Modestrecke #168
Dong Xuan

Hemd: Raphael Hauber
Hose: Henrik Vibskov
Jacke: Cleptomanicx
Fotos: Christian Werner
Styling: Timo Feldhaus
Model: Oscar Kahn
Set: Dong Xuan


Hemd: Raphael Hauber
Hose: Henrik Vibskov
Jacke: Cleptomanicx
Fotos: Christian Werner
Styling: Timo Feldhaus
Model: Oscar Kahn
Set: Dong Xuan

T-Shirt: Wemoto
Foto: Adrian Crispin mit Leica S2 und M6
Model: Elisabeth Wood
Styling: Ann-Kathrin Obermeyer

Hemd: Cleptomanicx;
Jacke: Carhatt;
Weste: Levi’s Made & Crafted
Fotos: Jonas Lindstroem
Model: Anabelle @Izaio Models, Christian Fritzenwanker @Perfectprops
Styling: Timo Feldhaus

Ich hatte zuvor weder eine Modenschau, eine Modemesse, noch eine Modeparty besucht. Aber einmal ist immer das erste Mal. Es war halb 12. Viel zu früh für eine ordentliche Party, viel zu spät für diese Party, denn ich stand bereits eine volle Stunde im Gedränge vor dem Squathouse in der Friedrichstraße. Die Männermodeblogger von Dandy Diary richteten die inoffizielle Opening Party der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin aus. Vorletzte Saison hatten sie einen Porno produziert, letzte Saison hatten sie einen Elefanten, dieses Jahr um mich herum: unzählige, verwechselbare, junge Modemädchen. Ich hatte das Gefühl es würden immer mehr und das Gedränge immer stärker. Seit ein paar Minuten kroch mir Angst den Rücken hinauf, dass auch alle anderen Anstehenden sich plötzlich in kleine, verwechselbare Modemädchen verwandeln könnten, mich eingeschlossen. Würde ich mich direkt vollständig transformieren oder erst eine Zwischenstufe einlegen, wie der Typ links neben mir mit seiner hohen Stimme und dem Make-Up im Gesicht?
Endlich dem Trubel am Eingang entkommen, erkundete ich die Party. Dresscode: Punk. Ich konnte allerdings keine Punks entdecken, nur die Dixiklos im Innenhof als einzige Möglichkeit sich der alkoholhaltigen Flüssigkeiten wieder zu entledigen, die waren schon ziemlich Punk. Eine Spanierin quatschte mich voll, ich verstand allerdings kein Wort, außer dass sie Spanierin war. Eine Stunde später stand wieder eine Spanierin neben mir und redete auf mich ein. Ich lächelte freundlich und nickte nur. Dann der zerstörerische Auftritt von Petra Flurr, der die gesamte “Wir-sind-so-fashion”-Attitüde, die bis dahin schwer auf der Partystimmung lastete, zum Einsturz brachte. Ab diesem Zeitpunkt ging es beeindruckend drunter und drüber, ich verlor mich im Feiertaumel und fuhr in den Morgenstunden gen Wohnung.

Runway Show: Perret Schaad
Into the Fashion
Mein Bewusstsein erlangte ich am Dienstag zurück als ich in der Show von Perret Schaad saß. Zuvor hatte ich bereits die Studio Shows von Sissi Goetze und SOPOULAR besucht und war im schlaftrunkenen Zustand fast Franziska Kuppe auf die Füße getreten. In meiner ersten Runway Show war ich jedenfalls wieder voll da. Das Licht wurde gedimmt und nur noch der weiße Laufsteg stand im Zentrum des Geschehens. Mit dem Einsetzen der lauten, beatorientierten Musik und dem Auftreten der ersten Models mit Outfits in schlichtem Grau, Schwarz, Beige und Altrosa überkam mich ein zutiefst angenehmes Kribbeln mit Gänsehautbegleitung. Das war es also, dieses ganz besondere Gefühl: Nur zuschauend, doch trotzdem mittendrin, eingetaucht im Fashion-Film. Ich habe mehrfach Diskussionen führen müssen: Wie man sich bei all dem Elend auf der Welt, zu dem Zeitpunkt sprach man vor allem über den Einzug der Franzosen in den Malikonflikt, ernsthaft mit Mode beschäftigen könne. Ich habe keine adäquate Antwort darauf, aber die Atmosphäre jedenfalls ist irre, die sich um einen herum einstellt, wenn der Laufsteg mit Showbeginn für eine halbe Stunde zum Mittelpunkt der Welt wird. Nach der Show hörte ich eine mollige Frau neben mir mit einem treffenden Satz zur Mode der Show: “Zwar gefallen mir die Farben nicht, aber immerhin sind das alles so Säcke, die ich auch mal anziehen kann.” Als ich wieder draußen vor dem Zelt stand, packte ich das Giveaway der Sissi Goetze Show aus. In dem kleinen Täschchen befand sich ein Taeshy-Handtaschenhalter, Kostenpunkt im Internet: 49 Euro. Willkommen in der Überflussgesellschaft! Und mit diesem kleinen Beweisstück drangen auch die Fragen nach Sinn, Unsinn und Ernsthaftigkeit dieser Veranstaltung zurück in meinen modeberauschten Kopf.

