Neuer Kunstsport II: Galerie-Busting
Poster von Felix Gonzalez-Torres und Paul Snowden

21.59 Uhr, größte Anspannung in der Galerie Lichtschliff
Felix Gonzalez-Torres hat es vorgemacht. Die düsterromantischen Poster und silbrigastronautischen Bonbons in den Ausstellungen des kubanischen Künstlers, der auf der diesjährigen Biennale in Venedig elf Jahre nach seinem Tod den Beitrag der USA stellte, kann jeder für lau mit nach Hause nehmen.
In Berlin, der Stadt mit der höchsten Freibesäufnis-Dichte der Bundesrepublik, macht das natürlich Schule. Nicht nur konnte man diesen Herbst in einer der neuen Brunnenstraßen-Galerien Poster von Gonzalez-Torres selbst ergattern, auch lagen im Rodeo-Club die Plakate der Ausstellung “What makes Shanghai addictive“ zum Mitnehmen aus und beim Apartment konnte man sich ein “I love you“-Posterset in vier verschiedenen Farben von Paul Snowden (“Wasted German Youth“) einstecken – initiiert und finanziert von Absolut Wodka.

Gong 22 Uhr, der Download bricht los
Um in diese Give-Away-Kultur ein bisschen mehr Schmackes zu bringen, hat der Fotograf Lars Borges beschlossen, auf seiner Vernissage am 26.10.2007 in der Galerie Lichtschliff mit Gongschlag 22 Uhr alle Fotoprints an den Wänden zum Abreißen und Mitnehmen freizugeben.

22.08 Uhr, Wand gesplattert, Downloader erschöpft
Der grelle Schimmel vor schwarzer Nachtkulisse war 22.01 Uhr runter von der Wand, das letzte Foto 22.17 Uhr. Der Künstler signierte kritiklos auch die Beute der Die-Hard-Fans, die egoistisch genug waren, gleich ein ganzes Posterkonvolut einzusacken. So funktioniert die Aufmerksamkeitsökonomie. Operation erfolgreich, Patient tot. Oder: Downloaden kommt in der physischen Welt an.

Künstler mit Napoleon-Tolle beim Signieren
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