Neue Produktivkräfte erfordern neue Strategien des Widerstands. Die bisherige Konzeption von Arbeit und Eigentum gerät in Zeiten, in denen "geistiges Eigentum" immer wichtiger wird, an ihre Grenzen, ob in Justiz, in Ökonomie oder bei sowas wie "kreativer Praxis". Mercedes Bunz lugt unter den Teppich des Kapitalismus und beschließt, dass es Zeit dafür ist, die kapitalistische Entfremdung zur neuen Waffe zu machen.

Yo, Entfremdung!
Geistiges Eigentum oder warum man der Wiederholung nicht entkommen kann

Können wir der Wiederholung je entkommen? Tatsächlich handelt es sich dabei um die politische Frage schlechthin – mehr denn je in Zeiten, in denen die Digitalität in den Alltag gesickert ist und Wiederholungen, ebenso wie die Kontrolle dieser Wiederholungen, neu und anders ermöglicht als bisher. Auf dem Spiel steht derzeit die Möglichkeit, überhaupt etwas wiederholen zu dürfen: Was darf man wiederholen und wobei bekommt man vom Anwalt des nächsten Konzerns eins auf die Finger? Wer darf also was wiederholen? Wieviel Geld braucht man dafür? Wer wird durch diese Wiederholungen an die Ökonomie angeschlossen, wer muss draußen bleiben?
Denn schließlich ist uns allen klar, dass – nicht nur in der Musikindustrie, dort aber vielleicht am leichtesten verständlich – mit Wiederholung Geld gemacht wird, beispielsweise mit Coverversionen, Remixen und nicht zuletzt mit Samples. Hier das Urheberrecht aufzurufen, das bedeutet immer zu kontrollieren, wer Geld macht, wer was veröffentlichen darf und wer dagegen dazu verdonnert ist, nur “privat” am Geldstrom vorbei mit dem kulturellen Gut der letzten Jahrzehnte zu spielen. Auch wenn das Recht auf Privatkopie, um das derzeit gefochten wird, wichtig ist, führt uns das nicht aus dem digitalen Biedermeier. De facto ist mit dem Urheberrecht vor allem eine knallharte ökonomische Ausgrenzung möglich.
Die Wiederholung zu kontrollieren, das entscheidet jedoch nicht nur über ökonomische Verteilung, sie beeinflusst auch so was wie die “kreative Praxis”. Nur bestimmten Künstlern, denjenigen, die genug Geld haben, einen guten Anwalt oder einen großen Konzern im Rücken, ist der Zugriff auf die gesamte Kultur erlaubt – allen anderen steht nur das freigegebene Material nach Ablauf des Urheberrechts zur Verwertung offen.
Klingt erstmal alles nicht so gut, richtig – und klingt sogar noch weniger gut in Zeiten, in denen sie, die Wiederholung, immer mehr zu einem wichtigen künstlerischen Konzept geworden ist, um sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, ob in der Appropriation Art, als Zitat oder Sample in allen möglichen Spielarten von Musik oder als Footagematerial bei Dokmentarfilmen wie beispielsweise denen von Harun Farocki.
Doch kein Grund, Trübsal zu blasen. Wir glauben – und darum wird es hier nun gehen: In der Mitte dieser Katastrophe lungert ein schwarzes Loch herum, ein blinder Fleck des Systems. Eben genau das: das gefährliche Moment der Kopie, ein antikapitalistisches Moment, eines, dem man nicht ausweichen kann, weil man der Wiederholung nie entkommen kann, einer Wiederholung, die immer genau das ist: Entfremdung. Und die kann man im Moment gut brauchen, um den ganzen Apparat, der an das Urheberrecht gekoppelt ist, sichtbar zu machen. Aber beginnen wir ganz vorne, beginnen wir mittendrin.

