Meet & Greet im Skigebiet

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Bernhard Willhelm zeigt das erste Mal in Deutschland. Der Ulmer, der von Antwerpen aus die Modefestung Paris nahm, kehrt für sein erstes Gastspiel in sein Heimatland zurück. Das erinnert an den reichen Onkel aus Amerika, der als mittelloser Steppke auszog, um als gemachter Mann seiner Heimatstadt die erste McDonalds-Filiale zu schenken. Was waren wir froh damals. Der erste BigMac in der Hand kam für uns einer Green Card gleich. Genauso froh ist Berlin über die (temporäre) Rückkehr des verlorenen Sohnes. (Temporär ist sowieso alles in Berlin, sogar Kunsthallen.)

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(Der Künstler in seiner Kulisse, semi-inkognito mit Sonnenbrille und Blondhaar)

Die Erinnerung an die eigene Scholle spielte bei Bernhard Willhelm genauso wie bei dem Patina-Poeten Frank Leder schon immer eine große Rolle. Aber bei niemandem ist patriotisches Pathos so unverdächtig wie bei Willhelm. Selbst wenn seine Kollektion wie dieses Mal den deutschen Olympia-Triumph bei der Ski-Olympiade 1976 in Innsbruck feiert, steht man einem weltbürgerlichen Dada-Freigeist gegenüber, dem nichts so unheilig ist wie heiliges Pathos und der seinen Abend betitelt als: Meet & Greet im Skigebiet.

Im Berliner Postbahnhof baute er eine begehbare Pappmaché-Kulisse zwischen griechischer Tragödie und Tingeltangel auf. In ihren knatschbunten Ski-Strampel-Kostümen postierten sich die edlen Innsbruck-Recken mit güldenen Bärten und stolz geschwellten Brustwarzen auf Boot, Plastikpferd und Eiffelturm – oder spielten Federball. Eher als in das Innsbruck Rosi Mittermeyers entführte einen das ins Rom von Antonin Artauds Heliogabal. Und man dankte mal wieder seinem Heiland, dass jemand in der Mode die Freiheit der Kunst ausschöpft.

Was man mit den reißerischen Klamotten jenseits dieser Bühne anfangen soll, wurde allerdings mit jedem Freiwodka immer unklarer. Aber das hat sich bei Willhelm bis jetzt immer noch gefunden.

(Julia Reinecke hat den Abend für Hobnox gefilmt.)

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