Steven Vogel über Streetwear
Don't step on my Visvim Shoes

Felix Denk in De:Bug 114
Jeder führt es im Munde, niemand kann es definieren: Streetwear ist ein Biest. Der Blogger und Autor Steven Vogel versucht es in seinem Interview-Band “Streetwear” einzufangen. In Debug resümiert er die gesammelten Erkenntnisse.
Manche Sachen vergisst man nicht. Das erste Stüssy-T-Shirt beispielsweise. Steven Vogel bekam es von seinem Nachbarn mitgebracht, der eine Weile in den USA war. Das Shirt war hellblau, nur mit dem Stüssy-Schriftzug und bequem geschnitten, weiter als die T-Shirts, die man in Europa bekam. In den frühen neunziger Jahren war das ultra-begehrlicher Stoff, nicht nur, wenn man in der norddeutschen Provinz aufwächst wie Steven Vogel. Heute ist er Buchautor, Blogger und genauer Beobachter der Streetwear, einer Moderichtung, die nie Mode sein wollte – und trotzdem kräftig in dieser Welt mitmischt.
De:Bug: Streetwear gab es schon, da existierten noch keine Streetwear-Marken. Die Kids haben sich ihre Klamotten zusammengesucht, die bequem waren, cool aussahen und ein Lebensgefühl ausdrücken konnten. Wann entstand daraus eine Szene mit eigenen Labels?
Steven Vogel: Das war so um 1980/81. Visuell haben die Beastie Boys viel dazu beigetragen. Das war der Übergang von der Punk-Zeit, Do-It-Yourself war sehr wichtig. Es gab keine Marken, die diesen Modegeschmack, der aus Graffiti und Breakdance, Skateboarding, BMX, Surfen und HipHop entstanden war, repräsentierten. Daher kommt es beispielsweise, dass Workwear ein großes Thema in der Streetwear war und ist. Arbeitskleidung ist größer, sitzt lockerer, baggier und ist außerdem robust, verfügbar und billig. Wenn man sich die Sachen von Carhartt oder Dickies anschaut, da halten die Hosen auch mal drei Jahre lang. Das tun die meisten Modesachen ja nicht. Streetwear-Marken haben ihre Inspiration daraus gezogen. Stüssy ist ganz klar eine Surf-Marke mit Elementen der Funktionalität von Arbeiterkleidung.
De:Bug: Streetwear lebt immer noch von dem Anders-sein-Wollen seiner Träger. Gleichzeitig ist es eine weltweite Industrie geworden. Wie wirkt sich dieser Spagat auf das kreative Potential aus?
Steven Vogel: Böse Zungen behaupten, dass alles unheimlich stagniert. Tatsächlich ist der Status Quo eine Gleichförmigkeit. Es passiert nichts Neues mehr und es gibt unheimlich viele Regeln. Die Menschen meinen, Streetwear muss aus L.A. kommen, aus New York oder Tokio. Es muss dieses T-Shirt sein, das jene Popkultur-Referenz hat und vom Skateboarding kommt. Die Stagnation hat auch viel mit der Größe zu tun. Vor zehn Jahren gab es halt nur ein paar Marken wie Fuct, X-Large, Stüssy, Supreme und Silas and Maria aus London oder Neighborhood aus Japan. Diese Marken haben ihr Niveau immer beibehalten und haben immer noch einen Vorsprung. Nur gibt es heute 500 weitere Marken, die da nicht mithalten können.
De:Bug: Es fällt auf, dass viele Streetwear-Designer mit der High-Fashion kollaborieren. Vans mit Marc Jacobs, Umbro mit Kim Jones und Marc Ecko baut ein ganzes Imperium an Marken auf, darunter eine Anzuglinie, Cut and Sew. Ist die Streetwear noch ein autonomer Bereich?
Steven Vogel: Ich glaube, das war es mal in der Vergangenheit. Heute ist Streetwear in aller Munde. Das hat viel damit zu tun, dass sich im Skateboarding in den letzten zehn Jahren so viel getan hat. Das ist ein riesiger Sport geworden. Hauptsächlich kam das durch die X-Games und die Tony-Hawk-Playstation-Spiele. Daraufhin ist die Streetwear auch viel größer geworden. Mit einem Verzug von fünf Jahren zieht das hinterher. Trotzdem ist Streetwear immer noch ein kleiner Markt, wenn man ihn quantifizieren möchte. Vielleicht nicht mehr autonom, aber eine kleine Welt.