Der taeshy-Handtaschenhalter. Die Edition zur Fashionweek ist auf 250 limitiert. Beim abgebildeten Stück handelt es sich um Nummer 244. Preis laut taeshy.de: 49 Euro.
Koks im Cookies
Zwar hatte ich nur drei Stunden geschlafen, das hielt mich aber nicht davon ab, in der nächsten Nacht wieder loszugehen. David Keno legte im Cookies auf, die Party war eine völlig andere als noch einen Tag zuvor. Während sich das DandyDiary-Publikum im MDMA-Rausch der Musik hingegeben hatte, blickte ich im Cookies von einem Mittdreißiger-Koksgesicht ins nächste. So ließ ich mich im Minikino, in dem Showvideos liefen, von einem Neu-Münchener unterhalten, denn Kokain macht sehr sehr redselig: “Also ich liebe Berlin, ich komme aus München, habe beruflich hier zu tun. Da geh ich auch gern mal feiern. Ich mein, wenn nicht hier, wo sonst? Was machst du?” Ich konnte kaum “Ich bin Journalist” aussprechen, bevor er mir wieder ins Wort fiel. “Ah, cool. Ist auch hart, ne? Also ich sag ja immer: Der Job geht vor, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ist anstrengend, habe seit vorgestern nicht geschlafen. Willste ne Nase?”

Schwarz und elegant: Die Mode von Augustin Teboul.
Augustin Teboul – Modisches Highlight
Am frühen Mittwochabend stand die Show des deutsch-französischen Designer-Duos Augustin Teboul auf dem Plan. In der Galerie Thomas Schulte war kein Zentimeter Platz mehr. Die Besucher hatten hier die Möglichkeit sich die Mode über einen Zeitraum von vier Stunden in Form einer Installation anzusehen. Mode im Spagat aus Haute Couture und Ready-to-wear wurde in düsterster, fast beklemmender Filmlicht-Atmosphäre bei live gespielter Cello-Musik präsentiert. Es war die perfekte Inszenierung schwarzer Spitzenmode mit aufwendigen Kopfbedeckungen, die perfekte Paarung aus Eleganz und Melancholie. Für mich war diese Show das absolute Highlight der Modewoche.

