Pauschale 125 Euro, sonst alles beim Alten und genau so schlimm.

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Update: Es gibt schon wieder Änderungen am Tarif die im frischen PDF der GEMA dargestellt werden.

So. Nun ist er da, der ominöse DJ-Tarif der GEMA. Und ehrlich, ich freue mich, dass nahezu alle meine Fragen in das FAQ übernommen wurden. Die Verhandlungen mit den Partnern haben wie erwartet nicht viel geändert, bis auf den Punkt, der vorher nicht mal sicher war, dass man Altarchive pauschal für 125 Euro lizensieren kann, aber freut euch nicht zu früh. Der Tarif selber in Kürze:

13 Cent zahlt man pro Stück, das man zur Aufführung kopiert hat, unabhängig davon, ob man es jemals spielt, es reicht, dass man es mitnimmt.

125 Euro zahlt man pauschal für alle Stücke, die man vor dem 1.4. kopiert hat. Aber: Backups kosten maximal jedes Mal wieder 125 Euro (oder 13 Cent pro Stück).

Update: Für DJs lassen sich neben der Einzellizenz auch verbilligte 500er Pakete für 50 Euro pro angefangenes Paket kaufen, bei Einzelveranstaltungen gibt es 100 Pakete für 13 Euro. Gastronomiebetriebe haben keine Pakete.

Kapiert?
Alles klar, also ohne Umwege in die lustigsten Details.

Was ist mit Guest-DJs?
Alle DJs müssen zahlen, egal ob sie aus dem Ausland kommen oder heimisch sind, Voraussetzung ist aber, und wie wollen sie das nachweisen, dass die Stücke in Deutschland vervielfältigt wurden. (Ja, wir wissen auch, man kann jetzt immer behaupten, man hätte seine Stücke im Ausland kopiert, vielleicht sogar, wenn man hier lebt.)

Gibt’s Laptop-Kontrolle?
Nur wenn man der GEMA ein vertragliches Kontrollrecht eingeräumt hat. Wer sollte das tun? Wie soll das gehen? Bislang keine Antworten auf diese Frage, wir vermuten aber, wenn man Kunde bei der GEMA als DJ wird, dann kommt da ein Vertrag mit, mit dem man in so etwas einwilligt.

Etwa einen DJ-Führerschein?
Die GEMA prüft tatsächlich gerade, ob sie so etwas machen will. Das nennt sich dann Zertifikat und man kann es seinen Kunden zeigen, damit die wissen, dass man noch ganz legal auflegt.

Soll man sich bei der GEMA anmelden?
Ja, soll man. Dann wird man GEMA-Kunde und nur dann lässt sich da überhaupt etwas zahlen. Genaueres steht in den Sternen.

Wie findet man heraus, welches Stück bei der GEMA ist?
Nicht über die GEMA Datenbank online scheinbar, denn die sagt nach eigener Aussage des FAQs “nichts über den Schutz des angezeigten Werkes aus”. Man darf sich aber gerne bei der GEMA melden. Und ich werde das auch gleich tun, mit einer Liste, die beispielsweise eine TB-Platte voller Musik wiedergibt, sagen wir mal so 150.000 Stücke. Bin gespannt wann die Antwort kommt, kann mich ja dann immer noch entschließen, die nicht zum Auflegen zu nehmen.

Darf man Playlisten abgeben, damit die Künstler, die man gut findet, was von diesem Geld haben, das man zahlt?
Nö.

Aber ich will meine Playliste abgeben!!!
Nehmen sie nicht, wirklich nicht. Man darf immer nur melden, wie viele Tracks man zum Spielen kopiert hat.

Ich spiele nur meine eigenen Tracks!
Egal. Wenn du bei der GEMA bist, musst du trotzdem dafür zahlen. Bekommst aber vermutlich das Geld über die GEMA-Einnahmen nicht wieder, weil du keine Playlisten abgeben darfst.

Muss ich unrumkopierte (eigene Wortschöpfung) Digital-Promos anmelden?
Nö. Da ist der Anbieter der Promos in der Pflicht. Gleiches gilt auch für Vinyl- oder CD-Promos, egal ob freigestellt oder nicht.

Laptop kaputt?
125 Euro fällig.

Festplatte kaputt?
125 Euro fällig.

USB-Stick kaputt?
125 Euro fällig.

Mist, schon wieder kaputt?
125 Euro fällig.

Ist ein entpacktes Zip-File eine Kopie?
Nein! Gnade Gott.

Der Einsatz eines RAIDs? Eine (oder etwa gleich viele) Kopie(n)?
Wenn die Datei nicht immer auf dem RAID war, ja, aber nur eine, sonst nein.

Gilt das Verschieben von Files als Kopie?
Nein, sofern das File nur auf einem Datenträger rumgeschoben wird. Wenn man es von der eigenen Festplatte löscht und dabei z.B. auf einen USB-Stick kopiert, den man zum Auflegen nutzt: 13 Cent bitte.

Und die Konvertierung in ein anderes Format?
MP3 zu “AAV” (sic, ???) kostet nix mehr.

Mehrfachlizenz von Anbietern?
Bei Auto-Sync zahlt man nix extra (Beispiel: auf dem iPhone kaufen und dann wird automatisch eine Kopie auf den Rechner geladen). Sonst vermutlich ja.

Cloud zum Auflegen?
Legal! Kostet nix. Haken: Wenn man selber was in die Cloud hochgeladen hat, 125 Euro (oder Einzelabrechnung). Spotify DJs haben eindeutige Vorteile.

Alles klar?

Und was nun?
Wir empfehlen folgende Strategien, bis wir mal so einen Vertrag mit der GEMA gesehen haben, in dem u.U. drinstehen könnte, dass man ihnen Zugang zum eigenen Rechner gewährt (niemals!).

Ignorieren, wenn man alle Tracks legal erworben hat. Wenn nicht, ein ernstes Gespräch mit dem eigenen schlechten Gewissen führen.

Als CD-DJ bitte umsteigen auf Rechner. (Selbstgebrannte CDs sehen immer gleich so verdächtig aus.)

Niemals einen USB-Stick im Club nutzen. Oder zumindest tarnen. Gleiches gilt für externe Festplatten. Beides ist nicht sonderlich ernst gemeint.

Keine neuen unveröffentlichten Tracks mehr von Freunden spielen, die in der GEMA sind und sie dir selbst haben zukommen lassen! (Wie bitte?).

Nicht dem Berufsverband Discjockey e.V. (BVD) beitreten. Wem bitte? Ah, die, versteht sich von selbst. Btw, die haben als DJ-Feigenblatt neben den sonstigen Verbänden mit der GEMA diesen Tarif so verhandelt.

Und ansonsten: Weitermachen! Aussitzen. Verbände gründen. Irgendwen kurz anschreien. Nachdenken. Bessere Strategien entwickeln. Zweitverwertungsgesellschaft gründen.

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Editor, Reviewweltmeister, Hobby-SysAd, Druckerflüsterer und Ähnliches.

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