Der Club-Sager des Tages...

Gerald Hörhan, ein Banker und Autor aus Österreich, wollte mit Deutschland abrechnen. Zusammen mit Mathestudenten der Uni Frankfurt hatte er im Oktober ein Ranking der faulsten und fleißigsten deutschen Städte erstellt. Anhand von 20 Datensätzen, die er als Indikatoren für Faulheit oder Leistung sieht, leitete er ab, wo die Menschen produktiv sind und wo nicht. Gelsenkirchen, sagte er damals, sei die faulste Stadt Deutschland. Berlin, sagt er jetzt, ist die faulste Stadt Deutschland.

Dass das natürlich ganz schöner Humbug ist – und wohl vor allem der eigenen Profilierung und weniger der Wissenschaft dienen wird – musste schon damals nicht weiter erklärt werden (die FAZ tat es trotzdem). Weil sich das so schön – und falsch – psychologisieren lässt, kam es jetzt in einem Focus-Interview zu hübsch in Sätzen formulierte ökologische Fehlschlüsse mit Club-Bezug:

In Berlin kommt vieles zusammen: eine schlechte Ausbildung und eine niedrige Erwerbsquote von nur 50 Prozent. Viele Leute bekommen dort Geld vom Staat. Auf der anderen Seite gibt es keine Stadt in Deutschland, in der so gut gefeiert werden kann. Das ist eine sehr gefährliche und explosive Mischung. Denn: Wenn Leute die Nächte durchfeiern und erst um vier Uhr nachts nach Hause kommen, können sie am nächsten Tag auch nicht vernünftig arbeiten.

Zu den von Hörhans Team ausgewählten Indikatoren gehören die Erwerbsquote, das Ausbildungsniveau, die Zahl der Schulabbrecher, das Einkommen und das Steueraufkommen pro Kopf, die Arbeitslosenzahlen, durchschnittliche Zahl der Krankheitstage.

Daraus auf “fleißig” und “faul” zu schließen, ist ja eh schon eine Blödheit. Das weiter zu moralisieren und zu psychologisieren lässt vor allem auf Psyche und Moral des Autoren schließen.

Aber der kommt ja eh aus einem Umfeld, das Versatzstücke von Moral und Ethik, Individuum und Gesellschaft (=Volkswirtschaft) flexibel neu arrangieren kann. Und ja, auch das war moralisierend, psychologisierend und es ist mir scheißegal.

Achso, Kategorie zu schön: “Als Jugendlicher holte Gerald Hörhan bei der internationalen Mathematik-Olympiade eine Silbermedaille.” Das ist der erste Satz seines Lebenslaufes!

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4 Responses

  1. shit

    Wäre er nicht so faul gewesen, wäre es vielleicht die Goldmedaille geworden.

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  2. K

    “… und erst um vier Uhr nachts nach Hause kommen,” haha…ich gehe erst zwischen 4-19h ins Berghain

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  3. z

    Ach Leute, der Gerald, der olle Punker, der will doch nur staenkern. Seid Ihr noch ganz klar? Ihr geht dem ja voll auf den Leim: Arbeit = gut, Faulheit = schlecht. Ich dachte wir sind schon weiter?

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