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31.03.2003 | 14:26
 
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DIE NEUE DE:BUG IST DA

Augabe 70. April 2003 ab jetzt am Kiosk.



Der Frühling kommt und die April De:Bug wartet am Kiosk mit folgenden Themen auf euch: MUSIK Ladytron Die Liverpooler New Wave-Pilzköpfe von Ladytron lassen sich auch nach dem Hype nicht davon beirren, stylische Singalongs zwischen analog und G4 für Indie-Hörer zu inszenieren. Ihre “Tweet auf Speed”-Version halten sie aber noch unter Verschluss. King Britt Feinste Verästelungen mit Knospen, die in Echtzeit sprießen. Nein, das ist noch nicht der Frühling. Das ist Philadelphias Nusoulbreakhopper King Britt nebst Empire. Für sein Album “Adventures in Lo-fi” hat er mal wieder Einladungsschreiben aufgesetzt und den großen Vokalistenrat einberufen. Tigerbeat 6 Raketen, Schusswaffen und inzestuöse Familienverhältnisse ? Tigerbeat6 ist wahrscheinlich das amerikanischste aller Mikro-Label der USA und existiert im offenen Widerspruch zu seinen höchst unamerikanischen Umtrieben. Miguel Depedro, als Kid606 Laptop-Punk der Stunde Null, betreibt den Sweatshop für arbeitswütige Kinder, deren Produkte einmal die Welt beherrschen sollen. Autechre Ein Furz von Autechre ist ein Erdbeben in der IDM-Welt. Auch nach zehn Jahren wird ihr neues Album “Draft 7.30″ nach göttlichen Fingerzeigen abgesucht. Sean Booth freut sich im Gespräch mit Thaddeus Herrmann über immer kompliziertere Musik, die immer populärer wird. )EIB( Die vier unerschrocken Ritter des Breitwand Drum and Bass, die mit dem unausprechbaren Logo )EIB( auf der Brust seit ihrer ersten EP “The Nine” zurm fanatisch bejubelten Kollektiv avanciert sind, haben ihre Trennung bekannt gegeben. Oder etwa nicht? Chefritter Fresh klärt auf. EZ Rollers Kaum eine Szene verstößt ihre Helden so leicht wie die des Drum and Bass. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die E-Z Rollers durch ihr neues Album “Titles Of The Unexpected” ihren Sound sowohl einem breiten Publikum näher bringen als auch in der Szene abgefeiert werden. Ein Bericht über einen eleganten Spagat zwischen Radio und Blockparty. Flim Wie klingt es, wenn man Talk Talks Spätphase in Sofa-feindliche Elektronika übersetzt? Der Dresdner Enrico Wuttke ist mit seinem Projekt “Flim” ganz dicht dran an der wonniglichen Antwort. Manitoba Über Musik im Jubelton zu schreiben, kann richtig hartes Brot bedeuten. Bei Manitoba ist es genau andersherum. Über Dan Snaiths neue Platte zu reflektieren, ohne im Jubelton unterzugehen, ist die härteste Kokosnuss seit Menschengedenken. Raubritter Kay Meseberg hat sich die Zähne ausgebissen. DJ Format Nicht nur in seinem britischen Heimatort Brighton lungert DJ Format mit Vorliebe in Plattenfundgruben rum, besitzt er doch einen tragbaren Kinderplattenspieler. Der hat ihm bei der Produktion seines Albums gewiss treue Dienste geleistet. Dort hört man neben einigen MCs vor allem dicke Beats mit Hang zum pompösen Funk. Sixtoo Kanada, nicht gerade ein für HipHop berühmtes Nachbarland der USA, trumpft mit Sixtoo, Musiker, Writer, Skateboarder und reflektierter Redner, ein neues As aufs Indiehop-Parkett. Melancholisch zwischen Anticon und DJ Shadow klingt Sixtoo wie ein gezähmter Antagonist mit zerbrochenem Kamm. Spacek Die Soul-Ballade in ihrer hochpolierten Digital-Essenz, Stimme und pointierteste Beats, sonst nichts, so errichtet das Londoner Trio Spacek ein Vintage Hi-Tech-Fanal am Kreuzungspunkt von R’n'B, Drum and Bass und Minimaltechno, um von ihrer souveränen Höhe selbst vor Gabba-Optionen nicht zurückschrecken zu müssen. Billy