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Machen wir es doch mal so. Finden wir einen Themesong für das neue Myspace. Nach einer Einfühlphase von ca. 20 Minuten aktiver Zeit mit dem wiederauferstandenen Myspace fiel der glücklicherweise vom Himmel. Also hier die Aufgabe: was sagt uns Fehlfarbens “Paul ist Tot” über die aktuelle Lage von Social Media im Allgemeinen und das neue Myspace im Speziellen?

“Ich schau mich um und seh´ nur Ruinen,”

Wiederauferstanden aus… Schon wieder da aber nichts beim Alten. Alles steht da auf wackeligen Füßen. Kein Mensch weiß, ob es Myspace überhaupt noch gibt und dann ist es auf ein Mal wieder da. Ob es eine Zukunft hat? Kein Mensch weiß auch das nicht. Die Gedanken die man sich über Myspace macht, haben immer diesen Geruch von einem zerstörten Imperium. Überall liegen Trümmer. Bruchstücke einer Hoffnung auf eine neue Welt von Social Media die längst vernichtet ist durch komplette Irrelevanz. Warum?

“vielleicht liegt es daran, daß mir irgendetwas fehlt.”

Ja. Mir fehlt was beim neuen Myspace. Aber was. Irgendwas, genau, fehlt aber auch nur vielleicht, denn eigentlich war Facebook ja auch schon genug. Der Mangel des neuen Myspace ist so undefiniert wie das was es darstellen soll. Ein Social Network für wen? Warum? Wollen wir das aufleben lassen? Und wie wenn alles vom alten Myspace für immer verloren ist. Ein Retro-Social-Witz? Wie lange ist das gut für einen Lacher? Kommt da noch eine Erkenntnis? So auf die Schnelle? Müssen die mir die nicht liefern?

“Ich warte darauf, daß du auf mich zukommst,”

Das “du” in diesem frei erfundenen Subtext/Themesong kann nur Justin Timberlake sein. Oder sonst ein lausiger Musiker der keinen mehr interessiert. Jedenfalls nicht unter uns. Der Stream, das was da so auf mich zurauschen könnte, aus Myspace einen Unterhaltungskanal machen will, sollte vielleicht sogar, ist leer. Kein Wunder dass ich warte. Wo sollen die auch herkommen. Myspace weiss nichts von mir, du weisst nichts von mir. vielleicht könnte es so bleiben, vielleicht willst du das aber nicht aber warum?

“vielleicht merk´ ich dann, daß es auch anders geht.”

Kämst du auf mich zu, Justin, Myspace, dann würde ich vielleicht an das andere glauben. Mit großem oder kleinem “A”, das wäre mir egal. Daran glauben das etwas geht und das etwas das andere sein könnte. Nicht das Quer-Scrollen, das noch größere Profilbild, nein, das kann es nicht sein, komm doch endlich auf mich zu.

“Dann stehst du neben mir und wir flippern zusammen,”

So. Da. Und nu? Wortlos einem Spiel zuschauen bei dem wir beide wissen, da geht nix. Am Ende geben wir uns die Kugel. Dazwischen Bimmelim.

“Paul ist tot, kein Freispiel drin.”

Synkope. Paul, Justin, irgendwer, von mir aus auch Tom. Das wird keine Wiederholung geben. Da gibt es auch nichts umsonst. Die 2GB, geschenkt. Das kann man alles nicht noch mal auf sich nehmen, nicht wenn man es gerade hinter sich hat, das ganze Zeitalter.

“Der Fernseher läuft, tot und stumm,”

Mittlerweile ist der Begleittext zum neuen Myspace bei dem “Discover”-Button gelandet. Gut geschminkte nichtssagende Helden von gestern die mir nichts zu sagen haben, aber immer in die Kamere blicken. Zombies mit viel zu dezent grauen Raum drumherum. Myspace, der neue Fernseher bleibt stumm, weil man einfach nirgendwo hinclicken will.

“und ich warte auf die Frage, die Frage Wohin, wohin?”

Nichts sagt mir hier was ich tun soll, wohin das gehen soll noch weniger. Es gibt keine Richtung, trotz Richtungsänderung. Pop Musik. Wann hat das zuletzt eine Frage beantwortet, geschweige denn gestellt. Darf das neue Ding in Social Media richtungslos sein? Soll es mir nicht sagen was ich tun soll, warum ich was tun soll, mir zumindest den Anreiz einer Frage stellen, die ich dann, meinethalben auch mit einem “What’s the latest”-Post beantworten würde. Man ist so versucht auf diese Frage mit “Who’s the latest” zu antworten.

“Was ich haben will das krieg´ ich nicht,”

Wirklich. Nix. Ich bekomme nicht mal den richtigen Mix von “Paul Ist Tot” auf Myspace. So dass ich den in Rotation laufen lassen könnte, um mich einzufühlen. Ich werde definitiv nicht unterhalten. Kein was, aber nicht mal ein wer, denn niemand ist mehr da.

“und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.”

Wir hatten das schon, und geniessen mal kurz die Wiederholungsschleife. Nein, Design ist nicht alles. So angenehm man das Design von Myspace finden kann, man findet sich lange nicht zurecht. Und das was einem geboten wird muss immer wieder an Justin Timerblakes neuer Platte vorbei. Nein, nein, nein. Gefällt mir nicht. Ich kann nicht mal “Gefällt mir” klicken. Geschweige denn “Gefällt mir nicht”.

