Skulpturaler Strick: Sandra Backlund
Bequem in der Alien-Silhouette

Mats Almegard in De:Bug 116.
Mit ungewöhnlichen Kleidungsstücken aus Garn, Papier und Menschenhaar erobert die Schwedin Sandra Backlund zur Zeit die internationale Modewelt. Im März gewann sie den ersten Preis beim Internationalen Modefestival in Hyères, im Juli stellte sie auf der IDEAL-Messe aus, dem Ort während der Berlin Fashion Week, den man besuchen musste, wenn man mehr an Mode als an Spektakel interessiert war.
Die unausgegorene Fashion Week Berlin hat im Juli gezeigt: Wenn Berlin sich einen internationalen Ruf als Modestadt aufbauen will, muss es auf die kleinen Designer setzen. Die bieten die unbekümmerten Gewagtheiten, mit denen die Stadt dem etablierten Betrieb in Paris, New York oder Mailand Paroli bieten kann. Was soll das für eine Schieflage ergeben, wenn deutsche Marken wie Hugo Boss, Strenesse oder Michalsky die Stadt vertreten? Das sind zwar große Namen, aber Berlin als Bollwerk des grundsoliden Mittelmaßes? Da gähnt die Fachwelt – und die Gala auch. Berlins Ruf als Musikstadt hat schließlich auch nichts damit zu tun, dass hier Universal, MTV und Sony sitzen.
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Die Berliner Modemesse IDEAL schlägt seit zwei Jahren den alternativen Weg ein. Berliner Designer wie Reality Studio, Smeilinener, ADD, Butterflysoulfire oder Starstyling bilden mit internationalen Namen wie Wendy & Jim, Henrik Vibskov, Rand, Eric Lebon, Peter Jensen oder Bernhard Willhelm den aufregendsten Entdeckungsparkour während der Fashion Week. Und auch Sandra Backlund zeigte ihre Strickskulpturen auf der IDEAL. Mit ihrer Pulloverkollektion hatte sie schon im Frühjahr den ersten Preis der wichtigsten internationalen Nachwuchsplattform gewonnen, dem Modefestival in Hyères.
Bloss keine Künstlerin sein
Dabei sind es nicht gerade Kleidungsstücke, die sich gut verkaufen. Seit Sandra Backlund Beckmans School of Design vor drei Jahren verließ, hat sie etwa dreißig Kleidungsstücke an die Frau gebracht. Sandra Backlund schafft Kleider, die mehr als Kunstwerke zu verstehen sind. Aber Künstlerin will sie trotzdem nicht genannt werden.
“Ich habe Kleidungsdesign und Mode studiert. Modedesignerin ist mein Beruf. Natürlich bin ich aber von Kunst und meinen Kunstgeschichtestudien sehr beeinflusst“, sagt Sandra. In ihrem kleinen Stockholmer Atelier macht uns Sandra Kaffee. Seitdem sie für ihre mutigen Kleider zur Siegerin 2007 des Wettbewerbs “Festival International de Mode et de Photographie d’Hyères“, Frankreich gekürt wurde, reist sie fast wöchentlich zu Ausstellungen in der ganzen Welt.
“Ich arbeite skulptural und in einer Collagetradition. Ich stricke Teile, die ich am Ende zu einer größeren Einheit zusammennähe. Ein Problem war früher, dass ich mich ziemlich allein gefühlt habe – es gibt wenige Vorgänger, auch wenn ich ziemlich traditionell arbeite“, erklärt Sandra.
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Tintenklecks-Symmetrie
Ganz intuitiv geht sie bei der Arbeit vor. Lage um Lage entstehen handgefertigte Kleider, die eine sehr ausgeprägte Silhouette besitzen. Ihre Kreationen werden mit Insekten, Pflanzen, Rüstungen verglichen. Die neueste Kollektion heißt Ink Blot Test – als Antwort auf die vielen Interpretationen, aber auch wegen Sandras Interesse an Psychologie. “Mich faszinieren diese Tintenkleckse und ihre Symmetrie. Dass sie auch spiegelverkehrt sind, finde ich auch toll. Psychologische Tests haben eine interessante Geschichte und ich möchte sie in meiner Arbeit integrieren, ohne allzu offensichtlich zu werden. Statt T-Shirts mit Tintenklecksen zu drucken, habe ich halt ein Kleid gestrickt, bei dem Unterteil und Oberteil identisch sind, nur spiegelverkehrt.“
Mit dicken Lagern von Garn oder Haar schafft Sandra Kleider mit komisch wirkender, alienartiger Silhouette. Schnörkel und Spiralen geben ein futuristisches und dennoch lebendiges Design. “Models und andere, die meine Kleider probieren, sind aber immer sehr erstaunt darüber, dass sie so gut tragbar sind. Für mich ist das nicht komisch, ich gehe immer vom Körper aus – probiere selber und schaffe Kleider, die sich tragen lassen, auch wenn sie eher als Skulpturen wirken.“
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Gleichzeitig besitzen ihre Kreationen eine den Materialien geschuldete Verletzbarkeit. Eine Jacke aus Menschenhaar oder ein Kleid aus Papier kann man nicht gerade in die Waschmaschine werfen. Dennoch sollen ihre Arbeiten den menschlichen Körper formen.
“Es ist sehr interessant, den Körper und seine Silhouette zu verändern, verdrehen, verkleinern oder vergrößern. Das haben Designer immer gemacht, aber ich möchte das gern ein bisschen übertriebener machen. Bei meiner Haarjacke habe ich sehr intensiv mit Muskeln und Muskelfasern gearbeitet. Ich habe Kopien davon in die Jacke gestrickt. Ich habe sogar einen dicken Zopf als Wirbelsäule eingearbeitet.“
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DIE WOLKE HAT 4 Kommentare zu "Skulpturaler Strick: Sandra Backlund" 
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Menschenhaar???
Aber ja, leicht kannibalisch für den Schauder.
hay
was soll das die sehn vollllllllllllllllllllll robby mäßig aus