Zu teuer, zu ungerecht, nur für Maximalisten. Stimmen gegen den Tarif mehren sich.

Vor ein paar Tagen sind ja die neuen Tarife für Clubs von der GEMA und dem BVMV (Dehoga etc.) abgesegnet worden, jetzt trudeln langsam die ersten schärferen Gegenstimmen ein. Die LiveKomm hat jetzt ein Statement veröffentlicht und ist nicht wirklich erfreut. Auch sie wissen, unter dem Tarif den die Schiedsstelle vorgeschlagen hat, wird man kaum Forderungen anbringen können, aber die Einigung liegt besonders bei großen Clubs mit vielen Öffnungstagen einfach doch auch noch bis 100 Prozent über dieser Entscheidung, die allerdings auch nur auf 5 Jahre konzipiert war.

Die LiveKomm zollt dem BVMV zwar Respekt, aber sehr gedämpft:

Die Bundesvereinigung Deutscher Musikveranstalter hat monatelang zeitraubend mit der GEMA verhandelt, um für die betroffenen Musiknutzer bezahlbare Tarife zu erreichen, Respekt!
Wären die Voraussetzungen sowohl gesetzlich als auch finanziell gleich oder ähnlich bei Kontrahenten, hätte das Ergebnis aber wohl anders und damit im Sinne der LiveKomm angemessener ausfallen können.Clubcommission

Und die LiveKomm bemängelt nicht nur die Wand-zu-Wand Bemessung der Clubs, die bei einigen schlichtweg dazu führt, dass sie für Flächen eine Nutzung bezahlen, die eigentlich für etwas ganz anderes als Tanzen genutzt werden. Hier ist ein Blick in den Schlichtungsvorschlag der DPMA auch ganz hilfreich, denn der rechtfertigt den höheren GEMA-Preis in Clubs ja auch explizit durch die intensive Nutzung incl. Tanz. (So drücken die sich aus, da können wir nichts für).

Obendrein gibt es Kritik an der angenommenen Durschnittsauslastung von 66% die am Ende zu so etwas wie 10% der Tür-Einnahmen eines Clubs für die GEMA führen soll, weil es erstens nur um den jeweils höchsten Preis am Abend geht, zweitens Gästelisten etc. sowieso nicht einkalkuliert werden und nicht mal der Nettopreis genommen wird, sondern GEMA auch auf die Umsatzsteuer verlangt wird. Weshalb sie eher in Richtung 5% tendieren.

Und sie fordern auch etwas. 40% Rabatt für Clubs die ein risikoreiches Program fahren. Einen Kulturrabatt.

Die Hauptforderung der LiveKomm gegenüber der GEMA ab Januar 2014 wird der Kulturrabatt von 40% sein. Clubs oder Spielstätten sehen sich eher als Kultur- denn als Wirtschaftsbetriebe, nicht rein kommerziell, und bieten spezielles, nachwuchsförderndes, aber damit auch risikobehaftetes Clubkulturprogramm. Viele Künstler wären heute nicht erfolgreich, hätten kulturelle Spielstätten ihnen nicht Auftrittsmöglichkeiten auch vor kleinem Publikum ermöglicht.
Diese Nachwuchsarbeit sowie kulturelle Daseinsvorsorge muss durch einen hohen Kulturrabatt ermöglicht werden, deren Eckdaten die LiveKomm mit der GEMA aushandeln will.Clubcommission

Der Der Verband der Münchner Kulturveranstalter e.V. (VdMK) geht noch einen Schritt weiter und erklärt den Tarif für schlicht nicht annehmbar. Und sie fordern: GEMA-Vermutung muss weg (damit man nur noch für Musik zahlt, die auch wirklich bei der GEMA ist), mehr Eingriffe der Aufsichtsbehörde und keine einseitigen Tariferhöhungen mehr.

