NACH DEM JOYSTICK
Kunsthistorikerinnen und die neuen Medien
Die einen fahren regelmäßig zum Ärztekongress nach Übersee, die anderen lieben mehr internationale, wissenschaftliche Familientreffen, die Berufsgruppe der Kunsthistorikerinnen dagegen, hatte sich zuletzt vor sechs Jahren versammelt, um methodische und inhaltliche Selbstbestimmung voranzutreiben. Gestern Abend endlich im Museum für Kommunikation Berlin versammelte sich eine große Gruppe Frauen, ein paar Männer, alle Kunsthistoriker um über (neue) Medien, Sichtbarkeit und sinnliche Wahrnehmung und wie sollte es auf einer solchen Veranstaltung anders sein, über ihrer geschlechtsspezifischen Kodierung zu streiten. Feministische Kritik und Technik, da rauft sich manch einer die Haare, aber schon der Eröffnungsvortrag von Sigrid Schade (Bremen/Zürich) zeigt, es geht schon lange nicht mehr darum den Joystick zu verteufeln oder von schwarzgekleideten Cybergirls zu träumen. Auch die euphorischen oder feindlichen Technik-Vertreter in den Geisteswissenschaften haben sich fast von alleine verzogen. Die Kunsthistorikerinnen scheinen sich nun besonders was Dekonstruktion, Differenz und Repräsentationsfragen angeht, an die neuen Medien zu halten. Dort nämlich so meint Sigrid Schade finden sich vorläufige Antworten darauf, wie Bild/Text/Sprache eine sprachliche Struktur aufweisen, die weitere Medien hervorbringt und sich nicht länger in ein einfaches Repräsentationsschema pressen lassen. Dieses Denkmodell der sprachlichen Struktur neuer Medien wurde in dem kurzen Vortrag leider nur angedacht und vorgeschlagen, ausgeführt werden wird er sicher in den zahlreichen Beiträgen der dreitägigen Veranstaltung. Eingeladen wurden vor allem junge Nachwuchswissenschaftlerinnen, die zur Bilderpolitik, zur Medialität des Raumes, und Genderpositionen in den populären Medien sprechen. Wer etwas Geduld hat, kann sich auf die Publikation dieser Tagung in einiger Zeit freuen.
http://www.arthistory.hu-berlin.de/neue-medien/




