Northern Lite covern Platten-Cover
Die vier Herren von Northern Lite haben mit "Super Black" das reifste Album ihrer Karriere hingelegt. Für De:Bug warfen sie sich in ihre Firetrap-Outfits und in historische Plattencover-Posen.

Jan Joswig in De:Bug 120.
Die Electro-Rocker Northern Lite haben es nicht mehr nötig, musikalisch der letzte Schrei sein zu müssen. Endlich. Auf ihrem neuen Album ”Super Black“ können sie an einer zeitlosen Form von schwarz gekleidetem Herrenrock arbeiten, der seinen Mix aus Computer und Gitarre ganz selbstverständlich einsetzt, um ein klassisches Songwriting zu verfolgen, dessen Ahnen über Elvis Costello bis zu Bo Diddley reichen.
Wir baten die Band, Cover von Schallplatten nachzustellen, die wichtige Knoten des musikalischen Stranges sind, an dem auch Northern Lite flechten: “Check your Head” von den Beastie Boys und “This Year’s Model” von Elvis Costello. Sänger Andreas Kubat kommentiert.
Beastie Boys – Check your Head (Capitol 1992)
Andreas Kubat: ”Check your Head“ hatte die super Kombination aus Samples und Drummaschines, Electro und Breakbeat. Das geht alles in unsere Richtung.

Valerian Herdam, Sebastian Bohn, Frithjof Rödel in Beastie-Boys-Pose. Valerian in Langarm-Polo von Firetrap, Sebastian in Hemd und Jeans von Firetrap, Frithjof in Jeans und Schuhen von Firetrap.
De:Bug: War es wichtig, dass es weiße Jungs waren?
Andreas Kubat: Nein, eigentlich nicht. Ich habe Grandmaster Flash als den DJ-Gott verehrt und hatte keine Probleme, mich mit einem schwarzen Typen zu identifizieren. Anfang der 90er habe ich mich aber aus der HipHop-Gesichte ausgeklinkt. Wenn ich noch HipHop hörte, dann so etwas wie The Roots, wo wirklich Musiker am Werk sind. Von der deutschen Entwicklung war ich abgetörnt, ich wollte mehr mit Musik erreichen als nur ein Beat und was drüberlabern. So kam es auch zu Northern Lite. In der Phase habe ich nämlich Sebastian kennen gelernt.
De:Bug: Was von den Beastie Boys hängen bleibt, ist der komplexe Umgang mit Samples?
Andreas Kubat: Die Liebe zu gebrochenen Beats. Es muss nicht 4 to the Floor sein. Es kann viel mehr abgehen bei langsamen Bpm-Zahlen. 90 Bpm ist im elektronischen Club eigentlich nicht tanzbar, aber du kannst den Breakbeat so energetisch und dynamisch klingen lassen, dass es dich trotzdem mitreißt. Unsere Crew-Mitglieder, Video, Ton und Licht, sind alle Beastie-Boys-Jünger. Die bringen immer alles mit, was die Beastie Boys veröffentlichen, auch deren Jazzalben, die hören wir dann auf der Fahrt.

Elvis Costello – This Year’s Model (Radar/WEA 1978)
De:Bug: Das Costello-Album habe ich nicht nur wegen der wavigen Keyboardsounds rausgesucht, sondern wegen der feingestrickten Songs. Euer aktuelles Album geht auch stärker in so eine detailliertere Richtung.
Andreas Kubat: Das Album macht mich sehr an. Die harten Beats, die Schlagzeuge, die monotone Percussion, aber trotzdem das ganz klassische Songwriting. Ich bin als Kind mit Roy Orbison totgeschlagen worden. Das ähnelt vom Songwriting her. Da ist bei mir was hängen geblieben.