Im Zentrum: Arbeit

Das derzeitige Konzept von Eigentum, mit dem wir agieren, bindet eine Person durch Arbeit an ein Produkt. Dieser Fokus auf Arbeit hat sich zwar erst im 18. Jahrhundert durchgesetzt, doch seitdem eine gewisse Tradition. Dass man durch Arbeit einen Wert schafft, darauf basiert etwa nicht nur der Kapitalismus, sondern auch der Marxismus. Beide Theorien koppeln Arbeit an Wert, differieren jedoch in Bezug auf den Besitz der Produktionsmittel. Auf der einen Seite findet man die Besitzstandswahrung: In die Hände der Arbeiter sollte lieber kein Kapital gelangen, man hat eh schon Konkurrenten genug. Sie bekamen im Frühkapitalismus also nur genug Geld, um sich zu ernähren und nicht genug, um sich selbst Eigentum anzueignen. Auf der anderen Seite antwortet man mit Kollektivierung und der (vorübergehenden) Diktatur des Proletariats: Die – etwas zu einfache Lösung – war: Vergesellschaftlichung, allen gehört alles, denn die Entfremdung beginnt mit der Erweiterung des Eigenbedarfs hin zu einem anonymen Markt, sie beginnt mit der Arbeitsteilung, durch die man sich nicht mehr in seinen Produkten wiedererkennt und mit fremd bestimmten Arbeitsanweisungen leben muss.

Economical Correctness

Das hat sich (personifizieren wir ihn mal, auch wenn wir sonst dagegen sind) der Kapitalismus allerdings nicht besonders lange angeguckt. Eingeschüchtert durch die Entfremdung und nicht untätig hat er lieber – Stichwort “integrierter Kapitalismus” – die Arbeiter gleich selbst zu Besitzenden gemacht, sie mit Vorgärten, Zwergen, Reihenhäusern, Videorekordern und Zweitwägen infiziert und ausgestattet, auf deren Kofferraumablagen gehäkelte Hütchen für Klopapierrollen abgestellt werden konnten. Die restlich verbliebenen Arbeitssubjekte, die an der Revolution noch hätten interessiert sein können, irgendwelche so genannten Kreativen beispielsweise, die lieber nach eigenen Vorstellungen arbeiten wollten und nicht mit einem Reihenhaus zu ködern waren, die hat man in den letzten Jahren mit flachen Hierarchien, selbst bestimmter Selbstständigkeit von Ich AGs bzw. Tischtennisplatten, Obstkörben sowie Playstations am Arbeitsplatz geködert, zumindest solange sich das der Arbeitsplatz noch leisten konnte. Von dem Entzug ihres revolutionären Subjekts, das keine Revolution mehr wollte, davon haben sich im Grunde genommen linke Argumentationsfiguren lange nicht erholt. Eine Zeit lang, in den letzten Jahren, hat man Zuflucht bei der kulturellen Identität gefunden und hat sich verstärkt durch die Auseinandersetzung mit so etwas wie “Political Correctness” der Konstruktion von Identitäten gewidmet, hat aufgedeckt, wie die dafür sorgen, dass Verteilungen in der Gesellschaft stabil und bestehen bleiben. Eine Zeitverschwendung war das also nicht, allerdings hat man dabei tendenziell die Ökonomie vernachlässigt (u.a. ein Grund, warum elektronische Musik bis heute ein lächerliches Problem damit hat, als “politisch” gesehen zu werden und das mit so einer fabelhaften selbstbestimmten Ökonomie und ohne Obstkorb). Und nicht von ungefähr kann man beobachten, dass Fragen nach so was wie Besitzverteilung und Gerechtigkeit wieder neu, etwa in der politischen Theorie z.B. (etwas sehr forsch) von Nancy Fraser auf den Tisch gezogen werden. Aber auch wenn es nicht darum gehen kann, ökonomische Gleichheit gegen kulturelle Anerkennung auszuspielen, sondern das Ziel sein muss, beide miteinander zu kreuzen (Wie sollte man sie auch klar voneinander trennen?), ist das auch höchste Zeit. Keine Frage, die Patentierungswut, die von Software bis zu menschlichen Genen reicht, deutet eindeutig darauf hin: in unserer Gesellschaft wird “geistiges Eigentum” mehr und mehr zu DER Produktivkraft. Das heißt zwar nicht, dass alle anderen Wertschöpfungsmodelle wegfallen und verschwinden werden, aber sie werden von nun an von einem neuen Paradigma begleitet, das auch in den herkömmlichen Formen seine Spuren hinterlassen wird. Es ist, finden wir, irgendwie Zeit für so was wie eine neue “Economical Correctness”.

