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Aram Barthold ist mit seinen Dead Drops das erste mal bei uns in der De:Bug 148 aufgetreten. Seit 2010 spachtelt der jungsche Kosmopolit auf der ganzen Welt seine offline Filesharing Sticks in unscheinbare Wände und stellt damit ein paar Gigabyte Speicherplatz zu jedermanns freier Verfügung. Unter dem aus dem Spionage-Einmaleins entlehnten Titel (Dead Drops sind so etwas wie geheime Briefkästen, die bei Agenten für den anonymen Austausch von Top-Secret-Dokumenten genutzt werden, zumindest, wenn man Alfred Hitchcock glauben darf) sind so eine Vielzahl von anonymen Zwischenablagen entstanden, die jeder nach gutdünken mit mehr oder weniger geheimnisvollen Botschaften, Bildern, Videos oder sonstigen Paketen, die aus Einsen und Nullen zusammengeschnürt sind in der Öffentlichkeit für den unbekannten nächsten Passanten hinterlassen kann.

Man muss nicht James Bond sein, um sich die interaktive Eigendynamik dieses Projektes auszumalen, das jedem notorischen Security-Nerd die lange Nase zeigt. Denn dass man sich beim urbanen Download von geheimen Insiderparty-Dates über hartnäckige Computerviren bis hin zu ganz und gar analogen Speichelüberbleibseln so ziemlich alles auf die geliebte Rechenmaschine ziehen kann, sollte jedem bewusst sein, der sein Notebook an die öffentlichen Speichersticks stöpselt. Die Dead Drops evozieren bewusst die Konflikte im Umgang mit digitaler Sicherheit und projizieren diese damit auch in die schwindende Sphäre des Offline-Datentransfers, nostalgisch am Zeitgeist, wenn man so möchte.

Vor einigen Tagen nun hat Barthold seinem Projekt passenderweise in der ehemaligen Abhörstation der NSA auf dem Berliner Teufelsberg ein weiteres Kapitel geschrieben. Auf dem neuesten Dead Drop sind angeblich vertrauliche Daten aus dem Kalten Krieg zwischengespeichert, von deren Veröffentlichung die Initiatoren mit Nachdruck abraten. Aber ob diese Daten immernoch auf dem Stick sind, weiß nur derjenige der seinen Computer auf die Wagnis des Andockens schickt und den prekären Inhalt überprüft. Alle, die der Neugierde nicht widerstehen können oder einfach nur ein bisschen mehr Speicherkapazität für ihre ausufernde Sammlung schmutziger Videos suchen, wissen jetzt, wo sie hinmüssen.

Der Videobeweis:

Informationen über die anderen Sticks und das ganze Projekt, sowie weitere Videos findet ihr auf: http://www.deaddrops.com

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