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timo
 
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19.03.2010 | 13:33
 
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Soul-Performance in Berliner Buchladen

Dan Bodan im Kaschmirpullover

Der in Kanada geborene Soulboy und angehende Super-Superstar Dan Bodan wird morgen im Berliner Buchladen Pro Qm seine neue Platte mit dem großartigen Namen Cashmere Sweater vorstellen. Sein musikalisches Projekt Noot, gut gelagert zwischen LoFi, Noise und Soul, schließt optimal an Jamie Lidell an und empfiehlt sich ohne wenn und aber.

Vorhören und runterladen kann man hier

20. März 2010
20:30
Pro Qm

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timo
 
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18.03.2010 | 15:05
 
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Obdachloser wird Stilfürst

Streetfashion-Fotografen am Ausrasten

Gestern präsentierte der renommierte Streetstyle-Fotograf Yvan Rodic aka Facehunter in Berlin seinen gleichnamigen Fotobildband erstmals in Deutschland. Viele junge Leute hatten die Möglichkeit den Starblogger live kennenzulernen und das im Prestel Verlag erschienene Bildband mit über 300 Fotos signieren zu lassen. Online goes Print. Das finden wir nicht schlimm.

Während die Seiten des Buches gedruckt wurden, hat sich von China aus ein anderer Trend festgesetzt und den Rahmen von Streetstylebloggen logisch erweitert. Ein unbekannter, schöner Obdachloser wurde von Bloggern zur Figur BrotherSharp gemacht und zur Stilikone geadelt. Nun ist der ausgerufene “Homeless-Chic”-Style wahrlich nichts neues, man denke nur an Rei Kawakubo, aber der Rück-Rücktransport aus der Welt des Schönen auf die harte Straße, die macht nun naturgemäß Probleme. Denn BrotherSharp ist nicht nur eine Figur, sondern, wenngleich topggestylt, auch ein Mensch. Dass wir es hierbei also nicht mit einem Aschenputtelhaften Aufstieg in den fürstlichen Hof zu tun haben, glaubt Sven Barthel vom Magazinblog Hype. Er findet das Phänomen des Street-Celebrity besorgnisserregend:

“Denn der bekannte Unbekannte ist geistig krank, er stammelt mehr als das er spricht und scheint den Rummel um seinen Look keineswegs zu realisieren. Das chinesische Paparazzi und Reporter dennoch ungefragt ihrer Kameras auf ihn richten, wirkt angesichts der Hilflosigkeit des Mannes ein wenig befremdlich. Im Gegensatz zum wirklichen Celebritiy verfügt der Vagabund über keine Rückzugsmöglichkeit. Die auf YouTube und chinasmack.com veröffentlichten Videos wirken verstörend.”

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timo
 
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30.01.2010 | 14:51
 
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Berlin Fashion Week Nachberichterstattung Teil 3

.hbc designer scouts -> fresh & trash

.hbc couture: designerscouts from Mary Scherpe on Vimeo.

Als die Modelle des Männermodelabel A.D.DEERTZ durch die dicht gedrängten improvisierten Gänge im Undergroundclub HBC laufen, ist die Welt in Ordnung. Wibke Deertz weiß, was den Boys auf der Straße gefällt, ihre gradlinige, tragbare Kollektion spielt zwischen der Grundsolidität von APC und der Ausgefeiltheit skandinavischer Brands wie WoodWood. Sie wählt immer die richtigen Farben und die besten Hosenschnitte aus, zeigt neben ihren stadtbekannten College-Jacken u.a. genähte Baumwoll-Cardigans und Hemdjacken in einem kräftigen Khakiton und Wendewesten aus einer Wolle-Jeans-Kombination.

Die .HBC Couture: Designer Scouts präsentierten am 21. Januar 2010 im Rahmen der Fashion Week Berlin erstmalig eine neue Runway Show für neun Berliner Designer, von denen neben A.D.Deertz besonders Starstyling, JULIAANDBEN und Von Bardonitz überzeugten.