Der blinde Fleck der Justiz

Derzeit toben erst einmal die Verteilungskämpfe und sie toben auf zwei verschiedenen Ebenen herum, die sich verschränken: Zwar gilt das Urheberrecht erstmal für alle, denn im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Copyright muss es nicht aktiv in Anspruch genommen und erklärt werden. Im Streitfall wird seine konkrete Gültigkeit jedoch vor Gericht geklärt und das kann sich schlichtweg nicht jeder leisten. Dass das tatsächlich so ist, kann man beispielsweise an der berühmtesten Arbeit des amerikanischen Künstlers Richard Prince zeigen: Prince hatte seinen Durchbruch als Appropriation Artist mit einem Bild, das die kleine nackte Brook Shields in Lolita-Pose des Films “Pretty Baby” zeigt und das er einfach abfotografiert unter dem neuen Titel “Spiritual America” ausstellt. Von Beginn an gab es um dieses Foto urheberrechtliche Auseinandersetzungen, denn der Mutter von Brooke Shields war das Nacktfoto, das die Karriere Shields zunächst kräftig ankurbelte, im Nachhinein höchst unangenehm. Der ursprüngliche Fotograf des Bildes, Garry Gross, ist mittlerweile durch eine jahrelange Auseinandersetzung mit Shields Anwälten um die Rechte finanziell ruiniert. Als Richard Prince das Foto in einer Retrospektive des Moma zeigen wollte, konnten die Anwälte von Prince 1992 sich mit Gross auf eine Abfindung von 2000 Dollar einigen, nicht zuletzt weil Gross finanziell keine weitere Verhandlung durchstehen konnte. Richard Prince hat für sein abfotografiertes Foto 1999 151.000 Dollar bei Christies kassiert. Garry Gross dagegen, der die Shields-Fotografien unter dem dusseligen Titel “The woman in the child” verkaufen wollte, wurde unter Pornographieverdacht von Ebay ausgeschlossen und hat mittlerweile seine eigene Website (http://www.thewomaninthechild.com) aufgemacht, auf der er das Stück für lumpige 300 Dollar verkauft.
Richard Prince ist uns zwar ansonsten grundweg sympathisch, gleichzeitig zeigt der Fall aber, dass man gegen Entscheidungen wie diese eine neue Figur braucht, die man zur Waffe machen kann. Denn gerecht ist nicht, wenn jemand das Urheberrecht für sich biegen oder ein Patent für sich beanspruchen kann, weil er Geld hat und sich damit überhaupt erst ein Verfahren bzw. den besseren Anwalt leisten kann. Genau hier aber wird der blinde Fleck der Justiz sichtbar, schließlich kann der eigene Anwalt schlecht argumentieren, dass die Gegenseite den Vorteil, weil den teureren und besseren Anwalt hat und dem eigenen Mandanten das Geld für die Revision eh ausgeht.
Dass Anwälte eine so entscheidende Rolle spielen, das liegt nicht zuletzt aber an dem schwammigen Schummeln des Konzepts von “geistigem Eigentum”. Denn tatsächlich scheint dort nur auf den ersten Blick alles klar.

Von Wert und Wiederholung

Jetzt wird es – nur kurz – kompliziert, denn wie funktioniert das eigentlich genau: geistiges Eigentum? Jemand produziert etwas, dann hat er das Recht auf sein Produkt oder einen Gegenwert für seine Arbeitskraft, den Arbeitslohn. Der Produzent hat das Recht auf das, was er mit seiner Arbeit geschaffen hat. Dafür ist es jedoch essentiell, dass dieses Eigene, was wir da geschaffen haben, unser Eigentum, in einem anderen Kontext wiederholt werden kann. Einen Wert hat etwas nur, wenn es an beliebig anderer Stelle, in anderem Besitz oder für jemand anders einen Wert hat. Erst dann kann man von so was wie Wert sprechen, erst dann wird ein Produkt überhaupt marktfähig, sprich gesellschaftlich. Der berühmte marxsche Tauschwert als Ausdruck des Werts besteht genau darin: dass ein Produkt in einem anderen Kontext gebraucht werden kann, also wiederholbar ist. Diese Wiederholbarkeit ist aber nichts anderes als: die Möglichkeit zur Aneignung. Und zumindest solange es allen gelingt, ordentlich absteigende Ketten zu bilden, die untereinander klar gegliedert sind, scheint in dieser Konzeption alles ruhig: Der Produzent schafft ein Produkt, das angeeignet und für eine erneute Produktion eingesetzt wird. Aneignung, Appropriation des Produktes: Eines tritt immer an die Stelle des anderen, nie aber – und das ist für den Kapitalismus vehement wichtig – nie aber ist etwas beides zugleich. Die ordentlich absteigende Logik garantiert die Funktion der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse. So einfach ist das jedoch alles nicht, zumindest nicht mehr (ist es das je gewesen?).