Die lieben Bloggerkollegen von JaneWayneNews.
Fuck your Streetstyle
Tag und Uhrzeit bildeten den Anker, der mich in der Realität abseits der Mode halten sollte. Im Rausch aus Partys und Mode hatte ich diesen Anker längst gelichtet. Vorn im Zelt gönnte ich mir einen Sekt und nahm mitten im Trubel Platz. Direkt vor mir saßen die Streetstyle-Blogger-Kollegen von ThisIsJaneWayne und plauderten. Ich dachte darüber nach, welchen Einfluss die neue Modeberichterstattung von der Straße auf die Modewelt hat: Die Bewegungen in der Streetwear, wie sie häufig durch wechselnde Popikonen verursacht wurden, gibt es nicht mehr. Die Beatles sind tot, Pop ist tot, es gibt nur große und kleine Nischen. Selbsternannte Streetstyle-Päpste, allen voran Sartorialist und Facehunter, geben jetzt vor, was tragbar ist und was nicht. Yvan Rodic und Scott Schuman haben es innerhalb der Modewelt aus der Nische herausgeschafft und proklamieren nun was ihnen gefällt, abseits von Trends. Was dabei rauskommt, ist zeitlos schön, eckt nicht an, gefällt vielen Menschen und bedeutet Stillstand! Ich kotze, wenn ich noch mehr schnieke Herren in blauen Anzügen mit Herrenrad und dunkler Aktentasche über den Bildschirm flimmern sehe und hoffe, dass gewisse Streetstyle-Blogs in jetziger Form sich in ihrer Belanglosigkeit verlieren. Denn es soll mal wieder voran gehen!
Eine Woche Fashionweek = Normalgewicht-2
Den Abschluss meiner Modewoche bildeten die Runway Shows von Vladimir Karaleev und Dawid Tomascewski. Am Einlass zu Tomascewski scherzte ich mit den Jungs, die für den Kartenabriss zuständig waren und fragte ob sie ihre “Fashion-Week-Arbeitsklamotten” behalten dürften? “Ja, dürfen wir, T-Shirt ist zwar Mist, steht ja groß Fashion-Week drauf, Hose kann man vom Schnitt her auch vergessen, aber die Schuhe sind top.” Tatsächlich, über Schuhe in Clarksoptik, von innen gefüttert, konnte man sich bei den Außentemperaturen kaum beschweren. Tomascewski war noch einmal ein Highlight, es ging wieder elegant in größtenteils schwarzer Mode zu.
Am Freitagabend fühlte ich mich wie gestorben. Kaum geschlafen, zwei Kilo weniger auf der Waage, am Ende meiner Kräfte. So muss eine Fashion Week wohl verlaufen. Und doch war ich glücklich und zufrieden, konnte mich kaum des Gefühls erwehren vom Modezirkus angefixt worden zu sein: Diese Oberflächlichkeit der Modewelt wird von einem Charme der Anonymität umgeben, in die man sich als Außenseiter schnell einfindet, ohne auch nur ein bisschen von sich preisgeben zu müssen. Im Sommer werde ich wieder dabei sein, dachte ich. Dann fiel mein Blick auf den taeshy-50-Euro-Handtaschenhalter. Vielleicht auch nicht.
Kurz vor der Modewoche telefoniere ich mit dem italienischen Diesel-Erfinder und Jeans-Milliardär Renzo Rosso. Er hat nicht so viel Zeit, Kanye West ist zu Besuch. Berlin, sagt er am Ende des Interviews, ist eine tolle Stadt. Das finden ja aktuell viele seiner Landsleute, meine ich, sie kaufen hier Wohnungen, weil sie ihr Geld sicher anlegen wollen. Oh ja, seine Kinder würden auch gerade suchen, sie lieben Berlin. Einen Tag zuvor wurde direkt bei mir gegenüber Käthe Kollwitz mit Spätzle geschändet. Free Schwabylon, die Gentrifizierung schlägt zurück, das sieht nicht hübsch aus. Wie Fieber überkommt eine Debatte das Treiben der Berliner Fashion Week.
