CDU Politiker möchten "Rail-Marschalls"

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Ja, das läuft ja wie am Schnürchen. Kaum wär mal fast was passiert, schon wird wirklich jeder Unfug proklamiert, hauptsache Law & Order. Rail-Marshalls wollen sie. Berittene Schusswaffenträger der Bundespolizei (btw. ich hab nicht mal gewusst, dass der Bundesgrenzschutz jetzt Bundespolizei heisst) im ICE.

Für eine bessere Sicherheit in Zügen fordern sie so genannte «Rail Marshals», bewaffnete Zugbegleiter. Dafür plädierten CDU- Innenpolitiker Clemens Binninger und der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis in der «Bild»-Zeitung.
NETZEITUNG DEUTSCHLAND

Und warum? Vermutlich weil warum nicht komplizierter zu fragen ist. Stellen wir es uns mal vor: Da watschelt einer durch die Gänge und scannt nach “arabisch” aussehenden Passagieren. Der türkische-stämmige Teil der deutschen Bevölkerung wird sich bedanken. Und dann? Entwerfen wir doch mal ein Szenario (wir nennen den Rail-Marshall in Spe mal Cho-Cho Dick und den Verdächtigen (Bartträger mögen uns vergeben) Schnauzi.

Cho-Cho Dick: Zeigen sie doch mal ihren Koffer.

Schnauzi: Was? (Zieht die iPod-Stöpsel aus dem Ohr)

Cho-Cho Dick: Ihr Reisegepack!

Schnauzi: Hab keins.

Cho-Cho Dick: Und wem gehört dann dieser Koffer da über ihnen?

Schnauzi (wacht langsam auf): Dem jungen Mann der neben mir sitzt.

Cho-Cho Dick (nervöser): Da sitzt aber kein junger Mann.

Schnauzi: Nein, der ist wohl auf Toilette, oder im Bord Restaurant.

Cho-Cho Dick: Und das macht sie nicht nervös?

Schnauzi: Wieso denn das?

Cho-Cho Dick: Ich seh mir den jetzt mal an diesen Koffer.

Schnauzi (sieht das Rail-Marschall Logo auf der Uniform und erinnert sich an den Artikel im Bahnmagazin): Verstehe, sie meinen da könnte eine Bombe drin sein. Das wäre ja… (erkennt spät den Ernst der Lage, reagiert aber verdächtig vernünftig). Dürfte ich das Abteil vielleicht verlassen bevor sie das öffnen?

Cho-Cho Dick: Nein!

Schnauzi: Aber falls da eine Bombe drin ist und sie die vielleicht auslösen wenn sie den Koffer öffnen…

Cho-Cho Dick (schöpft jetzt richtig Verdacht, öffnet Halfter): Ist das vielleicht doch ihr Koffer?

Schnauzi: Nein, ehrlich, ich hab nur diese Laptoptasche mit. (Bewegt sich dabei langsam nach unten um unter den Sitz zu greifen).

Cho-Cho Dick: Stop! (tritt einen Schritt zurück Hand am Halfter, erkennt dabei – Aufmerksamkeit schon die Nerven – die vorher verborgene Laptoptasche) Aufmachen! (Gebrüllt).

(Kindergekreisch als Echo vom Nebentisch)

Schnauzi (nach vorne gebeugt, ergo etwas nuscheliger): Den Koffer? Aber der gehört mir…

Cho-Cho Dick: Die Laptoptasche! Und schön langsam.

(Durchsage: In wenigen Minuten erreichen wir den Bahnsteig Kaiserlautern)

Schnauzi (etwas jammernd und nicht ganz wahrheitsgemäss): Da müsste ich aber aussteigen.

Junger Mann (sich langsam von hinten nähernd): Tschuldigung darf ich mal eben…

Cho-Cho Dick: Sie gehen jetzt nirgendwo hin! Und Sie bleiben wo sie sind.

Junger Mann: Aber das ist mein Koffer und ich will hier raus.

(Passagiere stehen langsam auf, allgemeines Gedränge entsteht, der Zug ruckelt beim Wechseln der Gleise, Cho-Cho Dick fällt auf den Schoss von Schnauzi.)

Schnauzi: Aua.

Junger Mann (der die allgemeine Nervosität nicht zu bemerken scheint, greift über den Kopf von Cho-Cho hinweg um seine Tasche zu schnappen): Tschuldigung.

(Cho-Cho Dick fährt hoch, greift reflexartig nach der Tasche des jungen Mannes, schubst ihn dabei über die Mutter mit zwei Kindern (Hans und Gabi), die – obwohl sie nicht aussteigen wollte – zum Schutz ihrer Kinder dennoch das Abteil verlassen wollte. Wie übrigens scheinbar jeder der was mitbekommen hat. Geschrei, das Wort Bombe fällt laut, Panik bricht aus. Der Zug ist eingefahren. Die etwas angetrunkenen Bundeswehrsoldaten, die bislang im Zwischengang auf dem Boden saßen und nun helfen wollen, verhindern, dass jemand in Fahrtrichtung aus dem Gedränge rauskommt, und erhöhen die Betriebstemperatur um 2 Grad. Der bislang vorherrschende Schwarzbrot-Salami-Geruch wird langsam von Schweiss-Bier-Ausdünstungen übertönt. Cho-Cho greift zum Halfter, die Waffe ist weg. Er versucht im allgemeinen Tumult jemand über sein Walkie-Talkie zu erreichen, sein Gegenüber versteht aber nur Bahnhof. Alle strömen nun zurück und die ersten Passagiere purzeln auf den Bahnsteig, dem von erbosten Fahrgästen, die einsteigen wollen umringten, sichtlich verblüfften Schaffner vor die Füsse. Drinnen gerät der waffenlose Cho-Cho jetzt auch Panik und schlägt Schnauzi und den jungen Mann kurzer Hand bewusstlos. Hans erschiesst unabsichtlich Gabi und bricht sich dabei das Handgelenk.)

Nächste Folge dann am 1.September, wenn man bei der Bahn auch mit dem Handy Tickets kaufen kann. Jetzt ist es fast schade, dass weder Merkel noch die Bahn das wollen.

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Schreibmaschine. Tippse. Reviewweltmeister und so Dinge.

3 Responses

  1. folger hlinsch

    sehr “schönes” zenario. so oder so ähnlich wird es bald bis in jede furzige strassenbahn hinein ablaufen. ich haber mitlerweile mehr angst vor übereifrigen und der situation sichtlich nicht gewachsenen train-cops wie vor angeblichen terroristen. ich frage mich: wenn die gefahr angeblich so latent ist, wieso knallt es da nicht einmal? dann würde ja die vereitelungsquote bei 100% liegen. und das halte ich für sehr unwahrscheinlich….