Ein Haus, zwölf Künstler, viel gute alte Zeit


(Plattenbauwohnung von Raumlabor)

Als “Tacheles” noch kein Schimpfwort war, Berlin eine Wohnzimmermusik-Szene hatte, am Hackeschen Markt ein Jahrmarkt residierte, damals besetzten auch noch Kunsthochschüler Häuser. Die Schüler wurden zu Künstlern und die Häuser zu offenen Ateliers, in denen man staunte und feierte. Neben den Hackeschen Höfen über den Dead Chickens und ihren animierten Schrottungeheuern hatte sich Laura Kikauka mit ihrem Trödel-Kitsch-Universum eingenistet. Eine Kunst-Messy, die der Wegwerfgesellschaft einen überbordenden, begehbaren Plastik-Altar erichtete, den “Schmalzwald”. Das ist über zehn Jahre her.


(Bad von Laura Kikauka mit ihrer Antwort auf Dmien Hirsts Totenkopf: For the love of Gaud – Damien Worst)

Das “Haus der Vorstellung” in der Torstraße 166 bringt diese Zeiten zurück. Ralf Schmerberg, Jaana Prüss, Peter Weber und Hornbach, der Baumarkt mit VoKuHiLa, haben zwölf Künstler eingeladen, jeweils eine leer stehende Wohnung zu gestalten. Laura Kikauka ist dabei, ihr alter Weggefährte Gordon W. schmeißt seine Küche an, die Architekten von Raumlabor, die den Berg im Palast der Republik aufgestellt hatten, passen eine P2-Plattenbaumusterwohnung aus altem Sperrholz in den Altbau ein, die Duftexpertin Sissel Toolas kratzt den historischen Schichten hinterher, Christine Rebet stellt DDR-Stoffpuppen ins Urlaubs-Freigehege, Chiharu Shiota spinnt ihre Wohnung als Fadenkokon ein und und und.


(Gordon W. in seinem Reich)

Was hier mitten im Aufmerksamkeitszentrum Mitte inszeniert wird, lebt seit langem in Neukölln ungebrochen fort. Im Hotel L32 in der Lichtenrader Straße 32 ist jeder Raum von einem anderen Künstler zu einem Märchenschloss aus Sperrmüll und Fantasie veredelt worden und im Labyrinth in der Mainzer Straße wurden zwei übereinander liegende Wohnungen zu einem geburtsgangkuscheligen Kriech- und Krabbellabyrinth umgebaut. Beide Projekte stehen vor dem Aus. Da ist das “Haus der Vorstellung” doch eine schöne Einladung, sich auch hier anzugucken, was “jenseits der 08/15 Zimmer-Küche-Bad-Wohnkultur möglich ist” (Albrecht Hornbach).


(Herr Fuchs und Frau Elster von Christine Rebet)

Haus der Vorstellung
Torstraße 166, Berlin Mitte
27. September bis 12. Oktober 2008

2 Responses

  1. Torsten

    Mensch das tut der Seele gut! What a exellent exibition. Thank you.

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