LED-bestückte Helme, die bis über den Bauch reichen, Projektionen, die sich anfassen lassen und Sounds, in die Publikumsgeräusche in Echtzeit eingearbeitet werden: Das ist SIRO-A, die multimediale, interaktive Show aus Japan. Sie macht Spaß, ist liebenswert und schafft es, selbst unterhaltungserprobte Schreiberlinge zu amüsieren. Das geht schon vor Beginn der eigentlichen Show los, wenn sich die Zuschauer selbst auf dem Vorhang im Detail sehen und von den Künstlern abwechselnd schriftlich kommentiert werden: “Hello”, “Nice Body” oder einfach mit einem Herzchen. Noch lustiger der Moment nach der Zwischenpause. Einer der Künstler versucht mit einer drei Meter hohen Säulen-Kappe auf dem Kopf Freiwillige auf die Bühne zu holen. Dabei schwankt er schrullig hin und her, fällt sogar fast um. Oder das Schattenspiel, bei dem einer der Performer vergeblich versucht, einem fiesen Gummiball auszuweichen, der sich überhaupt nicht um physikalische Gesetze schert und sich dann auf einmal als Pacman entpuppt.

Mission erfüllt? Auf jeden Fall: SIRO-A hat die Europapremiere mit vielen schmunzelnden Gesichtern hinter sich gebracht. Bis zum 12. August gastiert die Show noch in der Hauptstadt. Aber ist das Cyberpunk-Varieté, voller Technikeuphorie, Körperkomik und Zauberei wirklich so wie es beworben wird: die nächste Generation der Unterhaltung?

Vielleicht sind die Atrribute, mit denen die Show beschrieben wird, etwas dick aufgetragen, und so mancher wird dem retrofuturischen Stil wie auch dem Humor dieses Kulturkreises wenig abgewinnen können, aber was die sechs Jungs aus dem Land der aufgehenden Sonne bieten, sind dennoch Höchstleistungen und State-Of-The-Art-Techniken, die mehrere Jahre Vorbereitung und ein außergewöhnliches Maß an Disziplin verlangen. Erstaunlich ist die Koordination und Präzision der Performer bei der immensen Geschwindigkeit. Allein das macht die Show attraktiv. Um Bruchteile von Sekunden geht es da, um angespannte Körper, und blitzartiges Reaktionsvermögen, sowohl vor als auch hinter dem DJ- und VJ-Pult. Es ist wie ein Hochseiltanz, bei dem man seinen Blick nicht abwenden kann. Denn jeden Moment steht die Illusion auf dem Spiel. Wenn auch nur eine Verzögerung von der Dauer eines Wimpernschlags entsteht, verlieren die bis ins Detail gedachten Choreografien ihr Gleichgewicht und damit ihre Wirkung. Ein falscher Schritt, ein falscher Tastendruck oder ein kurzer Tick der Software genügt und das war’s. Immer wieder wundert man sich über die Leistungsfähigkeit der Geräte und dass es überhaupt möglich ist, im Live-Kontext Samples und Effekte punktgenau durch die Maschine zu jagen, so dass Visuals, Sound und Performance exakt übereinstimmen. Die Visuals selbst sind ebenso schön anzusehen, wegen ihrer detaillierten Texturen und ihrer Varianz. Auch in den Tanzeinlagen, die mehr an ein Popvideo erinnern, wiederholt sich nahezu nichts in den Effekten.

Was dem Gesamtprogramm allerdings schon auf die Pelle rücken kann, ist eine ungünstige Sitzlage. Zwar nimmt man alles auch vom Rand aus mit, wird vielleicht sogar auf die Bühne geholt, doch die volle Stärke entfaltet die Show, wenn man sie von einer mittleren Position weiter vorne verfolgt. Die Visuals und Zauberstücke wirken dann vereinnahmender. Gerade auch die Anstrengung der Künstler wird einem erst dann richtig präsent, die man weiter weg rasch übersehen kann. Wir empfehlen: gezielte Platzbestellung!

Tickets sind erhältlich über Eventim, ab 26 Euro. Die Show besucht ab Mitte August viele andere deutschsprachige Städte. Auf der Liste stehen in der Reihenfolge Köln, St. Pölten, Hannover, Hamburg, Zürich, Dresden, Stuttgart, Nürnberg und München. Die letzte Aufführung ist Anfang November in Wien. Weitere Informationen und Augapfelmassagen gibt es auf siro-a.de, aktuelle Meldungen auch auf der Facebook-Seite von SIRO-A.

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