Neues aus den verwirrenden Tiefen des GEMA DJ-Tarifs: Altlizensierung als Angebot

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Es ist schon merkwürdig. Je tiefer man – ob gewollt oder nicht – in den GEMA Tarif VR-Ö einsteigt, desto mehr bekommt man das Gefühl, dass hier nach und nach als Reaktion auf die Kritik erst auf Seiten der GEMA herausgefunden wird, was dieser Tarif eigentlich will.

Zum Status. Bislang hat unseres Wissens immer noch niemand einen Vertrag, der nach der Anmeldung über das Formular folgen soll, gesehen, geschweige denn die zugehörigen AGBs. Unsere Bitte an die GEMA, uns die doch zur Ansicht zuzusenden ist wohl auch versandet.

Ein paar Dinge allerdings sind mittlerweile “scheinbar” klar geworden. Die höchst verwirrende Methodik des legalen Kopierens beinhaltet wohl definitiv lizensfreies Herumschieben von Platte zu Platte, wenn dabei das legal erworbene “Original” gleich gelöscht wird. Manche kennen das als “move”-Befehl, andere als Ausschneiden-Kopieren, ich als apfel-alt-v.

“Wenn ein Musikwerk zweimal vorhanden ist (und das ist es nun einmal bei einer (Sicherungs)kopie), so ist diese Kopie bei deren Aktivierung zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe zu lizenzieren.”

GEMAdialog

Wichtiger aber, die auf der Facebook-Gruppe Kulturretten.de aufgetauchte Frage nach der Doppellizensierung, scheint semi-offiziell geklärt. Der Hintergrund: Die Veranstalter haben ja bis zum 1. April die Laptopabgabe gezahlt. Wenn ein DJ also bei einem dieser Veranstalter aufgelegt hat, würde bei Lizensierung seines “Altbestandes” eine Doppelzahlung für die Lizenz entstehen. Im gleichen Thread des GEMAdialogs gab es jetzt folgende (unverbindliche) Aussage dazu:

“Mit der Lizenzierung der „Altbestände“ macht die GEMA lediglich ein Angebot für alle die Fälle, in denen eine Lizenzierung bisher nicht erfolgte. Dieses Angebot basiert auf dem Umstand, dass in der Vergangenheit lediglich 60% aller Diskothekenbetriebe einen Vertrag zur Lizenzierung der vervielfältigungsrechte (Stichwort: Laptop-Zuschlag) hatten. Daraus folgt, dass es DJ geben kann, die über Verviellfältigungsstücke zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe verfügen, die bisher nicht für diese Nutzung lizenziert wurden. Die Regelung der Altfälle ist lediglich als Angebot der GEMA zu verstehen.”

GEMAdialog

Klartext. Hat einer von euch vor dem 1. April in einem Club aufgelegt, der den Laptopzuschlag gezahlt hat, ist für Stücke vor dem 1. April kein Geld fällig. Genauer: vermutlich für die Stücke die vor dem Zeitpunkt rumkopiert wurden, als ihr das letzte Mal in einem Club aufgelegt habt, der den Laptopzuschlag gezahlt hat.

Uns gefällt dieses sanfte Zurückrudern und die Bezeichnung dieses Teils der Lizenz als “Angebot” nun schon weitaus besser.

PS: Für alle Interessierten, es gründet sich gerade ein neuer DJ-Verein der als Reaktion auf den VR-Ö entstanden ist und sich GDjC nennt. Infos findet ihr in der Facebook-Gruppe.

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