Streetwear umarmt High-Fashion
De:Bug: Siehst du die Streetwear als Ideengeber für die Mode ganz allgemein?
Steven Vogel: Ehrlich gesagt bin ich da skeptisch. Viele Leute, die in anderen Modebereichen arbeiten, schwärmen immer von Streetwear – das sei so toll, jung und kreativ. Und viele Berater und Medienleute sagen immer, in der Streetwear wimmelt es von neuen Talenten. Ich habe aber noch nie gesehen, dass Leute da viel übernehmen. Ich sehe auch keine Haute-Couture-Designer, die etwas von der Streetwear übernehmen. Im Bereich Highstreet ist das anders. Firmen wie Urban Outfitters klauen, was nur möglich ist. Im Endeffekt tut die Streetwear nichts anderes, als Pop-Art auf T-Shirts zu drucken. Aber ob das der riesen Ideengeber im Modebereich ist? Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil. Die Streetwear bedient sich heute bei der High-Fashion. Im Augenblick entwickelt sie sich in eine ganz schlichte, funktionale Richtung. Und dieser Impuls kommt ganz klar von der Haute Couture. Und nicht umgekehrt. Vor allem die japanischen Marken sind auf diesem Weg. Visvim, Undercover und Fragment nehmen viel von belgischen Designern auf, die jetzt in Paris Einfluss haben. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die großen Streetwear-Designer immer auf den ganzen Modenschauen sind.
De:Bug: Man hat ja auch den Eindruck, dass es in der High Fashion viel Street-Kompetenz gibt, beispielsweise bei Raf Simons.
Steven Vogel: Ich glaube, damit schmücken sich viele Designer ganz gerne. Raf Simons kenne ich nicht persönlich. Aber ich sehe diese Street-Kompetenz in seiner Arbeit nicht. Trotzdem: ein toller Designer.
Lokale Dialekte
De:Bug: Durch das Internet ist die Streetwear ein weltweiter Ausdruck geworden. Gibt es so etwas wie lokale Dialekte?
Steven Vogel: Auf jeden Fall. In Hamburg gibt es eine Szene, die sehr nah an der Kunst ist. Lousy Living und Cleptomanix, die machen solide Klamotten mit Kunstniveau. Das ist ein ganz distinktiver Hamburger Stil und Humor. Und japanische Marken sind ganz spezifisch für Tokio.
De:Bug: Die Impulsgeber der Streetwear – Skating, Graffiti, Punk, HipHop – existieren ja auch schon seit über 25 Jahren. Macht sich das durch so etwas wie Retro-Styles in der Streetwear bemerkbar?
Steven Vogel: Zum Teil. Vor allem an der Westküste greifen die Labels stark in die Vergangenheit. Die Farbkombinationen, die Motive, oft werden alte Filme und Musik-Cover eingearbeitet. In Europa ist das nicht so. Die Japaner verfolgen vor allem Paris, also die Haute Couture. Das ist ironisch, weil die Japaner klassischerweise die New Yorker imitiert haben. Aber New York ist ziemlich tot. Da passiert nichts mehr. Das hat natürlich mit den Lebenshaltungskosten zu tun. Weder als Designer noch als Verkäufer kann man in New York über die Runden kommen. Das ist schade, weil New York doch die Wiege der Streetwear war. In London ist die Entwicklung ähnlich.
Business-Amateure
De:Bug: Dabei hat man doch den Eindruck, dass sich in der Streetwear viele Vermarktungsgenies tummeln. Die New Yorker Hip-Marke Alife betreibt sogar eine eigene Kreativ-Agentur …
Steven Vogel: Eigentlich gibt es sehr wenige Profis in der Streetwear. Die meisten Marken sind, was das Business angeht, absolute Amateure, sicher 99%. Ich kenne beispielsweise niemanden, der aus der Geschäftswelt kommt und in der Streetwear Erfolg hatte. Die meisten Leute eignen sich das selbst an. Und manche Leute sind natürliche Geschäftsleute. Zum Beispiel The Hundreds aus Los Angeles. Bobby und Ben sind beides studierte Juristen und sicher keine großartigen Designer, das sagen sie auch selbst. Aber sie sind sehr gute Marketing-Leute. Die haben ihre ganze Marke auf ihrem Blog aufgebaut. Das ist schon fast ein Grassroots-Approach. Trotzdem: Viele Streetwear-Labels leiden darunter, dass sie nicht sehr professionell sind. Es ist schön und gut, wenn man ein schönes T-Shirt macht. Aber man muss es eben auch verkaufen. Und darauf haben die Kreativen keine Lust. Bei so kleinen Labels kommt das ja alles aus einer Hand. Daher sind diese kleinen Marken so Marketing-lastig, weil sie dadurch den schlechten Vertrieb kompensieren müssen.