In unserem Video versuchen wir den Eindruck zu vermitteln, dass es immer noch (k)eine fließende Grenze gibt zwischen Mode, Präsentation und Party. Und dass es sich manchmal vielleicht sogar lohnen würde, diese Membran auch wieder zu schließen. Aber wer am lautesten nach Professionalität ruft, blamiert sich nicht selten auch am dollsten. Das Event war jedenfalls ein vollkommenes Beispiel dafür, dass es nicht der Berliner Szene, sondern nur der Berliner Modeszene an Internationalität fehlt. Party!

Vor zwei Jahren tickte der modische Underground Berlin noch etwas anders. Die, aus dem mittlerweile zu einer tollen Essgelegenheit gewordenen Best Shop organisierte Ideal beanspruchte mit einer Fashionshow und einem groß angelegten Showroom qualitativ hochwertige, internationale Designer, die gerne von Diane Pernet moderiert wurden. Die Idee, da anzuschließen, soll hier nochmal gebührend begrüßt werden. Man muss aber auch sagen, dass noch einiges an Qualität aufzuholen ist. Aber Vergleiche sind natürlich widerlich. Das steht ja bereits in Jack Kerouacs “On the Road”, Hermann Hesse “Siddharta” und auch Heiner Müller sagt sowas in dem großartigen Interview mit Sylvère Lotringer in der neu aufgelegten “The German Issue” bei semiotext(e).
Auch unvergleichlich, weil völlig in ihrem eigenen Referenzrahmen, spielt das Label Starstyling. Zusammen mit lustigen Hauspantoffeln, teerartigen Shirts, Atari-Anleihen und Kettchen aus Stroh präsentierten sie ihre Kollektion “Jessica Nussbaum”, die von einem Hörspiel begleitet, von der deutschen Autobahn über Landleben a la Lagerfeld, digitale Dystopien und gruselige Heimeligkeit assoziationsreiche Wendungen parat hat:

Und manchmal hasst man Mode auch einfach nur.

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timo
 
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26.01.2010 | 12:36
 
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Berlin Fashion Week Nachberichterstattung Teil 2

Sam Frenzel neu dabei, C.Neeon wieder da. Und Veruschka. Alle im Video!

Sam Frenzel A/W 2010 from Mary Scherpe on Vimeo.

Ein zartes Pflänzchen wie die Berlin Fashion Week (mit Satellitenveranstaltungen wie dem .HBC Couture: Designer Scout, der MichalskyStyleNite und vielen anderen Präsentationen in Off-Locations) muss man vorsichtig gießen. Eigentlich dürfte sie im Winter gar nicht stattfinden. Denn sie macht dann nicht nur weniger Spaß, man schwänzt faktisch auch einfach mehr. Wo im letzten Halbjahr noch eine ziemlich breite Euphorie um den Bebelplatz herum herrschte, sich mit der Bread&Butter die größten Modemesse der Welt wieder fest am Berliner Tempelhof Flughafen installierte und es auch überraschende Shows zu sehen gab, wurde es dieses Jahr wieder etwas lichter und auch etwas langweiliger. Man muss eben aus dem modischen Ausland immer noch lange nicht Berlin auf dem Schirm haben.

So kam außer Christiane Arp von der deutschen Vogue kaum eine Suzy Menkes vorbei, und das nahm natürlich, den messerscharfen Eiswind dazuaddiert, ein bisschen von der gesamtpaketmäßigen Aufgeregtheit. Aber das kann ja zum Sommer wieder anders werden. Und es war jetzt auch nicht total blöd oder so. Neben Hausach Couture, Patrick Mohr und Starstyling (Video kommt morgen) war die konzeptuell-exaltierteste, most crazyeste, aber auch qualitativ hochwertigste Kollektion von Sam Frenzel. Der 29jährige Halb-Türke und Halb-Ossi war der Basso&Brooke und Bernhard Wilhelms der Vorjahre. Aufgewachsen in Kreuzberg zeichnet ihn seine modische Anti-Berlinerhaftigkeit aus.

Denn seine skulpturalen, femininen Kollektionen sind zu schick, konzeptuell durchdacht und luxuriös. Statt 3 Tage wach in der Bar 25 und später Second-Hand-Lumpen asymetrisch zusammenzuschneidern, achtet Frenzel darauf, seinen eleganten Kreationen theorieschwere Modesoziologie einzunähen und sinniert bereits souverän-sympathisch mit einer beachtlichen Lagerfeld-haftigkeit. Frenzel war vor ein paar Monaten noch Student an der FHTW Berlin, er gewann im letzten Winter den Nachwuchsaward von Peek & Cloppenburg und debütierte dieses Mal im Zelt am Bebelplatz. Früher, so sagt er kurz vor der Fashion Week, ging er in Paris gerne mit Bernhard Wilhelm ins Fitnesscenter.