Ähnlich reagiert übrigens auch Steffen Hack vom Watergate:

Deutlich wird auch, dass mit den neuen Tarifen die Veranstalltungsstätten Events die nicht hervorragend und gewinnbringend sind, canceln werden müssen. Der Tarif lässt nichts anders zu da er nicht auf die Fülle oder Wirtschaftlichkeit des Events eingeht, sondern nur auf die Öffnungstage, die Höhe des Eintritts und die Größe der Veranstaltung. Und alles ist immer voll, ausverkauft, läuft….also ihr Cashdrucker, hier wollen wir ran……wtf !

Das ist kein zu akzeptierender Abschluss, hier kann auch nicht von Einigung geredet werden, wer erzählt so einen Mummenschanz !

Wenn das so bleibt, müssen wir in 5 Jahren locker das Doppelte an Eintrittsgeldern verlangen !

Hier ist alles Bullshit, was soll ich dazu sagen……auf lange Sicht kann das keiner bezahlen, zumindest keine Läden die nicht auf Maximierungs-Kurs fahren und ganz sicher wird Feiern erheblich teurer für die Gäste…..das wird sich in naher Zukunft, wenn es dabei bleibt, nicht mehr jeder leisten können.

Es ist also noch nicht das letzte Wort gesprochen, was die neuen Tarife für Clubs betrifft.

PS: Übrigens ist der Schlichtungstarif nur zu einer (ja jetzt noch überstiegenen) starken Steigerung der GEMA-Tarife bereit gewesen, wenn die GVL 20% nicht übersteigt und hatte damals empfohlen, dass der Tarif entsprechend gesenkt werden müsste, falls die GVL-Abgaben drüber liegen.

Die tarifliche Vergütung steht unter dem Vorbehalt, dass die an die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH („GVL“) zu zahlende Ver- gütung 20 % der an die GEMA zu zahlenden Vergütung nicht übersteigt. Wird rechtskräftig festgestellt, dass die an die GVL zu zahlende Vergütung 20 % der GEMA-Vergütung über- steigt, oder ergibt sich eine solche Feststellung aus den tragenden Gründen eines rechts- kräftigen Urteils (gegebenenfalls auch zu einem Tarif), reduziert sich die tarifliche Vergütung entsprechend. § 3 B) 6. bleibt unberührt.

PS 2: Um selber ins Detail durchzublicken, haben wir uns mal einen GEMA Club-Tarifrechner gebaut, weil der von der GEMA selbst bei uns nie funktioniert hat. Wer will, darf den gerne für Überschlagsrechnungen nutzen. Zwei Versionen: 1. Filemaker-Datei für alle die Filemaker haben (klein für Mac und PC). 2. Filemaker-Runtime (groß, braucht kein Extra-Programm, nur für Mac). Wir übernehmen keine Garantie, dass die Rechnungen auch wirklich exakt sind, haben uns aber größte Mühe gegeben.

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One Response

  1. Orson

    Das es die GEMA-Vermutung in der heutigen Zeit überhaupt noch gibt, ist mir absolut unverständlich. Das ist doch eine Lizenz zum Gelddrucken für die, wie heißen sie nochmal, ordentlichen Mitglieder.
    Wenn ich die Tatsache der Vermutung weiterspinne, könnte ja die Deutsche Bahn auf die Idee kommen, Fahrkarten auf Vermutung (Abfahrtzeit, Ankunftzeit, kommt der Zug überhaupt?) zu verkaufen. 175,00 Euro für die Vermutung, daß dieser Zug um 16:32 in Düsseldorf abfährt. Ziel könnte Berlin sein. Geld gibts nur zurück, wenn man nachweisen kann, das man gar nicht nach Berlin wollte? Plaque!
    Mal im Ernst, wo leben wir hier eigentlich? Dieses Konstrukt ist in Anbetracht der heutigen technischen Möglichkeiten doch sowas von gestern. Und komm mir jetzt keiner mit “das geht nicht so einfach”, die NSA kann unseren gesamten Telefonverkehr samt Mutti abhören. Das geht!

    Und vielleicht müßten dann einige “Künstler” wie D.B. oder R.S. den Platz einnehmen, den sie in ihrem Leben kulturell vorgezeichnet haben: ein fadenscheinger Sessel im Armenhaus.

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