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30.08.2006 | 17:50
 
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KinderKinder

Markenshopping und Pediküre statt Spielen


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Länger schon findet man besonders in amerikanischen Businessforen diverse Berichte und Analysen zum aufstrebenden Markt für Kindermode. Er gilt bis dato als weitestgehend unausgeschöpft und verspricht somit den Herstellerfirmen, die ihre Aktivitäten auf dieses Segment ausweiten oder es bereits getan haben, das derzeit wohl potentiell größte Wachstum, heißt es. Kurz gesagt: Kindermode im Repertoire gleich mehr Umsatz. Wer das ein wenig verfolgt hat, dem dürfte im Zuge dessen nicht entgangen sein, dass plötzlich fast jedes namhafte Label versucht, am Modemarkt eine spezielle Produktlinie für Kids zu platzieren btw. es schon getan hat.

Natürlich beschäftigt sich auch die amerikanische Presse längst mit dem Thema. So brachte die NewYorkTimes beispielsweise neben anderen zum Wochenende hin einen Artikel, der die gesteigerte Affinität von amerikanischen Kids zu Markenmodeprodukten und deren damit verbundenes, stark verändertes Kaufverhalten und Selbstverständnis zum Mittelpunkt seiner Betrachtung machte. In dem Text konnte man dann unter anderem solche Passagen lesen:

…Like many girls her age, her fashion antennae are finely tuned, her standards exacting, her desires well defined. “I like the stuff that’s in style, like leggings and shorts, tank tops and flip-flops,” she said, promptly adding to that list: “Gap camisoles that are white, because I can wear them with just anything. Puma sneakers, pink and gray — I’m on my third pair — and ballet slippers, but those are hard to find for my size foot.”…

Es ist vielleicht nicht sicher, ob die starke Fokussierung der Modefirmen auf das Segment der Kindermode auch bei uns direkt derartige Ausmaße annehmen wird. Klar dürfte aber sein, dass das Ganze an sich nicht nur ein amerikanisches Phänomen bleiben wird. Dazu reichte ein Blick in die Augustausgabe der deutschen Elle, die einen ungewöhnlich hohen Anteil an Werbung für Kinderklamotten nahmhafter Firmen aufwies. Von Diesel Kids bis hin zu D&G Junior war hier nahezu alles vertreten und fand seinen gleichberechtigten Platz neben Prada- oder Louis Vuitton-Anzeigen für die Mamas.

Grund hierfür dürfte das Kindermode- und Accessoire-Special im Heft gewesen sein (das übrigens erst auf den zweiten Blick auffiel). “Mode für Minis” hieß der Shoppingguide für die hippen Dinge, die die Kleinen der Leserschaft brauchen. Neben dem nicht mehr aus unserem Stadtbild wegzudenkenden und total überteuerten Kinderwagenhersteller “Bugaboo”, fand man dann abseits von schicker Kleidung, die die Trends der Großen adaptiert (Vom Teenie-Dandy bis zum Existentialistenlook für Dreijährige), so sinnvolle Dinge wie ein Babyservice in Silber und ein Schaukelpferd für 1270,- Euro von Hermès.

Sicherlich, Accessoires wie silberne Breilöffel von Tiffany’s und Ähnliches gab es irgendwie schon immer – irgendwo, ebenso wie Kinderkollektionen namhafter Labels. Die offensichtliche, massive Bewerbung selbiger ist jedoch eine relativ junge Erscheinung. Ebenso wie sich die Art und Umsetzung der dazugehörigen Kampagnen gewandelt hat: Styling, inhaltliches Konzept und Fotografie orientieren sich hier zunehmend an den Kampagnen für Erwachsene. Kinder spielen nicht und stehen auch nicht irgendwo harmlos in bunten Klamotten rum. Sie laufen vermehrt durch Großstädte als wären sie beim alltäglichen Shopping oder sitzen fein drappiert in Gruppen auf Designersofas als warten sie auf den Tee auf ihrem englischen Landsitz. Die Kinder sind erwachsen geworden und auch ihre Mode sieht fast nur noch genauso aus, wie frisch aus Sex and the City entsprungen. Für einen Besuch auf dem Spielplatz jedenfalls scheint sie größtenteils nicht konzipiert zu sein, dann doch wohl eher für den bei der persönlichen Pediküre, wie auf dem Bild unten, das an sich schon Bände spricht….

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DIE WOLKE HAT Einen Kommentar zu "KinderKinder"

  1. Markus

    Sehr eigenartig…
    Anscheinend projizieren Erwachsene ihre eigenen unrealistischen, vom Marketing offerierten Wünsche auf ihre Kinder. Das nenne ich eine nachhaltige Marketingstrategie: Um ihre Kindheit betrogen wachsen so bereits die nächsten Fashion-Victims und -Addicts nach.
    Nur so kann man verstehen, warum soviel Potenzial in den Kindern gesehen wird, obwohl es demographisch immer weniger von Ihnen gibt. Voraussichtlich ab 2030 wird über ein Drittel der Bevölkerung über 60 sein. Im Gegensatz zu den meisten Kindern verfügen diese über eigene Kaufkraft.

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