Von Frenzel wird man noch viel hören, weil er der gerne etwas behäbigen Berliner Mode ein wenig überhitzte Internationalität und Exzentrik beifügt. Er zeigte große Gaga-Schmuckteile, Egg-Shape-Kleider, megagrobmaschige Hosen aus Strick, nach allen Himmelsrichtungen fallende, durchsichtige, bodenlange Seidenkleider und eine mit Referenzen aus den 60ern gespickte retrofuturistische Utopia-Kollektion mit Ethno-Anleihen, die uns gut ins aktuelle Heft gepasst hätte.

Die Berliner DesignerInnen von C.Neeon zeigten frühmorgens im WMF Club eine Kollektion, die mit stark fransigen Mokassins Ambivalenzen erzeugte, aber in der Farbigkeit sowie den Schnitten ein das Label von jeher auszeichnende Zusammensspiel aus Street und Eleganz, nach Halbjahren eher flautenhaftigen Wiederholens, wieder einmal eindrücklich bespielte. Die Models waren auch ganz toll ausgewählt!

c.neeon featuring Mykita from Mary Scherpe on Vimeo.

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25.01.2010 | 13:01
 
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Berlin Fashion Week Nachberichterstattung Teil 1

Vladimir Karaleev und Joop im Video

Bei der Fashion Week twittert man aus der ersten Reihe und livebloggt von hinten. Vor allem aber das Format Video wird neuerdings gewinnbringend und umfassend eingesetzt, denn da muss man gar nicht mehr überlegen, nur noch draufhalten. Das gefällt uns natürlich supergut. de:bug.de und Stil in Berlin sind trendmäßig mitgelaufen und werden in den nächsten Tagen die Ergebnisse in genauen Videoanalysen der Fashion Week liefern. Der erste Teil handelt von der schüchternen Präsentation des genialen Vladimir Karaleev in einem Seitenflügel des Clubs WMF und der Joop-Show in der Neuen Nationalgalerie.

Karaleev Joop from Mary Scherpe on Vimeo.

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timo
 
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14.01.2010 | 12:45
 
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New York Times adelt Nerd zur Stilikone

Im Plattenladen wurde aktuelle Hipster-Männermode vorweggenommen

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Die Stilbibel T-Magazine der New York Times hat ein Ranking in der Kategorie “The Decade in Film Style” erstellt und die Liste wird angeführt vom Nerd.

Der Modejournalist Adam Kepler führt die Qualität männlichen, modischen Hipstertums in Stephen Frears “High Fidelity”, der Verfilmung des gleichnamigen Buches von Nick Hornby mit John Cusack in der Hauptrolle auf die, für die 2000er wegweisende Vorliebe für enge Jeans, Hoodies, “oh-so-clever T-Shirts” und Vintage zurück, welche die Jungs im Plattenladen fröhnen.

Der dort vorgeschlagene Nerd-Look wird auch hier im Büro gerne getragen. Er vertraut dabei traditionell auf den eigenen, gerne bereits in der Jugend angelegten Stil, als das er stets sich ändernden Moden Folge leistet. Statt verbissen immer neuen Stilwillen zu behaupten, ist laissez-faire angesagt, im besten Wissen, dass die Trendforscher und Stilexperten schon nachziehen werden.
Wenn das erst Frank Schirrmacher mitbekommt, dann haben wir unseren nächsten Hype am dampfen. Der hatte ja gleich auf der ersten Seite seines aktuellen Buches über das Internet (siehe Interview in der aktuellen Ausgabe mit Bleed, Mercedes Bunz und Schirrmacher) Tweets mit Tweed verwechselt.

