momenten, Afro-Grooves, verspielten Synths, die mehr Harmonie kennen, als in unsere Vorstellung vom Kosmos elektronischer Musik oft passt, ihre lässigen Oldschoolgrooves, die weltumarmenden Strings, all das geht einfach in jedem Track anders auf und bildet neue Konstellationen des Deep Space Orchestra.

soundcloud.com/deepspaceorchestra
deepspaceorchestra.bandcamp.com

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