Frauen. Macht. Musik!

shepop_72dpi

Das Brautkleid von Madonna. Das ausgewaschene Sweatshirt eines Backstreet-Boys-Fans. Karaoke singen zu Lady-Gaga-Hits. Das sind also die wichtigen Artefakte und Machtinsignien aus über 100 Jahren weiblich geprägter Popkultur? Im rock’n’popmuseum in Gronau geht hoffentlich noch ein bisschen mehr, als einem aus der Distanz ins Auge fällt. Dort beschäftigt sich aktuell eine Sonderausstellung mit der Rolle von Frauen in der populären Musik (“als historisch und soziokulturell weit gefasstes Konzept”) sowie der Popmusik ab Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Idee ist so gut wie offensichtlich, nach langen öffentlichen Debatten über Frauen-Quote, den Fall Pussy Riot und neuerdings Rape Culture, Bathgate und dem Status von Popmusik als “Seismograf für gesellschaftliche Eruptionen”.

Die ShePOP-Ausstellung begleitet ein Katalog, der nicht nur die thematischen Anliegen der Exponate theoretisch unterfüttern hilft, sondern auch für sich selbst steht, als gelungene Textsammlung für das breite Feld Weiblichkeit & Pop. Wie die Herausgeber im Vorwort erklären, gliedert sich der Reader wie die dreifaltige Aufmachung der Ausstellung in “Vor, auf und hinter der Bühne”, also alle Bereiche, in denen Frauen (wie Männer) Popkultur mitgestalten – als Musikerinnen, Fans, Veranstalterinnen oder Journalistinnnen.
Die Topics der Texte sind teilweise vielleicht erwartbar, deshalb aber nicht weniger brennend, zwischen persönlichen Erzählungen, akademischen Stücken und Fotostrecken (eine kleine Auswahl von Katja Ruges wunderschönen Musikerinnenportraits etwa) von Nachwuchs- und gestandenen AutorInnen: Sarah Schauberger untersucht die Geschichte der E-Gitarre unter Macht- und Genderaspekten, Diedrich Diederichsen formuliert sich durch die Geschichte der Queer Music, Stefanie Kiwi Menrath erzählt die umstrittene Geschichte der Elektronikkpionierin Ursula Bogner.

Eine perfekte Ergänzung zu unserem kleinen Schwerpunkt in diesem Heft ist ein Artikel von Rosa Reitsamer über ihre Studien zu weiblichen Wiener DJs, in dem sie den Gründen für das extrem ungleiche Geschlechterverhältnis in der elektronischen Musik auf den Zahn fühlt, und die DJs selbst zu Wort kommen lässt. ShePOP liefert also nicht nur Basiswissen und historische Aufklärung, sondern auch Rüstzeug und Perspektiven für die jüngsten Debatten. Dieser Reader kommt genau zur richtigen Zeit.

Preis: 17,95 Euro, erschienen im Telos Verlag.
Herausgegeben von Susanne Binas-Preisendörfer, Monika Bloss, Sonja Eismann, Christoph Jacke, Thomas Mania und dem rock’n’popmuseum Gronau.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Leave a Reply