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timo
 
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12.01.2010 | 16:47
 
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“Pissing everywhere is not very Chanel”

Ein Abend in der Fashion-Kneipe Zyankali mit Mumien und Chanel-Filmen

Nachdem der Kunstkritiker und Kulturtheoretiker Kito Nedo in der großartigen Taz eine Ankündigung für einen Chanel/Lagerfeld-Filmabend gelesen hatte, machen wir uns kurzerhand auf den langen Weg nach Kreuzberg 61. Von der Zyankali-Bar, dem Institut für Unterhaltungschemie hatten wir nie zuvor gehört. Um in den Ort des Geschehens hineinzugelangen, muss man an einer phantasievoll bemalten Außenfassade einige Stufen hinabsteigen. In der Bar selbst herrscht ein Ambiente kultig-abgerockten Heroinchics, wie er vor etwa 20 Jahren en vogue war. Wie eingefroren sitzen hier Bikertypen, die dieselbe Frisur wie Karl Lagerfeld tragen und lassen einen Joint um den Tresen kreisen. Im loungigen Nebenraum steht ein Tisch, der einem Sarg nachempfunden ist. Man stellt sein Getränk auf eine Glasplatte unter der eine braune Mumie liegt. An der Wand ist eine Ahnengalerie aus schwarzweiß-Bildern in goldenen Rahmen zu bewundern. Neben William Burroughs, Klaus Kinski und Albert Hofmann hängt ein gewisser Blaschke. Es blubbern Reagenzgläser und an der Bar ist per steriler Atemmaske 95%iges, medizinisch reines O2 einzunehmen. In der Ecke schaut einen ein Microsoft-Computer an, es ist die Wikipedia-Seite zu den 10 Geboten aufgerufen. Die grundsätzliche Anwesenheit von Karl Lagerfeld ist unbestreitbar.

Karl-Lagerfeld

Kito Nedo mit Lamy Originals, vor unserem Ausflug:

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Für die stets gratis angelegte, sonntägliche Filmvorführreihe im Zyankino hatte der zwirbelbarttragende Chef des Hauses, der ebenfalls eine Lagerfeld-Frisur trägt, für diesen Abend die Reihe “Fashion-Victims” vorgeschlagen. Thematisch gut gelagert zwischen den Rubriken „Ghettoleben“ und „Blutiger Spaß“. Gezeigt werden die Filme „Chanel Chanel“, eine amerikanische Produktion aus den 80ern und Rodolphe Marconis Dokumentarfilm „Lagerfeld Confidential“ von 2007. Sieben Menschen zog das Programm so magisch an wie uns. Doch waren sie offensichtlich schon öfter mal hier gewesen. Wir nehmen in einem leicht moosigen Raum auf drehbaren Schreibtischstühlen und Resten aus alten Kinosesseln Platz, der Film beginnt.

Über den letztjährigen Coco Chanel-Spielfilm mit Amélie Poulain hinaus gewinnt der dokumentarische Image-Film „Chanel Chanel“ seine Sprengkraft durch die nochmalige Herausstellung des Facts, dass die größte Modeschöpferin aller Zeiten ihre größten Coups immer in der Bezugnahme bzw. Neuschöpfung von Freizeitkleidung, schlichter, eleganter, bequemer Sport- und Urlaubskleidung machte. Im Sommer 1914 im Seebad Deauville genau wie 1921, als sie Anzüge aus Baumwolljersey machen ließ, ein Stoff, der sonst für Männerunterhosen bestimmt war. „Das ist ja wie in den 80ern mit den Bundeswehr-T-Shirts“, bemerkt ein Rocker aus dem Publikum. Durch den Film führt Lagerfeld mit seinem eigenen, selbst collagierten „Konzept-Buch“, das er nach eigener Aussage schon vor seiner Zeit bei Chanel gebastelt hatte. Chanel habe man am Saum zu erkennen, sagt er, sonst wird das eh nichts. So schleudern sich er und die, in Interviewsequenzen aufblitzende Chanel stetig amüsante Bonmots entgegen. Das letzte bleibt hier Coco Chanel vorbehalten: „Ich bewege mich nicht in der Gesellschaft, weil ich Kleidung entwerfe. Ich entwerfe Kleidung weil ich mich in der Gesellschaft bewege.“

