Zwar schon seit drei Monaten online, macht die Installation “Years” zurzeit die Runde und ordentlich Wirbel. Ihr Urheber mit dem opulenten Namen Bartholomäus Traubeck hat die offensichtliche Ähnlichkeit von Schallplattenriefen mit den Jahresringen von Bäumen zu Ende gedacht und statt Vinyl mal Holzscheiben aufgelegt. Klar, niemand will sich den Diamanten von der Nadel schleifen lassen, daher montierte Traubeck ans Ende des Tonarms eine PlayStation Eye Camera. Da der Arm nicht den Ringen im Holz folgt, sondern dank eines Steppermotors seiner am Vinyl erprobten Spiralbahn von außen nach innen folgt, wird jedes Mal, wenn ein Ring durch den Bildausschnitt fährt, ein ‘Event’ erstellt. Diese Daten werden als Videosignal in VVVV und dann per MIDI zu Ableton übermittelt, das wiederum als Schnittstelle zu einem VST Klavierplugin fungiert, indem die Ringdaten dann auf eine Tonleiter gemappt und in Anschlagstärken übersetzt werden. Je nachdem wie stark der Ring in einer Richtung aus dem Bild verschwindet, liest die Maschine ob er wächst, konstant bleibt oder in Relation kleiner wird. Die Jahresringe steuern also hauptsächlich den Rhythmus und Tonhöhen sowie die Intensität der Anschläge. Die Klänge gehen also zurück auf die Kreuzungen von der natürlichen Lebenslinie des Baumes mit der exakten Bahn des Maschinellen. Die Klangfärbung ist je nach Holzbeschaffenheit unterschiedlich und ermittelt sich anhand des durchschnittlichen Farbwerts sowie ein paar anderen Parametern wie Stärke, Dicke und Farbe der Ringe. Traubeck berichtet auf Nachfrage, dass eine Fichte schon mal in C-Dur dahinklimpern kann, während eine Tanne eher C-Moll bekommt. Damit leistet dieses etwas andere Holzinstrument eine herrliche Aufheiterung des deutschen Forstes, der ja unglaublich ideologisch, mythologisch, metaphysisch und wasweißichnisch überfrachtet ist. Hier werden bloß die kalten Datenbanken des Holzes geplündert und sonifiziert. Das ganze klingt übrigens erstaunlich langsam, erinnert sogar leicht an Bohren & den Club of Gore, was auch an Traubecks Orchestrierung liegen mag. So oder so: tolle Installation, die noch deutlich mehr Soundmaterial liefern wird. Hat er zumindest angekündigt, der – hier nochmal vollständig – Bartholomäus Traubeck.

Moritz Scheper

Bartholomäus Traubeck

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Elektronische Lebensaspekte.

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