Der alte Handyspiel-Klassiker Snake, gespielt auf Straßen anstatt auf einem Bildschirm, oder Tetris, umgesetzt mit bunten Badfließen – das sind nur zwei der vielen verqueren Gameplay-Experimente auf Playpublik, dem Festival für öffentliches Spielen, das vom 9. bis 12. August vor, in und um das Computerspielemuseum in der Berliner Karl-Marx-Allee 93a statt findet.

Worum es geht? Um Public Gaming. Das ist ein Phänomen, das aus New York stammt. Vereinfacht gesagt, ist damit eine Sonderform des Spielens gemeint, die primär dazu dient, der Anonymität und Entfremdung in Metropolen entgegen zu wirken. Menschen sollen einander begegnen und öffentliche Plätze, die zu Werbeflächen verkommen, sollen zurückerobert werden. Das geht am besten im Spiel, noch besser bei Spielen, die direkt in der Öffentlichkeit geschehen und am besten bei Spielen, die Details des öffentlichen Raums selbst zu Spielelementen umfunktionieren. Das heißt, es wird mit allem gespielt, was die Architektur und Infrastruktur der jeweiligen Stadt hergeben, wie etwa Straßen, Bäume, Häußer oder Litfasssäulen. Neue Technik und ein gutes Vorstellungsvermögen machen nahezu alles möglich.

Beispielhaft für Public Gaming ist das stadtteilübergreifende Spiel Pac-Manhattan. Es nutzt das netzartige Straßengeflecht von New York, um den Videospiel-Klassiker Pacman in einer analogen Form nachzustellen. Ein Spieler ist als Pac-Man verkleidet und rennt in Manhatten um den Washington Square Park. Er versucht alle virtuellen Punkte, die auf den Straßen verteilt sind, einzusammeln. Vier andere Spieler, verkleidet als Geister, müssen den Pac-Man-Spieler fangen bevor er alle Punkte eingesammelt hat. Koordiniert werden alle Spieler werden über Mobilfunk und WiFi-Internetverbindungen. Gleichzeitig wird der Spielfortschrift live im Web übertragen für Zuschauer auf der ganzen Welt.

Auf dem Festival Playpublik soll, wie der Name bereits ankündigt, das Public Gaming eingedeutscht werden. Acht internationale Teams aus Künstlern, Designern und Wissenschaftlern haben eigens für Berlin-Mitte Spiele solcher Art entworfen. Die sind vielleicht nicht derart riesig und lange wie Pac-Manhattan, aber versprechen mindestens genauso viel Spielspaß. So beispielsweise Chocolate Wars. Dort ist ein Bürgerkrieg zwischen Schoko-Monstern und Teddys ausgebrochen. Die Spieler treten stellvertretend für eine Seite in diesem Kampf an. Dazu müssen sie WLAN-Hotspots erobern, die wertvolle Ressourcen produzieren. Fallen müssen gelegt werden, um das andere Team zu sabotieren und deren Heimatbasis zu erobern.

Daneben gibt es noch weitere Spiele wie City Dash, Speed Gardening Guerillia oder Streetfight. Der Besucher hat insgesamt ein großes Angebot, aus dem er wählen kann. Die Dauer der Spiele reicht von 1 bis 100 Minuten, die Teilnehmeranzahl von 1 bis 100 Mitspielern. Hinzukommen die Gesprächsrunden, Vorträge und Workshops. So kann man sich genauer erklären lassen, wie urbane Gesellschaften und Gameplay zusammenhängen oder einfach selber Spielideen entwerfen und vorhandene variieren.

Ein Tagesticket kostet 8 Euro, ein Festivalpass 22 Euro. Dabei ist der Eintritt zum Museum inklusive. Anmeldungen für teilnahmebegrenzte Spiele und Workshops erfolgen am jeweiligen Tag vor Ort am Festivalcounter vor dem Computerspielemuseum. Zusätzlich gibt es Spiele, die man jederzeit unabhängig spielen kann. Einzelinformationen zu den Spielen und einen Livestream gibt es auf playpublik.de

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