Geistiges Eigentum und Verdopplung

Zunächst einmal scheint bei einer Materialität des Eigentums alles das ganz einfach, alles klar: Verkaufe, verschenke oder tausche ich etwas, ist es weg. Es gehört jemand anderem, der es sich angeeignet hat. Beim geistigen Eigentum jedoch gerät das Konzept gehörig ins Stolpern. Geistigem Eigentum ist ein Potential zur Vervielfältigung inhärent, d.h. geistiges Eigentum kann verdoppelt werden, ohne sich zu verbrauchen. Schreibe oder male ich etwas ab, fotografiere ich etwas oder ziehe mir ein MP3, habe ich es mir angeeignet, ohne jemandem etwas wegzunehmen. Sobald ich nun aber wiederum anfange, mit dem verdoppelten Material zu arbeiten, führt diese Potentialität der Vervielfältigung zu funky Komplikationen, die man etwa an der Arbeit “After Walker Evans” der Künstlerin Sherrie Levine aufzeigen kann: Für eine Fotoserie reproduzierte sie ganz im Sinne der Appropriation Art, der Kunst der Anneignung, Bilder des amerikanischen Fotografen Walker Evans, dessen Originale sie unverändert abfotografierte. Doch diese eine Wiederholung nicht genug, beschreibt sie das als Wiederholung der künstlerischen Verfahrensweise von Richard Prince, der seit Ende der Siebziger Bilder aus Magazinen und Werbung unverändert reproduziert und in den Kunstkontext transferiert. Während in der Rezeption von Prince seine Arbeitsweise der Wiederholung immer noch als kreativer Akt gelesen wird und somit die Originalität des Künstlers nicht beseitigt, sondern nur verschoben ist, kennzeichnet Levine genau diesen Moment ebenfalls als Wiederholung. Die entscheidende Frage, die dadurch aufspringt, ist nun folgende: Wer ist der Produzent dieser Arbeit? Entspringt diese Arbeit Levine, ist sie sein Ursprung – und ist es nicht vielmehr (oder zumindest gleichzeitig) die Arbeit von Walker Evans oder die von Richard Prince?
Tatsächlich verweigert “After Walker Evans” jede klare Zuschreibung durch die Staffelung des Wiederholens – Wiederholung des Bildes, des Konzeptes. Zwar produziert immer noch eine Künstlerin ein Kunstwerk, doch ihre Arbeit wird gleichzeitig von der Arbeit zweier anderer ebenbürtig begleitet. Mit dieser Verschiebung, mit dieser Potenzierung der Urheberschaft, irritiert Levine die traditionelle Konzeption des künstlerischen Schaffens, mehr noch: Sie irritiert die klassische Konzeption von Arbeit, die sich in Eigentum umwandelt und die in unserem Alltag immer eindeutiger tut, als sie wirklich ist.

Schiebung

Tatsächlich versucht das Urheberrecht in den Träger von Bedeutung, dem Signifikant, eine Logik einzuweben, die ihm so geschlossen nicht gegeben ist. Es versucht, eine absteigende Logik – first come, first serve – des Originals zu etablieren, kann das aber nur mit zugekniffenen Augen, denn es darf sich davon nicht verwirren lassen, es muss dafür ignorieren, dass etwas genauso aussehen und doch ganz anders sein kann. Was sehen wir beispielsweise bei “After Walker Evans”? Tatsächlich bleibt das Bild selbst nicht unbeeinflusst, denn es ist natürlich nicht nur ein anderes, ein zweites und verdoppeltes Bild, sondern eines, das gerade auf Grund des Mangels an Differenz seltsam nachdrücklich nach einer Erklärung für seine Existenz verlangt: “Hier, hallo, warum ein zweites Bild? Warum wiederholen?” Die Beantwortung dieser Frage, die Levine nicht von ungefähr durch ihre Schriften sorgfältig eingeleitet hat – diese Beantwortung lautet verknappt: Ein zweites Bild macht die ikonographischen Mechanismen etc. sichtbar.
Was sehen wir? Wir sehen eben nicht mehr: Walker Evans, den “Realisten”, den sachlichsten aller sachlichen Dokumentarfotografen. Von wegen Fotografie als “Pencil of Nature” – Evans, der dafür gepriesen wird, in die Dokumentarfotografie einen neuen Realismus eingeführt zu haben, hat diese Bilder zwar im Auftrag der staatlichen “Farm Security Administration” in den Südstaaten gemacht hat, um in den 30er-Jahren zur Zeit der Großen Depression und Dürreperiode den Alltag der Pachtbauern zu dokumentieren. Tatsächlich – und das wird einem durch Levines Wiederholung bewusst, sie macht einen dafür sensibel – hat er aber nicht den Alltag dokumentiert und vor allem nicht realistisch. Man sieht niemanden bei der Arbeit, sondern die verarmte Bauernfamilie portraitiert in einer Art und Weise, wie man sie aus der Malerei Ende des 19. Jahrhunderts kennt. Man sieht nicht dreckige zugige Zimmerecken, sondern einen Ausschnitt, dessen Strukturierung durch Textur und Verteilung der Gegenstände es mit jedem Van Gogh aufnehmen könnte. Schönheit der Armut. Evans wiederholt also eine Form, verschiebt aber ihren Kontext, mit dem Ergebnis, dass beide nicht mehr dieselben bleiben – und nichts anderes ist es, was Sherrie Levine mit “After Walker Evans” getan hat.