Andreas Kubat in Elvis-Costello-Pose und Firetrap-Outfit (außer Krawatte)
De:Bug: Was ist für euch sonst aus dem Post-Punk-Umfeld wichtig?
Andreas Kubat: Für mich war es Generation X, Tony James und Billy Idol. Wir haben auch mit Sigue Sigue Sputnik/Tony James zusammengearbeitet, Ende der 90er. (Grandioses Interview mit Martin Degville, dem früheren Sänger von Sigue Sigue Sputnik, in Butt 9. In der Ausgabe interviewt auch Wolfgang Tillmans Michael Stipe von REM. Das ist mehr Inhalt, als man auf die leichte Schulter nehmen kann. AdV) Das war eine tolle Erfahrung. Sigue Sigue Sputnik waren noch nicht zerstritten. Wir haben alle zusammen schön Whiskey-Cola getrunken. Das sind Ikonen, die ganz früh gesagt haben: Wir brauchen keinen Schlagzeuger, scheiß drauf, wir nehmen einfach einen Computer.
De:Bug: Gibt es Namen, auf die sich die ganze Band einigen kann?
Andreas Kubat: Sebastian und ich sind sehr, sehr vielseitig, was Musik angeht. Wir können uns aber alle einigen auf so etwas wie Chemical Brothers, Placebo. Davor die Grunge-Richtung. Mit Fridtjof habe ich eine Classic-Rock-Liebe gemein, die sich nicht rauskehren lässt. Led Zeppelin. Wenn ich ein Album von ihnen höre, das ich noch nicht kenne, kriege ich Angst. Auf jeder vierten Nummer ist irgendetwas, was einer gesampelt oder nachgespielt hat. Unglaublich. Sie waren die Ersten, die das Albumformat hoffähig gemacht haben, weil sie sich einfach weigerten, Singles einzuspielen.

De:Bug: Bei euch hört man auch eine Vorliebe für maskulin schwer Rockiges raus.
Andreas Kubat: Das kann man nicht verleugnen. Es hat eine unglaubliche Wirkung, die Elektronik plus bestimmte Riffs.
De:Bug: Würdet ihr eure Spur bis zum Rock’n’Roll der 50er zurückverfolgen?
Andreas Kubat: Auf jeden Fall. Bei Bo Diddley zum Beispiel bin ich immer wieder beeindruckt, wie er das schafft, die Songs über drei, vier Minuten spannend zu halten, ohne den Akkord zu wechseln. Wenn man die Percussion und Drum-Varianten rausnehmen und in einen aktuellen Techno-Song packen würde, fiele das niemandem auf. Das ist absolut amtlich.
De:Bug: Die Marracas-Idee haben später die Happy Mondays übernommen.
Andreas Kubat: Genau. Egal, was du machst, irgendeiner ist in den 40ern schon vor dir dagewesen.
De:Bug: Bei diesen Beispielen, wo würdet ihr euch am ehesten Image-mäßig sehen? Weiße B-Boys, slicke New-Waver?
Andreas Kubat: Das ist ganz schwierig. Ich sehe mich nicht von außen. Was würdest du sagen?
De:Bug: Jedenfalls nicht mehr Beastie Boys. Die sind zu pubertär zappelig in der ”Check your Head“-Phase.
Andreas Kubat: Wenn du so herum rangehst, das hätte ich dir auch sagen können. Dann schon eher Richtung Elvis Costello.
De:Bug: Ihr seid die post-adoleszente Elektrorock-Variante.
Andreas Kubat: Wenn du das so siehst, werte ich das als großes Lob.
De:Bug: Es geht in eine Richtung, wo es als überzeitliches Rockformat wahrgenommen werden kann.
Andreas Kubat: Das liegt vielleicht daran, dass auch unsere Rock-Quellen von den 70ern über die 80er bis in die 90er reichen. Ich stehe auf Led Zeppelin, aber auch auf Metallica. Sie waren in den 80ern wegweisend. Nirvana in den 90ern. Bei Grunge war auf einmal alles ganz easy, man konnte die 60er, 70er, 80er mit dem Powerport verbinden.
De:Bug: Sogar Pearl Jam wurden nicht als Dinosaurier-Rock abgekanzelt. Wenn wir hier schon von Stadionrock reden, hast du einen Lieblingsproduzenten, mit dem du gerne mal arbeiten würdest?
Andreas Kubat: Bob Rock. Der Mann hinter Bon Jovi, Metallica, Aerosmith, The Cult … Das fände ich cool.
Fotos: Mirjam Wählen
Make Up: Christina Roth
Produktion: Jan Joswig
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