Begeisterung braucht Nebensätze, die Spex Diskussion

Ist schon amüsant zu beobachten, wie sich am Thema Spex in den letzten Wochen zeigt, dass manche Menschen das wirklich zu Herzen geht. Jens Balzer von der Berliner Zeitung z.B. gönnt dem Thema glatt mal den längsten Satz den man in dieser Zeitung vermutlich seit PDS-Zeiten gelesen hat.

Was aber nicht geht, ist, dass man sich wie der ehemalige Spex-Chefredakteur Dietmar Dath, unter dessen Regentschaft das Blatt Ende der Neunzigerjahre erst richtig dramatisch in die roten Zahlen gerutscht ist, weswegen die Übernahme durch den heute verteufelten Burger-King-Kundenmagazin-Macher Lacher abschließend notwendig wurde, sieben Jahre später hinstellt und – inzwischen Mitglied des Feuilletons der FAZ, wo man, um es mal in der Sprache von Dath zu sagen, noch jede Großmutter verkauft und jeden Popo hingehalten hat, wenn es darum ging, die eigene verkommene Neocon-Haltung mit ein bisschen pseudomarxistischem Täterä und pseudo-popkulturellem Glamour aufzumotzen und man sich einen universell einsetzbaren Dampfplauderer wie Dath dementsprechend nur allzu gern als jugendverstehenden Pausenclown und Experten in Sachen kariertes Gequassel über Heavy Metal von vor 20 Jahren und halb- bis viertel- oder gar nicht verstandenem quantenphysikalischem Quark hält (während, aber das nur nebenbei, die Berichterstattung zur Pop-Musik von geradezu sprichwörtlicher Uninformiert- und Verschnarchtheit geblieben ist) – dass man also als dieser Dietmar Dath 2006 im Medienteil ebenjener FAZ ohne das leiseste Quantum an Selbstreflexion oder gar -kritik, dafür unter dem großraumnietzscheanischen Titel “Wie wir Spex zerstört haben” als letzter wahrer Pop-Underground-Marxist der Republik posiert und den jungen Leuten da draußen nochmal gönnerhaft rät, nicht zu versuchen, “das, was Spex wollte, im selben Rahmen fortzusetzen”, sondern mutig und authentisch zu sein und zu “riskieren, was die Spex-Erfinder 1980 riskiert haben: etwas Neues, Eigenes, Richtiges”.
Berliner Zeitung – Feuilleton – Was geht und was nicht geht

Der dazugehörige Dietmar Dath Text ist wesentlich schlichter, und vermutlich für Balzers Tirade nur halb verantwortlich zu machen, erstaunlicherweise aber – bei FAZ.net wird ja oft mit dem Klingelbeutel gewunken – sogar online lesbar. Und immer noch von dezenten letzten Ausläufern einer Hassliebe getragen, wenn auch viel streamliniger als in Phonon. Wiglaf Droste macht Köln mit “Hanns-Martin-Schleyer-Entführungsstadt” ein eigenwilliges Kompliment zum – hier schlägt die TAZ die FAZ in der Bereitwilligkeit, das Internet als eine Art Nachfolger von BTX zu etablieren – nicht mehr lesbaren Interview von Max Dax, über das wirklich einige gestaunt haben (nicht nur wegen dem was gesagt wurde, sondern der Tatsache, dass so ein bereitwillig lapidar dusseliges Interview in der TAZ stand und Ralf Niemczyk tritt noch mal schüchtern nach.

Sollte es doch noch so etwas wie eine Diskussionsbereitschaft über zumindest ansatzweise unvergreiste Themen in den Feuilletons geben? Oder war das schon das letzte Aufbäumen?

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3 Responses

  1. wer der denkt er sei bleed

    wer das denkwürdige marketing-sprech-interview mit max dax lesen möchte, kann dies unter: http://www.taz.de/pt/2006/12/16/a0193.1/text

    wenn es stimmt, das dies ein e-mail-interview war, dann fragt man sich ob die antworten nicht direkt aus münchen kommen.

    ps: fragt eigentlich irgendeiner, was aus der RIDDIM wird, die auch in köln., rolandstraße ihren redaktionssitz hat. das zum thema \”overheadkosten\”….\” die RIDDIM spielt in keinem der vielen texte eine rolle…weder bei pro noch bei contra unzug…

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