Stell dir vor, die nächsten vier Jahre will niemand mit dir kuscheln

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Die Gewinner der Wahl sind die Verlierer. Nicht zuletzt weil die sich jetzt um den Koalitionsdrecksmist kümmern müssen. Die Verlierer der Wahl sind die Totalverlierer, weil die keinen Koalitionsdrecksmist brauchen können, sonst dürfen sie in vier Jahren mit der FDP die Röslein von unten im Himmel der Bundestags-Frührente ansehen. Die echten Totalverlierer der Wahl sind sowieso wir, wie immer, aber wir sind das gewöhnt.

Nach gefühlten 10 Sekunden Schadenfreude über den historischen Wegfall einer historisch eh längst irrelevanten Splitterpartei am ewigen Zweitstimmentropf, künstlich wirkendem doppeltem Eiertanz um die 5 Prozenthürde, Knobel-Aufgaben rings um’s ewige Mysterium Überhangmandate und einer Runde einstimmiger “Was nu?” Aussagen, war die Wahl-Nacht eh nicht mehr zu retten.

Also schnell zu den Vorteilen der Opposition in einer großen Koalition vorspulen, denn das geht jetzt eh einen Monat nicht voran, bis am Ende feststeht, was sowieso alle vorher schon wussten.

1. Vielleicht gibt es welche.

2. In der Annahme, dass es welche gibt, ist nicht anzunehmen, dass die Opposition irgendwas anders machen wird als bislang.

Also noch schneller vorspulen zur Überlebensfibel in Zeiten einer großen Koalition. Aus Erfahrung können wir euch sagen, das ist auch nicht schlimmer als Agenda 2010 und fühlt sich nach ein paar Monaten irgendwie normal an. So wie Merkel allein zu Haus, nur einen Hauch zwangsneurotischer, weil ja ständig jeder aufpassen muss nicht doch das zu sagen, was er eigentlich denkt, nicht so wie jetzt eh schon, weil das nicht so im Parteibuch steht, sondern weil er es einfach nicht übers Herz bringt, den eigenen, schmerzlich errungenen Koalitionsvertrag selber auch noch durchzulesen.

Normalität in Zeiten politischer Eiszeit. Föderalismus aufdröseln ist kaum zu erwarten. Große Reformen (im heute gebräuchlichen Sinn von Verschlimmbesserung) auch nicht, da die beiden Volksparteien schlichtweg verschiedene Völker haben, die sich zumindest irgendwie restregiert fühlen müssen, damit die Alternative für Dorftrottel nächstes Jahr den Osten nicht total abräumt. Was sie aber ehwieso tun wird.

Frische Ideen haben ja erst mal konsequent Pause, da wird sich also wenigstens nirgendwo irgendwer vorlaut in die Nischen einmischen, in die man sich in den letzten Jahren mühevoll eingearbeitet hat. Der toll dufte Supervorteil einer großen Koalition ist aber, während die sich eineiigen Peerkel voller Faszination der Schreckstarre anglotzen, wie Karnickel im leeren Raubtierkäfig eines Zirkus nach der letzten Vorstellung und ihre Haupthirnzyklen eh dafür draufgehen die Qualität schwammiger Aussagen auf ein so hochkomplexes lyrisches Niveau zu bringen, das am Abend wenigstens für die Akteure eine wohlige Erschöpfung in Erfüllung geht, der Hauptvorteil also, falls ihr vergessen habt, was wir sagen wollten, so wie wir selbst, die wir uns schon mal an die neuen Sprachregelungen in vorauseilendem Gehorsam durch mitsummende Praxis gewöhnen, ist: die anderen in Europa und sonstwo machen jetzt mal. Warum das ein Vorteil ist? Weil wir dann in vier Jahren vielleicht nicht mehr solche (wirklich, echt, überhaupt nicht) sarkastisch gemeinten Überschriften lesen müssen, wie auf der heutigen Titelseite der spanischen El Mundo. Das wär doch schon mal was.

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