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(Das Hamsterrad der Mode)

Als noch ungebrochen der schmalschultrige Presswurst-Anzug regierte, empfahl Henrik Vibskov schon schultergepolsterte Freizeitsakkos im Schlabberlook. Mittlerweile beherrscht die High Fashion von Lanvin über Dolce & Gabbana bis Yohji Yamamoto die Kittel- und Pyjama-Wut. Zeit für Vibskov, in den Mainstream duchzubrechen.
Wurde er früher vor allem für seine Muster gefeiert, die angstfrei eine Grabbeltisch-Ästhetik überhöhten, hat er sich längst zu einem Schnitt-Wunder gemausert. Seine Kollektion für Winter 09/19 tanzt den Boho-Dance mit schlafwandlerischer Sicherheit.

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(Vibskovs Spaßmacher-Trupp heizt der frierenden Warteschlange ein)

Er zeigte sie zur Copenhagen Fashion Week wieder in Kopenhagens Hippie-Freistaat Christiania, verkaufte Tickets für zwei Schachteln Kippen, flutete das Volk mit Dosenbier und ließ die Models im Hamsterrad der Mode strampeln. Das hatte mehr mit einer Freak-Out-Session eines Experimentaltheaters zu tun als mit einer Runway-Show.
Die Models trugen Melonenzigarren und Breitmaulfrosch-Münder, was sie wie Voodoo-Priester aussehen ließ (zumindest so, wie man es vom James-Bond-Film kennt): eine Mischung aus britischer Akkuratesse und grotesker Exotik.
Diese Spannung hielt Vibskov in den Outfits. Eleganten, einfarbigen Pumphosen und Wickeloveralls standen wie verschlafen übergestreifte Stehkragenhemden, Capes, Kittel-Mäntel, Kniebundhosen gegenüber, die mit wildem Obdachlosen-Karomix und südamerikanischen Mustern den autonomen Witz und die Boho-Souveränität in die Kollektion brachten, für die Vibskov wie ein Popstar verehrt wird.
Und natürlich setzte er mit der Runway-Dekoration und dem ersten Outfit ein Signal für das Muster der kommenden Stunde: der schwarzweiße Blockstreifen. Da ist er ganz d’accord mit der i-D, die das Thema im Februar-Heft abfeiert, und dem Teil des Kopenhagener Fashion-Week-Publikums mit dem besten Riecher. Susie Bubbles hat’s festgehalten.

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