Wo Datenjournalismus und Medienkunst am Universum scheitern.

mersenne

Eine Primzahl ist, wie eigentlich alles, vor allem das, was sie nicht ist: Sie ist nicht teilbar (außer durch sich selbst), sie ist nicht leicht zu erraten und Montags schlecht drauf. Kürzlich wurde die größte, bekannte Mersenne-Primzahl, eine Zahl, die noch mehr nicht ist, als eine herkömmliche Primzahl von einem Computer errechnet. 17,4 Millionen Stellen groß, größer als viele andere Zahlen.

Aber was bedeutet so eine lange Zahl, welche Geheimnisse liegen in ihr verborgen, welches Wissen könnten wir in ihr freilegen? Dass man darin Informationen verschlüsseln könnte, wenn man nur Anfangs und Endposition innerhalb der Primzahl markiert? Pustekuchen. In dieser Zahl steckt nichts, nichts, nichts. Sie ist nicht nur alles, was sie nicht ist. Sie ist auch tatsächlich nichts. Ein leeres Monstrum, einsam in der Welt, durch nichts als sich selbst teilbar: ein Ungetüm.

Wie zum Beweis, und vielleicht auch um das Konzept Datenjournalismus in all seiner Banalität blank dastehen zulassen, hat Philip Bump die jüngste Mersenne-Primzahl, in 6er-Blöcken zu RGB-Farbwerten zusammengefasst, als obiges Pixelbild dargestellt. Trotz zu viel Info gar keine Info. Einzig beruhigend: farblich ist es fast die Inversion des Cosmic Latte (#FFF8E7), der Darstellung der milchigen Mittelmäßigkeit des Universums. Und das Gegenteil von Mittelmäßig (1-Mittelmäßigkeit) ist natürlich auch Mittelmäßigkeit. In diesem Universum gibt es nicht viel zu holen, und in den Mersenne-Primzahlen auch nicht.

Wertvoll ist nur der Versuch, im schwachen Rauschen auf Tiefensuche zu gehen: Schielt man nach Art Magic Eye Teile des uniformen Bildes übereinander, formen sich aus den sich im Monitor spiegelnden T-Shirt-Falten tatsächlich pseudeo-dreidimensionale Strukturen, die sich auch noch bewegen. Davon wird das Universum aber auch nicht geringfügig schöner.

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