Dalessandro Wenn Chicagoer Partylaune auf Kölschen Minimalismus trifft, hat das erstmal wenig mit darkem Trance aus Italien zu tun. Billy – in your face – Dalessandro beweist, wie eine solche Synthese gelingen kann, ohne im falschen Techno Dojo zu landen. Schaffhäuser, Güntner Seit neun Jahren feilt der Kölner Mathias Schaffhäuser mit seinem Label Ware an der poppig pragmatischen Definition von Minimaltechno. Jetzt ist ein ganzes Album voller Remixe rausgesprungen. Der aktuelle Spitzenreiter seines Labels ist der Auch-Kompakt-Boy und “Regensburg”-Protagonist Markus Guentner mit eigenem Album. Grund genug also für ein bisschen Mailverkehr zwischen Köln-Nordstadt, Köln-Ehrenfeld und Regensburg. Greenskeepers Eigentlich sollte “Greenskeepers” eine Punkband werden. Aber als Nick Maurer sah, wie viel profitabler sich elektronische Musik zusammenkloppen lässt, hat er lieber seine Swinghouse-Satireshow mit Banjoeinlagen und Buddy James Curd so genannt. Eine Pflaume, reif für Derrick Carters Classic-Label. James din-A4 Bremens Stadtmusikant Number One ist Dennnis Busch aka James Din A 4. Auf seinem Label Esel rockt er alle Welt seit drei Jahren in den selbstgewählten Erdbeerhimmel. Verschleierungstaktik in 4/4. Echt hansestädtisch eben. Chris Duckenfield/Swag Chris Duckenfield und Richard Brown widerstehen mit ihrem House-Projekt “Swag” seit Jahren dem UK-Magneten Ibiza, geografisch wie musikalisch. Ihr Album “No such Thing” führt den Funk im digitalen Feinschliff vor, um britische Englischlehrer in Badehosen und “DJ irgendwas”-Schreiber zu düpieren. Headz “Headz” ist ein japanisches Post-Technokollektiv um den sehr ernsthaft ego-losen Musikdiener Atsushi Sasaki, der Markus Popp und Carsten Nikolai für Techno-Pop hält. Mit Zeitschrift, Label und Konzert-Agentur suchen sie beständig nach den hübschesten Exemplaren an der Nahtstelle zwischen Musik und Nicht-Musik. KUNST Hardcore Palais du Tokyo Das Pariser Palais de Tokyo ist das anti-museale Museum für junge Kunst und junge Leute. Die aktuelle Ausstellung “Hardcore – towards a new activism” präsentiert 15 Künstler, die die Frage nach aktivistischer Intervention über den White Cube hinaus stellen – und dabei konventionell drastisch bleiben. Trinity Session Think arty, act local. Das Johannesburger Kunst Kollektiv Trinity Session schreiben Networking groß und sind damit noch recht allein in Südafrika. Zwischen Digitalkunst, Projektmanagement und Stadtentwicklung arbeiten sie neben wachsenden Staubbergen der städtischen Goldminen an neuen Plänen, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Trinity Session Think arty, act local. Das Johannesburger Kunst Kollektiv Trinity Session schreiben Networking groß und sind damit noch recht allein in Südafrika. Zwischen Digitalkunst, Projektmanagement und Stadtentwicklung arbeiten sie neben wachsenden Staubbergen der städtischen Goldminen an neuen Plänen, Ausstellungen und Veröffentlichungen. MODE Sünden der Väter Männer und Handtaschen, ein ewig heikles Thema, an dem man sich leicht die Finger verbrennt. Die Taschenfirma “Airbag” ist jetzt mit dem Modell “Buzuki” das Thema frontal angegangen und hat die Radikalvariante der Handtasche, die Herrenhandgelenkshandtasche, im Luftmatratzenlook neu aufgelegt. Moi Wearables müssen nicht immer aufwendige Brillen gefüttert mit unbezahlbarer Hochtechnologie sein, die einen aussehen lassen, als wäre man der neueste japanische Roboter. Die Designerin Despina Papadopoulos hat einfache, aber präzise Technologie zu einem kommunikativen Schmuckstück umgesetzt. Sabine Seymour stellt sie vor. THEORIE Sims Globalisierungstheorie