Männliche Ski-Haser’l

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(Das Trachten-Thema verfolgte mich bis in die Kopenhagener Design-Herberge Fox. Ich schlief während der Copenhagen Fashion Week im Schweiz-Zimmer.)

Skandinavische Mode teilt sich in zwei Lager: No-Bullshit-Rock’n’Roll und Schabernack-Rock’n’Roll. Durch den No-Bullshit-Rock’n’Roll hat sich Skandinavien zum wichtigen wirtschaftlichen Player gemausert. Marken wie Julian Red, Tiger of Sweden, Acne, Filippa K oder J. Lindeberg bieten zuverlässige Qualität zu nachvollziehbaren Preisen – alles, was dem Vernunftmenschen wichtig ist –, täuschen aber mit messerscharfen Silhouetten den wilden Draufgänger vor. Value for Money plus James-Dean-Image, das ist der skandinavische Doppel-Punch, der international sitzt.
Der No-Bullshit-Rock’n’Roll dominiert die Messe Gallery, die 250 hauptsächlich skandinavische Marken für Einkäufer und Presse versammelt. Und wirklich sind hier trotz weltweiter Order-Einbrüche von 20 Prozent für Herbst/Winter 2009/10 die Zahlen stabil geblieben. Die „Gallery“ findet parallel zu den 37 Runway-Shows der Copenhagen Fashion Week mit ihren 60.000 Besuchern statt. Die Organisatoren der Fashion Week, die Anfang Februar erst zum siebten Mal ausgerichtet wurde, träumen bereits von einer Nordic Fashion Week, einer geballten Leistungsschau der dänischen, schwedischen, finnischen, norwegischen und isländischen Mode-Industrie.

Der Schabernack-Rock’n’Roll macht nicht auf cool mit Gegenwert. Seine Protagonisten sind cool genug, um einen kleinen demontierenden Scherz zu schätzen. Die zentrale Clique dieser Mode-Slacker setzt sich aus Henrik Vibskov, Bibi Ghost, Soulland und WoodWood zusammen.
Soulland und WoodWood haben es genauso trappsen gehört wie Bernhard Willhelm. Auf ihren Kopenhagener Shows riefen sie aus: Der Ski-Boy ist das neue Role-Model.

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(WoodWood, Foto: Sacha Maric)

Während die Boys bei Willhelms Rosi-Mittermeyer-Kollektion aber in Fantasie-Trainings-Uniformen für Operetten-Generäle steckten, lassen die beiden dänischen Marken den Trachtenpullover der Après-Ski-Mode aus Luis Trenkers Zeiten wieder auferstehen – darin sieht man so schön nach einem Lümmel aus, der gerade was ausgefressen hat, eigentlich genauso wie Tommi aus den Büchern der dänischen Volksheldin Pippi Langstrumpf.

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(Soulland, Foto: Sacha Maric)

Die No-Bullshit-Fraktion hält das erst recht für Volles-Rohr-Bullshit, wenn diese Pullover bei Soulland mit einer Dickstrick-Leggings (seit Kim Jones rosafarbenem Modell mein Lieblings-Beinkleid und auch gern von PotiPoti angeboten) oder bei WoodWood ganz Culture-Clash-mäßig mit einer US-Collegejacke kombiniert werden. Alle anderen gehen schon mal auf die Suche nach Knotenstöcken, um diesem Schabernack die rechte Ehre zu erweisen.

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(Soulland Leggings, hier noch ohne Knotenstock)

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