Auf der Bread and Butter läuft im Grunde nur ein einziger Typ umher. Eigentlich ist es ja eine Streetwear-Messe, doch hier trägt niemand mehr bunte Sneaker und Kaputzenpullover. Heute sehen alle Männer genauso aus wie Joko und Klaas, die versuchen amerikanisches Elitecollage mit britischem Reitstall zu verbinden. Oben rum mini-kleine taillierte Jäckchen, die Hose bollert in RAW-Denim, gerne trägt man schweres Horn auf der Nase und wer ein richtig heißer Feger ist, zum groben Hemd noch eine lustige Fliege. Auch auf der Bright, die noch jüngere Messe, finden sich graue Haare im Bart der Streetwear. Hier, wo Händler und Zielgruppe das Gespräch gemeinsam Skateboards gucken, erklärt man plötzlich: Die Designer sind mit ihren Kunden gealtert, bunte Drucke und juvenile Exzentrik gefallen nicht mehr so. Auf dem Weg zur Modenschau von G-Star, die in der Kirche des Galeristen Johann König statt findet, wendet sich ein kleiner Kreuzberger verwundert an seine Mutter: Was tun hier all diese schwarzen Autos mit den großen schwarzen Männern davor? Doch auch für sie scheint das ein ungewöhnlicher Anblick, die Mutter hält die VIP-Shuttles, die die traurigen Straßenseiten der Alexandrinenstraße flankieren wie damals der bürgerliche Herrenanzug die französische Revolution, für die Fahrzeuge von Politikern. Sie schnippt ihre Zigarette zu Boden und schnauzt in Richtung Sohn: “Wenn die nicht so eine Scheiße bauen würden, dann bräuchten die auch keine Bodyguards.” Wir steigen in eine der Luxuslimousinen und fahren zur After Party. Auf der Tanzfläche gibt mir ein Claudio seine Karte, es steht “Verantwortlicher” drauf. Er kommt aus Düsseldorf und sucht langfristig ein Zimmer in Berlin, irgendein Zimmer, ein Kleiderschrank, sagt er. Am nächsten Tag mit zwei richtig tollen Hippies im Galeries Lafayette, wo ein Bildband der glorreichen Moderedakteurin Diane Vreeland präsentiert wird, trinken Schaumwein und essen bunte Macaroons. Die mit dem Hut fragt sich: “Warum dürfen nicht alle Menschen dieses schöne Leben probieren? Man muss Moët & Chandon ausschenken in den Armenvierteln dieser Stadt, dann wird es auch schon bald etwas werden mit der Berliner Mode.” Sie sinnieren weiter, es ist schon lange dunkel. Die zeitgenössischsten Momente der Woche: Die zartebittere Inszenierung von flüchtigen Spitzenkleidern mit viel Schatten bei Augustin Teboul und die knuddelweiche Rave-Mode des jungen Eidgenossen Julian Zigerli. Die größte Modenschau bot allerdings das schwäbische Unternehmen Hugo Boss.
Am Freitagmorgen klingelt es an der Wohnungstür, ein Fotograf von der Morgenpost möchte aus meinem Fenster ein Foto machen von dem letzten unsanierten Haus gegenüber. Die Stoßrichtung des geplanten Features wisse er nicht, aber: “Wir sind alle Teil der Gentrifizierung” und dass er schon ewig um die Ecke lebe und persönlich keinen einzigen Schwaben kenne. Wir verabschieden uns mit einem melancholischen Lächeln. Ich wähle noch einmal das neue Berlin-Lied vom alten David Bowie und singe leise mit: “Where are we now you know you know.”
Vor 30 Jahren hatte Kikuo Ibe die Vision der unzerstörbaren Armbanduhr. Der Legende nach beobachtete der grübelnde Designer auf seinem Arbeitsweg ein paar Kinder, die mit einem Flummiball spielten. Da kam ihm die Idee: Im Inneren eines solchen Balls wäre sein digitales Uhrwerk ausreichend geschützt. Seine erste G-Shock erblickte 1983 das Licht der Welt und hängt seitdem in allen Farben des Regenbogens um die Handgelenke so mancher Stylesuchender dieser Welt. G-Shock, das schönste Pferd im japanischen Stall Casio digitalt bis heute mit “Triple-10 Konzept”: Jede Uhr muss 10 Bar Wasserdruck überstehen, mit nur einer Batterie 10 Jahre laufen, sowie einen Fall aus 10 Meter Höhe ohne Gedöns wegstecken. Endlich musste die Armbanduhr beim Skateboardfahren oder auf dem BMX nicht mehr abgenommen werden. Aktuell wurde das erste Modell mit Bluetooth-Funktion vorgestellt. Zum Jubiläum eröffnet G-Shock vom 15. Januar bis 09. Februar in Berlin einen Pop-Up Store, wo auch dieses bunte Modell aus der G-SESSIONS Reihe mit dem passenden @-Logo zu finden sein wird. Von hier aus ein lautes Happy Birthday!
G-SHOCK Pop-Up Store
15.1. bis 09.02.2013
Torstrasse 66
10119 Berlin