“Was ich haben will das krieg´ ich nicht,
und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.”

“Ich traue mich nicht laut zu denken,”

Ist Social Media ein Ausdrucksmedium? Etwas das die direkte Verständigung ohne Filter erlaubt? Ist der Eintritt in ein neues Myspace frei von den erlernten Zwängen, die man sich in anderen Networks selbstauferlegt hat? Nein, denn es gibt keinen Anlass dazu. Noch weniger einen Anreiz. Warum sollte ich auch laut denken, wenn es nichts zu denken gibt ausser Metagedanken einer herbeigesponnen Kongruenz eines längst vergessenen Tracks zu einem längst vergessenen Netzwerk?

“ich zögere nur und dreh´ mich schnell um.”

Wirklich. So ist es. Man möchte so gerne. Da wäre noch so viel Platz für tolle, frische, neue Ideen. Die Bereitschaft ist da für ein anderes Netzwerk neben Facebook. Egal woher, aber hier, nur zögern, nur Unbestimmtheit, keine Geste stringent vollzogen, keine Attitude, also weg hier? Schnell?

“Es ist zu spät, das Glas ist leer.”

Nach ein paar Minuten schon, ist klar warum es neue Netzwerke, selbst wenn sie schon Rentner sind, so schwer haben, weil Netzwerke mittlerweile so spezialisiert sind, dass man einfach nicht von vorne Anfangen kann, denn man kommt aus der Überfülle in ein Vakuum. Das Glas ist leer. Man sollte mir auch sowieso besser nichts mehr einschütten.

“Du gehst mit dem Kellner, und ich weiß genau warum.”

Vermutlich weil er die gleiche Fliege hat wie Justin? Wenn es zu spät ist, das Glas leer, dann ist Fliege haben und Fliege machen nahezu ununterscheidbar geworden.

“Was ich haben will das krieg´ ich nicht,
und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.
Was ich haben will das krieg´ ich nicht,
und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.”

Kurze Pause, Repeat, Gedanken zum Abschluss sammeln.

“Ich will nicht was ich seh,”

Genau. Ich brauche nix was schöner aussieht. Sonst wären doch eh längst alle bei Google+. Oder wären sowieso auf Myspace geblieben, damals. Ich will nicht mehr Repräsentanz. Mehr visuelles nix dahinter. Nein, will ich nicht.

“ich will was ich erträume,”

Ja. Noch genauer. Ich will die Zukunft sehen, aber eben nicht nur sehen, ich will das fühlen, hören, schmecken, ich will etwas das weiss was ich will, weil es ein Traum ist, pure Begeisterung oder pure Erfahrung, etwas das anders ist als der Alltag, als der Grauschleier über der sozialen Stadt, als die Monarchie in blau.

“ich bin mir nicht sicher,
ob ich mit dir nicht etwas versäume.”

Genau, Moment, während ich hier rumlungere in den Ruinen, der Zeit ohne Freispiel, dem Unerträumten, war da woanders nicht was los? Hab ich schon was verpasst? (Hat ja nich jeder die Firefox-Beta mit dem FB-Ticker auf).

“Was ich haben will das krieg´ ich nicht,
und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.
Was ich haben will das krieg´ ich nicht,
und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.”

Also. Bis bald. Auf den nächsten Themesong.

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Schreibmaschine. Tippse. Reviewweltmeister und so Dinge.

9 Responses

  1. Geh ma zum arzt

    So eine wirre scheisse. Anstatt mal nen ordentlichen test zu schreiben nehmt ihr wohl lieber forschungschemikalien zu euch. “der doktor hat gesagt…”

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  2. Bernd

    Noch nie in meinem Leben habe ich einen so nervenaufreibenden und nichts-aussagenden Artikel gelesen. Gratuliere

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  3. harvey

    genau so mies wie die website selbst. kapierts doch endlich..myspace ist tot.. seit 2005!

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  4. nielsen

    sorry fürs haten, aber was ist denn das bitte für bullshit-artikel?

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  5. anke

    Goetz sagt doch “ohne Subtext bitte”. Finde ich auch besser so. Neu kann kaum noch etwas sein, aber vielleicht ist es besser als früher. Oder anders als Facebook war / ist / sein wird. Und jetzt schau ich, ob es den Neubauten-Myspace noch gibt.

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  6. cc

    “Visuelles Nix.”
    Das ist eine sehr treffende Beschreibung für viele Dinge, die einem aktuell so an den Augen vorbeiflimmern. Kein Inhalt, keine Tiefe, keine Bestimmung. Das visuelle Nichts. In Schönheit gestorben. R.I.P.

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  7. The Wollium

    Der elektronische Lebensaspekt den das neue Myspace liefern könnte habt ihr ja vortrefflich beleuchtet. Nicht.
    Viel zu langer Prosatext über ‘Hätte, hätte, Fahrradkette.”, bei einem Thema das wirklich wichtig werden könnte. — Das wird eurem Magazin und der Ernsthaftigkeit nicht gerecht, die ich einmal bei solchen Themengebieten damit verband.
    Wenn es ein Abgesang auf StudiVZ gewesen wäre, ok. Aber zu Myspace? Leider kein geglückter Annäherungsversuch. Schade.

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