Cashcow Afterhour zahlt sich aus

Die Bar 25 war gelebte Verweigerung auf einem Berliner Filet-Grundstück. Dass der Club, pardon, das IsotopBiotop (danke, Jens-Oliver!, Auto-Korrektur, verdammte!), überhaupt so lange überlebt hat mit eben diesem Konzept an eben diesem Ort, ist ein Paradebeispiel dafür, dass in der Hauptstadt Dinge immer noch möglich sind, die in anderen Städten auf dem kurzen Dienstweg entschieden werden. Der Westberliner Politiksumpf der 80er-Jahre mit Diepgen, Lummer und Landowsky, er strahlt nicht mehr und Wowereit geht viel zu gerne tanzen.

Das Gelände der Bar 25, ein prächtiger Streifen Land mit verseuchtem Grund (keine Raver-Pisse, Altlasten aus DDR-Zeit), gehört der BSR, der Berliner Stadtreinigung, die selbst gar nicht so genau weiß, was sie damit anfangen soll. Da dachte sich der Berliner Senat (Wowereit, Tänzer, Subkulturkuschler), dass man die Westerndorf-Brache doch einfach der Bar 25 zurückgeben könne, man müsse auch eben jene Subkultur in der Stadt auch mal fördern, verdammt, kommen doch die ganzen Touristen hin und malen sich die Gesichter an. Da wiederum winkte die BSR ab, als landeseigener Betrieb müsse man profitorientiert arbeiten und das Gelände an den Meistbietenden verkaufen, sonst würde ihnen ja Finanzsenator Nußbaum (Intimus von Wowereit, aber kein Parteifreund) persönlich auf das Dach der Müllverbrennungsanlage steigen.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) meldet jetzt, dass die Macher des Kater Holzig (wir haben da was vor), also die Crew, die früher die Bar 25 gemacht hat, eben jenes Höchstangebot abgegeben haben. Der andere Bieter, Abris Lenbach, habe den Kürzeren gezogen. Seine Bewerbung war sowieso umstritten, da er im Aufsichtsrat der BSR sitzt.

Die Bar bekommt die Bar also zurück.

Das sind gute Nachrichten durch und durch. Zeigt aber auch, wie ausgebufft professionell die Schlangengrube Wochenende mittlerweile funktioniert. Die BSR weist unterdessen darauf hin, dass intern erst am 17. Oktober abgestimmt werde über den Verkauf, bis dahin gebe es keine Informationen. Die Hochrechnung, wie viele Flaschen Bier ein derartiges Stück Land kaufen können, reichen wir nach.

Ob die Bar auch wieder die Bar wird? Keinesfalls ausschließlich: Das Projekt “Holzmarkt” gibt sich weltoffen und als Universallösung. Mit Hotel, Restaurant, bezahlbarem Wohnen, Veranstaltungsräumen und viel öffentlichem Raum, freiem Zugang zur Spree inklusive. Investoren werden auch bei diesem Projekt gerne einsteigen, es muss ja nicht immer ein Büroturm mit Tiefgarage sein, das wäre so nah am Wasser auch gar keine gute Idee.

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20 Responses

  1. helmut shit

    solange der “öffentliche raum” dann auch wirklich öffentlich ist…gerne.

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  2. Martin H.

    Naja. So ganz geht die Rechnung mit den Bieren nicht auf. Wer Investoren findet, kann ein Grundstück auch kaufen, ohne über das entsprechende Kapital zu verfügen. Das Grundstück selbst ist ja als Sicherheit vorhanden. Sprich. Die 10 oder 20 Millionen sind weiterhin an Wert da, nur eben in Form eines Grundstücks an der Spree, das vermutlich in zehn Jahren teurer sein wird. In Zeiten einer drohenden Inflation ist so ein Spreegrundstück vermutlich eine sinnvollere Geldanlage als Gold.

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  3. cip22

    Nett geschrieben! Danke für den unterhaltsamen Einblick.

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  4. jens-oliver

    Verdrehe mir grade über den “Isotop” Vergleich die Synapsen. Sehe ein Biotop, in dem alle gleich und total verstrahlt sind … war wohl nicht ganz stabil, das Isotop.
    ;-)

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  5. dude

    offenheit wird und wurde weder in der bar noch kater zelebriert. und wenn dann heisst offen abschuss bis dienstag (ich bin nicht der bz typ, ja…!)

    ich bin gespannt wie öffentlich das alles bleibt…

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  6. airpark

    Ich würde jetzt gerne einen langen, gehässigen Kommentar über die “Bar” schreiben, in der u.a. der Ausdruck “Salonkommunismus” vorkäme, allein mir fehlt gerade die Zeit dafür.

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  7. Praenki

    Cashcow Afterhour – sehr schöne Beschreibung. Hat eigentlich irgendjemand die Schubkarren voller Geld gesehen und gezählt, die angeblich jedes Wochenende vom Gelände gefahren wurde?

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  8. Dr Schiwago

    na ja jetzt halt sodom und gomara bis zum st nimmerleinstag

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