Entfremdung zur Waffe machen

Genau diese Wiederholung zeigt aber beispielsweise eines der Probleme von geistigem Eigentum: Etwas sieht genauso aus, ist aber etwas ganz anderes. Man sieht an diesem Beispiel, wie die Wiederholung von Levine das Konzept von Urheberschaft, das Konzept des Originals torpediert, indem sie die absteigende Logik der ordentlichen Kette durchbricht, durchbricht sie, indem sie den Kreis einer Produktion, die angeeignet wird, nicht schließt, sondern öffnet, mehr noch, offen hält. Ihre Wiederholung entspricht damit genau in dem Maße der Logik von Zirkulation und Produktion, auf der der Kapitalismus sich gründet, wie sie sie auch unterminiert; ebenso stört sie den marxistischen Trick, der darin besteht zu glauben, die Entfremdung durch Kollektivierung von einer Fremdbestimmung in eine Selbstbestimmung überführen zu können und dann wäre alles friedlich. Pustekuchen.
Die Entfremdung setzt nicht erst mit der Arbeit ein, sie beginnt nicht mit der Erweiterung des Eigenbedarfs hin zu einem anonymen Markt, nicht mit der Arbeitsteilung, durch die man sich nicht mehr wieder erkennt und auch nicht mit fremdbestimmten Arbeitsanweisungen. Sie beginnt weit vorher. Die Figur des Subjektes ist per se sich selbst entfremdet, denn die Erfahrung – und das Subjekt gründet sich auf der Erfahrung – ist Vergegenständlichung von sich selbst, konstituiert sich durch Vergegenständlichung. Die Konstitution des Subjekts als Erfahrbares, als Sichtbares besteht damit aber immer zugleich in einer (nicht von ungefähr – hallo Hegel! – berühmt gewordenen) “Unterwerfung”, die Unterwerfung unter ein bestimmtes sichtbares und damit wiederholbares Format, unter ein Format, das immer auch angeeignet werden kann. (Man kennt das. So Sachen wie: “Das habe ich nicht gesagt.”, oder “Das habe ich so nicht gesagt.”)
Das Moment der Entfremdung ist uns also ursprünglich. Und anstelle die Entfremdung, die vom Kapitalismus ständig geleugnet wird und geleugnet werden muss, zu beklagen, anstelle die Entfremdung beseitigen zu wollen, sollte man sich in Zeiten der neuen Produktivkraft “geistiges Eigentum” über Folgendes klar sein: Entfremdung ist ein gefährliches Moment. Nicht in der Beseitigung der Entfremdung (man entkommt ihr nicht), sondern in ihrer Exposition beginnt der Moment des Widerstandes – und in gewisser Weise sträubt sich die Appropriation Art auch genau an dieser Stelle. Sie ist vor allem das nämlich nicht: eine wirkliche Aneignung. Sie ist Aneignung als Entfremdung, die Aneignung einer Form, die nicht zur eigenen gemacht werden soll, sondern deren Andersartigkeit bestehen bleibt. Ihre Vervielfältigung der Autoren, die verwirrende Potenzierung der Urheber entspringt der kapitalistischen Logik und durchbricht sie gleichzeitig. Die Aneignung als Entfremdung macht sichtbar, lässt sehen, was keinen Ort hatte gesehen zu werden. Genau darin, in dieser Sichtbarmachung, in der Irritation der kapitalistischen Argumentation, liegt ein politischer Moment, liegt ein Moment des Widerstands.

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Elektronische Lebensaspekte.

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