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 MODE
AUTOR
timo
 
DATUM
8.01.2010 | 16:27
 
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Machtstrukturen in Mode

Römische Redakteurinnen: Kunstkritikerin schreibt fulminante Kolumne zu Mode und Celebrity-Kultur.


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Die Kunstkritikerin und Chefredakteurin von Texte zur Kunst Isabelle Graw hat in ihrem Blog Reiche Römer einen groß angelegten Beitrag zum Dokumentarfilm “The September Issue” über die Vogue-Chefin Anna Wintour geschrieben. Von einer reinen Filmbesprechung ausgehend, spannt sie den Bogen zu einem bestimmenden Teil gegenwärtiger Modefotografie und kritisiert die Arbeit hochkarätiger Stylisten, indem sie dem Modesystem das Kunstsystem anbei stellt. Besonderes Augenmerk legt sie auf die Figur des Celebrity als Nachfahre des Filmstars und derzeitiger Stellvertreter des Models. Von dort aus legt sie eine grundsätzliche Macht-Strukturverschiebung vom Designer zum Redakteur offen, von der Produktion zur Reproduktion.

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3 Zitate aus dem Text:

“Der Fokus von “The September Issue“ auf Wintour als Hof haltender Modefürstin erinnert aber auch daran, dass sich in Mode- und Kunstwelt eine Form der Adelsverrücktheit konserviert, deren Struktur die Celebrity Kultur aufgegriffen und verallgemeinert hat. Der Adlige hat seinen Platz so wenig verdient, wie die Celebrity.”

“Die Figur Anna Wintour ist aber auch der lebende Beweis dafür, dass sich die Freiheiten, die sich der bildende Künstler traditionell nehmen durfte, mittlerweile auf den Redakteur oder den Kritiker übertragen haben, die diese Freiheiten nun für sich in Anspruch nehmen. Während der Künstler – im Modebereich durch den Typus des Designers vertreten – längst seine Unschuld verloren hat und von kommerziellen Zwängen in Schach gehalten wird, wird Vermittlern wie Wintour noch eine Art Restautonomie zugesprochen, was in ihrem Fall bedeutet, dass sie im Grunde schalten und walten kann, wie sie will.”

“Wenn die Herausgeberin der größten Modezeitschrift vom verloren gegangenen Freiraum des Künstlers profitiert, dann deutet sich darin aber noch eine weitere gesellschaftliche Verschiebung an – die Verschiebung von der Produktion hin zur Reproduktion. Die Macht hat heute auch im Modebereich diejenige, die für reproduktive Bereiche wie Vermittlung oder Kommunikation verantwortlich ist.”

Am Ende ihres Artikels kommt sie zu der grandiosen Konklusion, “…dass die Vogue im Grunde keinen Draht zur Mode besitzt.”, was auf der formidablen Plattform Modebeitrag verständlicherweise besonders groß gefeiert wird. Dieses Blog, dass von verschiedenen Modebloggerinnen geschrieben wird, lohnt aufgrund seines reflexiven und auch wegen seines streng kulturwissenschaftlichen Ansatzes überhaupt eines Blickes.

Zum Celebrity-Topic gibt es auch bei Hype etwas zu lesen.


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Trackbacks

  1. Jürgen Bo. says:

    "Machtstrukturen in Mode"
    http://bit.ly/7u6Ifh PS: The September Issue muss ich sehen #wintour

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