De:Bug: Typisch für Streetwear sind die vielen Seitenprodukte wie Toys, Brillen oder Uhren. Stüssy hat neulich sogar einen Chopper gemacht. Ist so eine Total-Vermarktung nicht der Schwanengesang der Streetwear?
Steven Vogel: So negativ würde ich das nicht sehen. Die Toys mögen neu sein, aber anderes gab es schon lange. Brillen, Feuerzeuge, Rucksäcke. Dass es so etwas gibt, ist vor allem durchs Internet bekannt geworden. Da haben viele Firmen gemerkt, dass sie mit beispielsweise Stüssy kollaborieren können, auch wenn sie keine Klamotten machen.
De:Bug: Kann man mit Streetwear eigentlich älter werden?
Steven Vogel: Das wüsste ich selber gerne. Ich bin jetzt 28 Jahre alt und stecke ja mittendrin. Es ist doch eine sehr jugendfixierte Kultur. Es gibt eine alte Garde von Pionieren, die die Kids nicht mehr bedienen wollen. Die interessieren sich für Kunst, Autos, alles Mögliche. Den Kontakt zur Basis haben sie aber verloren. Andersherum fressen die Kids alles, was die Alten machen. Die sind sehr konform geworden. Da fehlt mir schon was Rebellisches. Aber das ist gerade nicht da.
Auch gut:








pardon, aber der typ ist ja ein riesenschwätzer, tony-hawk-playstation-spiel als grund der verbreitung von streetwear? das ist etwa die übelste vereinfachung die mir zu so einem thema über den weg gelaufen ist, ich verlange ja keine vielschichtige gesellschaftsanalyse, aber, um bei vereinfachungen zu bleiben, wie wäre es mit dem grosswerden von rap als grund? und spätestens seit es eigene streetwear-marken gibt, hat sich ja die entwicklung der homie- und skatermarken ziemlich auseinanderdividiert… und streetwear hat keinen einfluss auf high fashion? in welchem jahr schon wieder sind auf dem laufsteg alle mit tarnmustern herumspaziert? und alle die veränderungen bei den schuhen, der ganze einfluss der sneakerkultur, die auch zu designsneakern in der high fashion geführt haben? und zum thema beastie boys als stilikonen, drückt dem knaben mal ein buch wie zum beispiel hip hop files in die hände… (und abgesehen davon, gibts da tatsächlich noch leute die sich für stüssy interessieren?)
find auch dass der typ bisschen knülle ist. er kennt nicht mal die fakten. silas z.B. wurde 1998 gegründet. Bezüglich wechselseitiger Beeinflussung: wo würde der herr denn die Jogger von Bernhard Willhelm einordnen? Bin ein bisschen enttäuscht das De:Bug sowas reinnimmt. Wird man älter, war’s Vetternwirtschaft oder ist’s das Sommerloch? Egal, soweit man sich umschaut in Musikmagazinen, Modekompetenz ist selten gegeben. Kümmert euch lieber um Musik.
Durch solche Aktionen wird die Streetwear einen mächtigen Schubser von der Seite bekommen, weil jetzt viele bei Vogel nach dem richtigen Weg fanden. Wenn er aber die Anfänge der Streetwear schon nicht am eigenen Leib mitbekommen hat, wird es mit der Beurteilung etwas schwierig und da bringt er dann auch einiges durcheinander was nie mehr so wirklich richtig gestellt werden kann. Schade eigentlich. Mit Scheuklappen gesehen und deshalb nicht umfassend beschrieben. Ob es allen gefällt oder nicht. Da gab es ja auch Klassiker wie Vision Streetwear. …und wo hat die Bewegung ihren Namen her??
wie würdet ihr denn Streetwear definieren? bzw habt ihr ne literatur? schreibe ne projektarbeit drüber:(
@jane: ich schreib auch eine arbeit über streetwear. hab leider auch keine literatur über das thema. bis jetzt war das internet sehr hilfreich, aber ich muss auch bücher in der quellenangabe aufzählen, internet alleine ist zu wenig hat man mir gesagt. also wenn du was hörst, siehst oder was auch immer, bin ich dir sehr dankbar wenn du mich darüber informierst
umgekehrt gilt natürlich das gleiche