Datenschutz will Facebook Like-Button unter Androhung von 50.000 Euro Strafe bis September abschalten

Datenschutz vs. Facebook. Das hat eine lange querulante Geschichte. Und jetzt prescht das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein schon mal mit einer Pressemitteilung vor, die Angst im Deutschen Internet hervorrufen sollte. Darin wird – nebst technischer Analyse der Vorgänge im Hintergrund – aufgefordert, dass “alle Stellen” in Schleswig Holstein, worunter wir Webseiten verstehen, den “Gefällt mir”-Button zu entfernen haben, da dieser die Nutzer nicht nur trackt wenn sie auf Facebook angemeldet sind, sondern auch sonst. Und die maximale Strafe dafür ist: 50.000 Euro. Das wird sich eigentlich niemand leisten können, der nicht zumindest multinationale Verbindungen eines Großkonzerns hat. Da über Like-Buttons mittlerweile bei nahezu jeder Webseite die wir kennen massiv Traffic gemacht wird, dürfte das – so denn wirklich die Seitenbetreiber ihre Buttons löschen – massive Einbußen bedeuten. Besonders tückisch: sie verweisen auf andere Social-Media Seiten aus Europa die den Datenschutz ernster nehmen würden, allerdings ohne diese zu nennen. Und eine Alternative ohne Relevanz ist nun wirklich keine Alternative.

Die Koordination mit anderen Datenschutzaufsichtsbehörden ist auch geplant, d.h. weitere Facebook-Abschalt-Appelle könnten folgen. Auf Internetworld.de wird schon ein Unternehmenssprecher von Facebook zitiert, der wiederum behauptet, dass sie sich vollständig an die Europäischen Datenschutzbestimmungen halten. Wir selber haben weder Zeit noch Muße das ganze ins Detail nachzuvollziehen, gehen aber davon aus, dass wir in Zukunft den ein oder anderen Rechtsstreit in dieser Richtung hören dürfen. Eine gute rechtliche Analyse gibt es hier.

Mitbetroffen sind übrigens auch Buttons zum Seiten “liken” sowie, obwohl das nun wirklich nicht erwähnt wurde, Facebook-Kommentare etc.

So. Und nun? Es mag ja durchaus sein, dass Facebook mit seinen Like-Buttons in die Datenschutzrechtliche Bedrouille gelaufen ist, die Webseiten-Betreiber, die die Like-Buttons einsetzen, dafür in Haft zu nehmen schadet aber aus unserer Sicht nicht nur den Falschen, sondern bringt auch den Datenschutz eher in Verruf, als mehr Druck für eine Durchsetzung besserer Kontrolle der eigenen Daten aufzubauen. Und das ganze auch noch mit einer so partiellen Aktion (nur Schleswig-Holstein???) anzugehen scheint und nun wirklich ganz absurd.

Update: Unser größter Einwand wäre, dass ein User der bei Facebook eingeloggt ist, den Nutzungsbedingungen von Facebook zustimmt, also eigentlich weiß worauf er sich einlässt, und nur in eingeloggtem Zustand überhaupt erst auf “anderen Seiten” (defacto liegen die Like-Buttons innerhalb von iframes eh nur auf Facebook-Seiten, es findet also keine Datenerfassung bei einem Drittabieter statt) erfassbar wird. Ist man ausgeloggt fliessen da z.B. keine Cookies, und beim Drücken eines Like-Buttons muss man sich auch erst ein Mal wieder anmelden bei Facebook und stimmt damit der Weitergabe der Daten an Amerika zu. Nur weil man gegen Facebook nicht ankommt und die Politik nicht zu einem umdenken in den Datenschutzgesetzen bewegen kann, jetzt die schwächste Stelle zu instrumentalisieren ist wirklich Blödsinn.

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3 Responses

  1. 6878iii

    Sleswig Holstein -> Daumen hoch! Ich find’s gut. Viele scheinen überhaupt nicht zu begreifen wie sehr Facebook für alle möglichen (Direkt)marketing-Methoden genutzt wird. Die Werbewirtschaft freut sich dass die Zielgruppe sich bei Facebook ganz freiwillig die Werbung abholt.

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  2. Tommy

    Vielleicht sollte man im nächsten Schritt iTunes (installiert nachweislich Spy-Ware) oder besser gleich Windows verbieten. Hier sind es nämlich nicht nur ein paar Cookies, die über’s Netz übertragen werden. Und was ist eigentlich mit Payback-Karten? Ach ja … Porn-Seiten oder am besten gleich Google auf den Index. xD Die Chinesen haben’s ja vorgemacht. Fragen über Fragen an unsere ach so kompetenten Polit-Fuzzies… ;)

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