Der "Ethereal Sound"-Artist schwebt im luftleeren Stil-Raum
Text: Philipp Laier aus De:Bug 156

Die Sprache von Benedikt Frey alias Suedmilch aka Venedikt Reyf funktioniert vor allem durch Bilder. Immer wieder sucht er im Gespräch Halt an Metaphern und blumigen Umschreibungen. Meist findet er ihn und hangelt sich so von Sinnbild zu Sinnbild.

Immer wieder geht es um “kleine Törchen”, die entweder aufgestoßen werden sollen oder sich wie von Zauberhand selbst öffnen. Allzu oft ist auch vom großen (Himmels-) Bild namens Space die Rede: “Das ist mein Lieblingsbegriff für die Musik, die ich mache. Klar haben meine Produktionen House-Formen und auch Techno spielt eine Rolle – wo ich mich aber genau einordnen würde, weiß ich nicht.”

Himmelspforten oder Türchen zum Universum – wie auch immer man es nennt, klar ist: Hier genießt einer das Schweben im luftleeren Raum zwischen den einzelnen Stil-Blasen (no strings attached). In gewisser Weise wird das durch seine Art des Sprechens nur korrekt widergespiegelt. Wer braucht schon konkrete Begrifflichkeiten, wenn man alles mit einem rhetorischen Schnörkel ausdrücken kann? Dem dogmatischen 4/4-Diktat unterwerfen sich auf Dauer schließlich auch nur Kleingeister und Langweiler. Reyf selbst formuliert seine eigene geschmackliche Präferenz wie folgt: “Was ich gar nicht toll finde, sind ultra-gerade, toolige Platten, die immer weiter laufen und laufen. Ich will immer auch mal nach rechts, nach links, nach oben und nach unten fahren.”

Space is the place
Das mag vor allem diejenigen überraschen, die den Herren noch aus seiner frühen Schaffensphase kennen, denn am Anfang stand das mittlerweile zum Synonym seelenlosen Preset-Geklackers verkommene Wörtchen Minimal, und zwar in richtig fetten Lettern. Auf Netlabels wie Autist oder Numbolic veröffentlichte Frey unter dem Namen Suedmilch allerlei Stringentes aus wenigen Zutaten. Eine Klang-Ästhetik, die ihm heute selbst eher fremd erscheint: “Ich würde heute schon sagen, dass das alles für mich ein bisschen zu früh losgegangen ist. Die Passage mit all den Netlabels hätte ich mir sicher sparen können. Ich habe dadurch aber gemerkt, dass dieses Dasein als Internet-Musiker überhaupt nicht das ist, was ich will.”

Selbstfindung durch Ausschlussprinzip also – das darf durchaus als Quantensprung auf der Suche nach einer eigenen Künstler-Identität gewertet werden. Und auch musikalisch wirken die Produktionen des Mittzwanzigers erstaunlich reyf und jonglieren obendrein derart gekonnt mit geschichtsträchtigen Sounds und Stilen, dass man nur zustimmend nicken kann, wenn er konstatiert: “Ich habe jetzt so etwas wie eine stille Straße neben der großen gefunden. Die möchte ich jetzt erst mal entlang fahren”, um nach kurzer Grübelei hinzuzufügen: “Aber eigentlich fahre ich nicht – ich fliege. Beim Musik machen mag ich besonders, wenn man zwar diese Erdung durch etwas Muffiges, Warmes im Bassbereich hat, aber trotzdem von Flächen, Chords oder kleinen Arpeggiator-Melodien ins Universum getrieben wird.”

Es überrascht daher wenig, dass er gerade mit “Ethereal Sound”, dem Label Anton Zaps, seine temporäre Homebase gefunden hat: “Der Sound dort ist genau das, was ich liebe und was ich selbst beim Musik machen fühle. Die Musik hat immer etwas Futuristisches und ist weder reiner House noch 100% Techno. Für mich verkörpert Ethereal eben wieder dieses Space-Gefühl!” Und dort oben gibt es noch reichlich Platz und mehr als genug kleinere und größere Törchen, die nur darauf warten aufgestoßen zu werden. Space ist und bleibt eben the place!

http://www.soundcloud.com/suedmilch
http://www.facebook.com/suedmilch

Leave a Reply