Matrose statt Gladiator

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Der Nieten- und Spikes-Wahnsinn nimmt diesen Herbst seit den zugenieteten Prada-Halbschuhen Überhand. Sogar vom sonst so dezenten Dirk Schönberger von Joop! wurde ein Aschtritt plötzlich lebensgefährlich. Was letzte Saison die Handtaschen mit den mittelalterlichen Kerker-Ketten und Pyramiden-Nieten waren, sind dieses Jahr Stilettos und Halbschuhe, die wie Gladiatoren-Waffen aussehen. Die Mode gefangen zwischen Burgverlies und Kampfarena. Da bleiben Sehnsüchte ausgeblendet.
Wer weniger kämpferisch, dafür umso romantischer veranlagt ist und gern seine Träume übers ferne Meer schickt, der muss auf alte Teile von John Paul Gaultier zurückgreifen – oder sich die Ankerkette von Werkstatt München um den mit Salzwasser und Kernseife geschrubbten Hals hängen.

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Werkstatt München hat es genau raus, wie man ein so plumpes und Tattoo-verseuchtes Standardmotiv wie einen Anker in Größe und Material so austariert, dass es nicht nach ballermännischem Ed Hardy, sondern nach einem geheimen Talisman aussieht, den Cary Grant und George Clooney triumphierend unter ihren Hemdkrägen herausziehen könnten, wenn sie gefragt würden, ob sie sich etwa dem Metall-Gebot in dieser Modesaison entziehen würden.
Ich jedenfalls fasse mir jedesmal an den Anker, wenn ich mir in der U-Bahn nicht sicher bin, ob nicht gerade Kontrolleure zugestiegen sind.

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