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18.09.2007 | 16:33
 
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Kulturschaffende abschaffen!

Aufruf zum Wortspiel, T-Shirt gewinnen


kultivator4jpg.jpg

Die Berliner Gazette, seit Jahrhunderten das beständigste digitale Mini-Feuilleton (ich glaub auch das einzige), ruft auf den Deppenbegriff Kulturschaffender abzuschaffen.

“Kultur” ist schon eine an Schwammigkeit kaum zu ueberbietende Begrifflichkeit. Wo faengt sie an, wo endet sie, sowohl auf der Zeit-, als auch auf der Raumachse ist das wohl kaum zu klaeren. Ganz uebel wird es, will man Leute, die in derartige Machenschaften verwickelt sind, begrifflich fassen. In Ermangelung eines handfesten Oberbegriffs fuer Kuenstler, Philosophen, Literaten, Musiker, Kulturjournalisten, Publizisten und was sie nicht alles sind, scheint man sich auf “Kulturschaffender” geeinigt zu haben, ein ziemlicher Pyrrhos-Sieg. “Kulturschaffender”? “Jahresendfigur mit Fluegeln” ? “Strassenverkehrsordnungswidrigkeitsverfahrenseinstellungsbescheid”?

Diese Wortschoepfung ist ja wohl eine Erbaermlichkeit.
Berliner Gazette – LOGBUCH – Wanted – a tad alive! Wettbewerbsausschreibung

Stimmt, unterschreibe ich sofort, ist furchtbar, erbärmlich, grauenvoll. Schaffen allein ist schon schlimm genug. Und eine illustre Schlimmgeschichte hat er auch noch.

Und nu? Ok, ich will kein T-Shirt gewinnen, aber den Teddy würde ich nehmen, wenn ich nur eine Ahnung hätte was besser wäre. Kulturproduzent, klar. Aktant, Signifikant, Kulturant? Vielleicht? Ist zwar auch ein Unwort, klingt blöd, aber hat wenigstens klare Kanten. Kultureur wär mir lieb, ist auch noch ziemlich frei, aber die Franzosen haben uns schon so lange nicht mehr…

Ah! Ich habs. Das ist auch schön Deutsch: Kultivator. Ein Kraftwerk von einem Wort. Heisst zwar was anderes, aber wer immer das bislang benutzt, hat so wenig mit Feuilleton zu tun, dass Überschneidungen fast auszuschliessen sind.

Mit dem Kultivator werden gepflügte Ackerflächen aufgelockert, die nach der Winterruhe oder heftigen Regenfällen verdichtet sind und daher mit einer Egge nicht entsprechend bearbeitet werden können. Er ersetzt den früher in weiten Gegenden üblichen Zwiebruch, das nach dem Winter nochmalige Pflügen des abesetzten Ackers.

Egge! Zwiebruch! Winterruhe! Verdichtet! Puh. Ein Wort das solche Freunde hat muss man doch einfach nehmen. (Gibts eigentlich kein MySpace für Worte?). Ach und auch inhaltlich hat das so was sanft revolutionäres.

PS: Und sieht er nicht einfach auch gut aus?

Auch gut:




DIE WOLKE HAT 3 Kommentare zu "Kulturschaffende abschaffen!"

  1. pi

    Ja sehr gut, “Kultur” find ich sehr komisch/unscharf als Begriff. Frag mal dazu an Unis jemanden. Meistens meint man doch einfach Kunst, will aber Feuilleton-Styles und den ganzen Kunst-Kommentar-Betrieb nicht weglassen.
    Akademisch sag ich, Kultur ist der Name für das Gedächtnis der Gesellschaft. Kulturschaffende sind dann in der Tat alle.
    “Schaffen” ist zwar auch irgendwie doof und zu religiös, aber ich glaub ja schon, dass “Kultur” hier der form- und figurlose “Gefährder” ist.
    Auf jeden Fall leiber der mächtige mechanische Kultivator aus der Zukunft, als der kulturschaffende Kleingartenpfleger.
    Aber was machen die beiden nochmal?

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