Typo Berlin 2008 – Abschlussbericht
Die Typo war ein Erfolg. Ausverkauft, und trotz besten Wetters ein Straßenfeger.

Die diesjährige Typo Berlin zum Thema Image war auch diesmal ein großer Erfolg. Frühzeitig ausverkauft. Reges Medieninteresse. Allenortens angeregte Diskussionen, teils sehr aufwendige Vorträge und neugierige Studenten, die ihren Designerheroen nah sein konnten. Auch das hervorragende Wetter, das gerade das Plateau am Haus der Kulturen der Welt zu einem Sonnendeck werden ließ, ließ die Teilnehmer nicht davon abhalten, stündlich von Vortrag zu Vortrag zu huschen.

Ein Gewinner war mit Sicherheit Stefan Sagmeister. Der Österreicher, der mit auf seinem überfüllten Vortrag über die Dinge, die er in seinem Leben lernte alle Teilnehmer in seinen Bann zog, kam aus seiner späteren Signierstunde gar nicht mehr raus. Stolz wurden seine Autogramme auf den Typo-Taschen herumstolziert. Dieter Telfser hingegen brachte das Prinzip Vortrag an seine Performanzgrenze. Mit Latexganzkörperkostüm und störrischem aber wahrhaftigem Steinadler auf dem Kopf brachte er seine ontologische Betrachtung von Achtung und Ächtung im Image zum Besten. Aber auch Designmonolith Edward Benguiat aus Brooklyn erhaschte enorme Aufmerksamkeit. Ein Staffellauf der Designlegenden. Wer ist höher, besser, weiter?
Was ist Kunst? Was ist es nicht? Was kann Design? Um solche Fragen zu beantworten bedarf es einer Typokonferenz nicht, auch nicht, sich ausschließlich um Typefaces und Buchstabenschnitte auszutauschen. Es wurde hier allemal deutlich, dass die Designer den Anspruch für sich verbuchen, mehr zu sein, als nur reine Pixelschubser oder Ausgestalter. Das machte die Spannweite von teils sehr philosophisch angelegten Vorträgen deutlich. So wurden die reinen Portfolio-Powerpoint-Präsentationen von einzelnen Vertretern sehr weit gefächert angereichert. Abschließend wurde am Samstagabend im Tape Club ausgiebig gefeiert und genetzwerkt, ein fulminanter Abschluss, vor allem für die von weitem angereisten Teilnehmer, die in dem Kongressstress doch noch was vom Berliner Nachtleben schnuppern durften, wenn diese nicht ohnehin eine ganze Berlinwoche geplant hatten.

Dennoch, ein Teil der Panels waren von einem kulturpessimistischen Duktus durchzogen. Ob Henneka, Moser und allen voran Jim Rakete konnten, als Vertreter der “alten Schule“, es sich nicht nehmen lassen, ihre negative Ansicht von der omnipräsenten Digitalisierung und der Unabdingbarkeit der Ära Photoshop kundzutun. Schwierig, wenn man von den heutigen Mitteln nicht mehr viel versteht, bzw. wenn das alte Handwerk nicht mehr kommerziell gefragt ist. Den jungen Hörern didaktisch weiszumachen, es doch besser zu tun, jedoch keine konkreten kreativen Methoden und Ansätze zu vermitteln, lässt das Dilemma zwischen 0.0 und 2.0 nur noch mehr manifestieren. Die Kluft der Generationen hat die Designwelt also fest im Griff. Image ist alles, das schien jenen Referenten auch sehr wichtig gewesen zu sein. Vielmehr besteht die Herausforderung, Neues mit dem Wissen des Früheren synergetisch explodieren zu lassen und keine Fronten zu ziehen. Die Lehrer können auch von den Schülern lernen und sich nicht elfenbeinturmig abschotten. Für die nächste Ausgabe der Typo wäre dies ein Ansatz. Weg von der traditionellen Vortragsform, mehr Unconference, weniger Starrummel, mehr unfrontiger Austausch. Dafür für ein besseres Designmorgen.
Auch gut:
- TYPO Berlin vom 19. bis 21. Mai 2011
- Typo 2011: Petr van Blokland
- Typo 2011: Randa Abdel Baki & Pascal Glissmann
- Typo 2011: Oliver Linke
- Typo 2011: Christoph Keese