Gabrielle Coco Chanel

In der Filmpause hat man die Möglichkeit einige der Stammgäste besser kennenzulernen. „Zum Rauchen (alles außer Dope) geht man nach draußen oder aufs Klo“ erklärt ein netter Nerd und bietet mir eine „polnische Zigarette“ an. Er passt genauso wenig hierher wie seine asiatische Begleiterin, die uns durch einen Strobo-beleuchteten Gang aufs Herrenklo folgt und ihre Louis Vuitton-Bag auf den dortigen Tresen knallt. Das kleine Herrenklo, das auch über eine Dusche verfügt, funktioniert gleichzeitig als Raucherraum, wo sich auf Barhockern neben den Pissoirs nett plauschen lässt. Aber nur kurz, denn der Wirt hat den zweiten Film bereits eingelegt:

Lagerfeld Confidential lief vor drei Jahren als Serie im Programm bei Arte. Der Film ist doch überraschend nah an der Person gefilmt, in der Lagerfeld natürlich immer King Karl bleibt und somit die Gangart eines Celebrity-Features eher erfüllt als modische Finessen zu klären. Die beiden Filme zusammengelegt machen den Dreischritt Chanels allerdings gut klar:
1916 debütierte sie als Wegbereiterin einer funktionellen Damenmode mit wadenlangem Rock, lose gegürtetem Oberteil und Kurzhaarschnitt. In den 1920er-Jahren kreierte sie das „Kleine Schwarze“ und brachte das Parfum „Chanel Nº 5“ auf den Markt. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde ihr Chanelkostüm mit losem, meist bordiertem Jäckchen und ausgestelltem Rock weltbekannt. Dazwischen revolutionierte sie den Modeschmuck, indem sie billigen Fake-Schmuck als dessen Blaupause einführte. Lagerfeld macht dabei nochmals deutlich, dass gerade letzteres Kostüm, neben der Blue Jeans, wie er sagt, überhaupt das berühmteste Kleidungsstück der Welt, erst in ihre Spätphase gehört.

Coco Chanel, Lagerfeld nennt sie „die zeitloseste Person der Welt“, verbringt die Zeit des 2. Weltkrieges mit einem Nazi-Offizier im Hotel Ritz. In dem Film kommt allerdings nicht vor, dass sie gemeinsam mit ihrem Lover Hans Günther von Dincklage, dem Sonderbeauftragter des Reichspropagandaministeriums in Frankreich, die Operation Modellhut einfädelte, bei der sie Churchill zu Gesprächen mit den Deutschen über ein Kriegsende überreden sollte.
Auch nur am Rande wird angedeutet, dass Chanel nach ihrem Comeback 1954 bereits genau das machte, was Karl Lagerfeld dann in ihrem Namen weiterführte: Sie arbeitete mit Chanel, indem sie auf ihr bereits vorhandenes Werk Bezug nahm und bereits zu Klassikern Gewordenes umarbeitete, neu zusammensetzte und rekombinierte. Was außerdem hängenblieb: Über der Toilette im Chanel Headquarter ist der Spruch angebracht: „Pissing everywhere is not very Chanel“.

Auf Nachfrage meint der Wirt, er hätte das wunderbare Filmprogramm zur bald stattfindenden Fashion Week konzipiert. Dabei fällt das Wort Fashion Week wie ein Stein in diesen Ort, die Luft verschluckt ihn, nur noch ein fahles Echo hallt ihm nach, dass sich mit dem nasalen Schnöselton Lagerfelds zu einem ziselierten Flimmern staut und ein einzelnes graues langes Haar aus dem Zopf des Kuttenträgers neben mir spaltet. Er schaut durch mich durch und dann wieder auf ein blubberndes Reagenzglas. Wir verabschieden uns.

Und für die Game-Freaks: Immer Donnerstags gibt es in der Zyankali-Bar die Playstation -Eye-Toy Party – Jetzt auch mit Guitar Hero 3 – Ganzkörper Gaming. Man kann es sich wirklich nicht vorstellen, man muss es erleben.

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timo
 
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8.01.2010 | 16:27
 
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Machtstrukturen in Mode

Römische Redakteurinnen: Kunstkritikerin schreibt fulminante Kolumne zu Mode und Celebrity-Kultur.

