Video-Mem versus Kontrolle

Matthias Fritsch wird vom Technoviking rechtlich belangt. Kein Wunder: Fritsch schoss das Video des illuminierten Oben-ohne-Manns im Beatrausch. Mundwinkel runter, Zeigefinger hoch! Schoss das Video auf der Fuck Parade im Juli 2000 – und landete damit einen Riesenhit im Internet. Ein neues Mem war geboren. Aber den Technoviking fragte freilich niemand, ob er damit einverstanden ist. Fast zehn Jahre lang verdiente Fritsch Geld mit dem unbekannten Herrn, in den ersten zwei Jahren allein 10.000 Euro. Dann klagte Technoviking – bis der Fall Ende Juli vor dem Kammergericht Berlin landete.

Technoviking will Geld von Fritsch: Dessen Einnahmen und Schadensersatz. Fritsch sieht seine persönliche Liquidität, vor allem aber auch die Kunst in Gefahr. Immerhin ist Technoviking längst mehr als ein Video, sein Bild hat sich verselbständigt. Ist das Kunst, oder muss das weg aus dem Internet?

Fritsch will eine Dokumentation über den Fall drehen – und sucht über Indiegogo nach finanzieller Unterstützung. Die Kampagne nähert sich dem Ende – und hat das Ziel von 10.000 Euro bislang nur zur Hälfte erreicht. Meine Sympathien hat er nicht. Sein Versuch, das Video und dessen Folgen zu einem Kunstwerk zu erklären – und damit seine Verantwortung gegenüber der gefilmten Person zu minimieren – finde ich fragwürdig. Richtig schlecht finde ich hingegen Fritschens Aussagen, die darauf hinauslaufen, dass der Technoviking sich doch nicht so anstellen solle. Das Video sei doch lustig und Ruhm ja nicht verkehrt. Mit solchen Äußerungen zeigt Fritsch, dass er das Problem seiner Handlung nicht versteht oder verstehen will: dass es nicht dem Technoviking um Geld und Aufmerksamkeit geht, sondern vor allem ihm selbst.