Vertrag bleibt, Löschen gilt aber nicht.

gema-bezirksdirektionen

Ihr erinnert euch vielleicht, dass wir uns über die AGBs der GEMA-Verträge zu VR-Ö gewundert hatten, weil dort ein Passus stand, der einen verpflichtet hätte, nach Vertragsende die Musik, die man lizensiert hatte, zu löschen. Es hat etwas gedauert, bis wir auf unsere Rückfrage eine Antwort bekommen haben, aber sie ist da. Die gute Nachricht: Die AGBs stimmten so einfach nicht. Der Abschnitt D, in dem es um die Löschung geht, ist ungültig. Die Verträge als ganzes sind allerdings nicht ungültig, sondern sollen weiter bestehen. D.h. auch, dass ihr jetzt nicht eure frisch lizensierten Tracks löschen müsst.

Wer einen Vertrag abgeschlossen hat, sollte die Ungültigkeit des Abschnitt D in den AGBs auch noch mal schriftlich bestätigt bekommen.

Die schlechte Nachricht. Es scheint so, als wäre VR-Ö nicht gerade ein Erfolg, da es wohl nur Einzelfälle sind, in denen ein abgeschlossener Vertrag zu Stande gekommen ist. Warum wohl? Dafür wird es viele Gründe geben. Zum einen eben diese AGBs, zum anderen die Tatsache, dass man für die Lizenzierung eh noch bis Ende des Jahres Zeit hat. Es dürfte auch nicht helfen, dass es lange Zeit Verwirrung darüber gegeben hat, ob man nun Stück die man bis zum 1. April in Clubs mithatte, die selber eine Laptop-Abgabe gezahlt haben, nun überhaupt lizenzieren muss, weil sie ja dann doppelt lizenziert wären. Die offizielle Ansage diesbezüglich ist mittlerweile: Man muss nur die Stücke nicht lizenzieren, die man in diesen Clubs auch wirklich gespielt hat. Warum hier auf ein Mal andere Maßstäbe angelegt werden, ist aber auch keinem so wirklich klar, denn für “Altbestände” und alles andere gilt ja ansonsten nach wie vor, alles lizenzieren was man mitnimmt (oder so).

So langsam kommt also ein wenig Klarheit in die Sache, was es aber bezüglich des eigenwilligen Kopierzirkus und der sicherlich von der GEMA auch nicht gewollten Überregulierung bis hin zum Unverständnis überhaupt nicht besser macht. Die naive Hoffnung, dass die Clubs diesen Tarif wieder übernehmen, können alle vergessen. Die Hoffnung darauf, dass vielleicht eine Art Pauschaltarif am Ende von irgendwem verhandelt wird vermutlich ebenso wie die Hoffnung, dass man von dem Geld das man als DJ zahlt wirklich die Künstler bezahlt, die man mit dem Spielen ihrer Musik unterstützen möchte, versanden.

Vielleicht können neue DJ-Organisationen helfen, vielleicht eine neue Regierung, vielleicht (wir halten das nicht für wahrscheinlich) die Aufsichtsbehörde der GEMA. Vielleicht wird das Ganze aber eben einfach auch nur zu einem Papiertiger. Wie dem auch sei, VR-Ö bleibt eine Regelung, die eigentlich niemandem hilft. Für die GEMA ist sie großangelegte ungewollte Anti-Werbung und viel Aufwand, für die DJs entweder ungerecht oder eine Zumutung, weil es ihrer Praxis nicht entspricht und sie keinerlei Verteilungsgerechtigkeit für den Aufwand sehen, für die wenigen Urheber, die bei der Beliebtheit von VR-Ö davon am Ende etwas sehen werden, sind es vermutlich Peanuts, für die vielen Künstler denen die Peanuts helfen würden, weil sie eh strukturell benachteiligt sind in dem System kommen vermutlich nicht mal die an.

PS: Die richtig gute Nachricht ganz am Ende: Die GEMA investiert zur Zeit und auch in den laufenden Jahren wohl weitaus mehr in digitale Infrastruktur:

Für diese und weitere Vorhaben wird die GEMA ihre IT- und Datenbankarchitektur einem umfassenden Veränderungsprozess unterziehen. Umfangreiche Investitionen in diese Bereiche werden jetzt schon geplant und eingeleitet. Die erhöhten Investitionen im IT-Bereich werden sich auch auf der Kostenseite auswirken, so dass die GEMA für wichtige Zukunftsprojekte über einen längeren Zeitraum hohe Initialkosten tragen muss, die auch den Kostensatz vorübergehend erhöhen werden.
Geschäftsentwicklung 2012

Warum das gut ist? Schlucken die dann nicht einfach mehr Geld selber und schütten weniger aus? Da wir, die Clubs, und viele andere ja kein Problem damit haben, dass Künstler Geld von der GEMA bekommen, sondern eher, dass die von uns geschätzten Künstler benachteiligt werden, weil sie ständig in diese Lücke fallen, in der nur Pauschalbeträge irgendwohin fliessen, ist jede Investition in digitale Infrastruktur der GEMA mehr als willkommen, denn nur damit hätten sie die Chance eine Verteilungsgerechtigkeit auch für den Longtail irgendwie mal hinzubekommen.

PS2: Das Bild oben aus der Geschäftsberichtspräsentation der GEMA für 2012 zeigt, dass die Zukunftsfähigkeit der GEMA (genau wie die der Artists) mittlerweile immer mehr vom Veranstaltungsbereich abhängt, genau dort also auch in Zukunft der Fokus liegen wird. Die krampfigen Kämpfe werden uns also wohl auch in der Zukunft nicht erspart bleiben.

PS3: Zur wirklich dringenden Frage, wie soll VR-Ö überhaupt überprüft werden? Da weiss keiner nix und wir vermuten überhaupt nicht.

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Editor, Reviewweltmeister, Hobby-SysAd, Druckerflüsterer und Ähnliches.

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