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Die Kunstkritikerin und Chefredakteurin von Texte zur Kunst Isabelle Graw hat in ihrem Blog Reiche Römer einen groß angelegten Beitrag zum Dokumentarfilm “The September Issue” über die Vogue-Chefin Anna Wintour geschrieben. Von einer reinen Filmbesprechung ausgehend, spannt sie den Bogen zu einem bestimmenden Teil gegenwärtiger Modefotografie und kritisiert die Arbeit hochkarätiger Stylisten, indem sie dem Modesystem das Kunstsystem anbei stellt. Besonderes Augenmerk legt sie auf die Figur des Celebrity als Nachfahre des Filmstars und derzeitiger Stellvertreter des Models. Von dort aus legt sie eine grundsätzliche Macht-Strukturverschiebung vom Designer zum Redakteur offen, von der Produktion zur Reproduktion.

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3 Zitate aus dem Text:

“Der Fokus von “The September Issue“ auf Wintour als Hof haltender Modefürstin erinnert aber auch daran, dass sich in Mode- und Kunstwelt eine Form der Adelsverrücktheit konserviert, deren Struktur die Celebrity Kultur aufgegriffen und verallgemeinert hat. Der Adlige hat seinen Platz so wenig verdient, wie die Celebrity.”

“Die Figur Anna Wintour ist aber auch der lebende Beweis dafür, dass sich die Freiheiten, die sich der bildende Künstler traditionell nehmen durfte, mittlerweile auf den Redakteur oder den Kritiker übertragen haben, die diese Freiheiten nun für sich in Anspruch nehmen. Während der Künstler – im Modebereich durch den Typus des Designers vertreten – längst seine Unschuld verloren hat und von kommerziellen Zwängen in Schach gehalten wird, wird Vermittlern wie Wintour noch eine Art Restautonomie zugesprochen, was in ihrem Fall bedeutet, dass sie im Grunde schalten und walten kann, wie sie will.”

“Wenn die Herausgeberin der größten Modezeitschrift vom verloren gegangenen Freiraum des Künstlers profitiert, dann deutet sich darin aber noch eine weitere gesellschaftliche Verschiebung an – die Verschiebung von der Produktion hin zur Reproduktion. Die Macht hat heute auch im Modebereich diejenige, die für reproduktive Bereiche wie Vermittlung oder Kommunikation verantwortlich ist.”

Am Ende ihres Artikels kommt sie zu der grandiosen Konklusion, “…dass die Vogue im Grunde keinen Draht zur Mode besitzt.”, was auf der formidablen Plattform Modebeitrag verständlicherweise besonders groß gefeiert wird. Dieses Blog, dass von verschiedenen Modebloggerinnen geschrieben wird, lohnt aufgrund seines reflexiven und auch wegen seines streng kulturwissenschaftlichen Ansatzes überhaupt eines Blickes.

Zum Celebrity-Topic gibt es auch bei Hype etwas zu lesen.

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timo
 
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13.12.2009 | 00:11
 
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Die 25 besten Sneaker 2009

Businessweek und Sneaker Freaker haben gelistet

via businessweek

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Bevor ihr in zwei Wochen die Ergebnisse eures eigenen Rankings in der # 139 sehen könnt, hier schon mal vorab:

“For more than a century, athletic shoes have been basically the same. Yet every year, such companies as Nike (NKE) and adidas produce thousands more designs. We teamed up with Sneaker Freaker, one of the world’s foremost shoe magazines, to bring you the top 25 sneakers of 2009. Here they are, ranked from last to first.”

Besonders geil dabei: die asymmetrischen Modelle von Gourmet. Kanye Wests Louis Vuitton Signatures (Kostenpunkt knappe $1,000) und die von House Of Pains Danny Boy O’Connor irisch aufgepimpten Campus 80 von Adidas.

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jenny
 
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9.12.2009 | 20:50
 
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Jenseits von schlechtem Geschmack

Die Schweizer Fashionbloggerin Playlust deckt Naziskandal in der Modebloggosphäre auf.

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Sie entdeckte auf dem österreichisch/schweizerischen “Online Magazin” The Blogettes Fotos, über die man vor der Veröffentlichung besser 2x nachgedacht hätte. Denn sieht man genau hin und an der prolligen Birkin mit dem überholten Totenkopftuch vorbei, erspäht man im Hintergrund doch tatsächlich liebevoll dekorierte Familienfotos des vermeintlichen Opis in SS-Montur. Upsi.

Via: Playlust

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