ARTotale – Street Art in Lüneburg

Kunst ist ja was feines- und Mäzenatentum auch. Ist das schon die Lektion, die die neuen Studenten der Leuphana Universität Lüneburg lernen sollen in ihrer Einführungswoche 2009? Wo sonst in einer Stadtrallye die Erstsemester früher den Weg zum Immatrikulations- und Einwohnermeldeamt kennen lernen sollten, geht es heute darum, herauszufinden, in welchem Style die Wall der Bezirksregierung getaggt ist und das filmisch festzuhalten.

In diesem Jahr hat sich das umtriebige Hochschulpräsidium um Sascha Spoun, Holm Keller und den befreundeten Star-Architekten Daniel Libeskind nämlich was ganz besonderes einfallen lassen und 38 renommierte Urban-Art Künstler eingeladen, um auf dem Campus und in der Innenstadt Orte künstlerisch zu markieren.

Startwoche

Mit verschiedenen Wandmalereien, Graffiti, Installationen und Plakaten soll die ansonsten eher durch Backsteingotik geprägte Architektur postmodern kontrastiert und natürlich, ganz nebenbei, auch noch cool das Image von Stadt und Universität gepimpt werden. Die Qualität der Arbeiten steht dabei gänzlich außer Frage, aber gelernt haben die älteren Studenten auch schon, dass die Bedeutung von Kunst über den reinen Bildinhalt hinaus geht.

In Anbetracht der aktuellen Diskussion um das Hamburger Gängeviertel und einer ursprünglichen Bedeutung von Urban Art als Kampf um Freiräume wirken derartige Bemühungen einer Hochschule, die sich im Rahmen von Exzellenzinitiative mit verschultem Credit-Point Studium selbst reformiert eher peinlich und ganz und gar nicht street-credible. Zieht euch warm an mit euren Corporate-Kapuzenpullovern – es wird kälter!

Kunst kommt von Können

http://www.leuphana.de/artotale/artotale-portal.html

Bilder der Arbeiten: http://just.ekosystem.org/gallery/2/gallery2.html

4 Responses

  1. Wilhelm

    Mal wieder ein tolles Beispiel dafür, wie die Leuphana-Führung mit aufsehen erregenden aber absolut sinnfreien Aktionen an der eigenen Exzellenz (wohl eher Berühmtheit) feilt und der Mehrwert für die Studenten auf der Strecke bleibt.

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