Die Sims sind auf Millionen von Desktops zu Hause. Sie sind eines der meistverkauften Computerspiele überhaupt. Der Herausgeber “Electronic Arts” versucht derzeit in den USA, die erste Onlineversion der Sims zu vermarkten, die die bisherige Vielfältigkeit auf ein AOL-Subjekt mit direktem Kreditkartenanschluss reduziert. Neugieriger sind wir eher auf mögliche neue Versionen: Die Sims im Irakkrieg? Oder eine Post-9-11-Version mit Generalmobilmachung, Small-Pocks-Angriff, Gasmasken und Geheimpolizei? MUSIKTECHNOLOGIE Emagic 6/2 Mit dem Emi 6/2m dreht Emagic sein erfolgreiches Audiointerface-Konzept des 2/6 einfach um und bietet nun 6 Ein- und 2 Ausgänge. Das mobile Recordingstudio funktioniert fein, trotz USB-Schnittstelle. Steinberg Dakota Mit D’cota hatte Steinberg den richtigen Riecher. Mit drei unterschiedlichen Syntheseformen und reichlich Eingriffsmöglichkeiten beeindruckt D’cota durch variablen Sound und stringente Bedienoberfläche. Nice one! Logic 6 Mit Logic Audio 6 verabschiedet sich Emagic aka Apple von der Windowswelt und konzentriert sich sowohl in OS 9 als auch OS X auf viele Detailverbesserungen, einen neuen EQ und komfortableres Arbeiten im Audiobereich. Neben Lückenschließung zu Konkurrenzprodukten legt Emagic aber bei anderen Features enorm vor, was anderen Herstellern Kopfschmerzen bereiten wird. MEDIEN Femme Fatale Kaum ein Hollywood-Regisseur zog KulturproduzentInnen in den 70er- und 80er-Jahren so magnetisch an wie Brian De Palma. Er brachte technische Taschenspielertricks mit erbarmungslosem Kino-Schauder zusammen und verband Formalismus und Liebe. Mit “Femme Fatale” endeckt er nun die Milde als Kategorie im Film-Noir. TASCHENTELEFON-SPECIAL MMS in Japan Das Verschicken von kleinen Bilder per MMS hat sich in Japan sofort durchgesetzt. Nicht verwunderlich, denn Bilder haben dort einen besonderen Stellenwert. Sie gelten nicht platonisch verseucht als oller Schein, sondern sind kulturell als Teil der Wirklichkeit bestimmt. Sie begleiten einen – und haben noch dazu den Vorteil, von Zeit zu Zeit besser auszusehen als der Alltag. Handy und Computer Mobiltelefone sind auf dem Weg zum Mini-Computer. So überflüssige Funktionen wie WAP werden durch individuell abgestimmte Aufrüstungsmöglichkeiten ersetzt werden. Nebenbei bricht dabei das 247. Kapitel des Softwarekrieges los. Microsoft sitzt in den Startlöchern und grinst. Aber es gibt Gegenwind. Bild-Qualitätsvergleich Debug ist so unkritisch Technik affirmativ, da fragen wir doch nicht lange, ob irgendeine Sau jemals diese Zusatzfunktionen brauchen wird, sondern testen schlankweg fünf MMS-Mobiltelefone auf ihre Features, vor allem natürlich die Kamera, Spielkinder, die wir sind. Mobile Gaming Load-A-Game” Handys sind für seriöse Daddler ein Witz. Doch kürzlich kündigten Nokia mit N-Gage und TTPCom eigene All-in-One-Lösungen an, die das klassische Handy mit Daddel-Funktionen und anderem digitalen Mehrwert kombinieren. Spielehersteller Nintendo mit seinem Gameboy – der Inbegriff des mobile Gamings – lässt sich da nicht zweimal bitten und schlägt mit dem “GameBoy Special” zurück. Handys zum aufziehen Vergesst die Batterien! Dank der Retrotechnologie des Uhrwerks kann jetzt die mobile Revolution richtig loslegen. Und zwar 6 Minuten lang bei 45 Sekunden aufziehen! Dafür werden die Gorillas dann endlich in Ruhe gelassen. Und das ist doch was, finden wir. Infernal Affairs Das Mobilfon als High Tech-Utensil im Fahndungsalltag: Der Krimi “Infernal Affairs” aus Hong Kong macht vor, wie das Handy salonfähig Dreh- und Angelpunkt in Cop-Filmen wird. Wer hätte gedacht, für welche Spannungsladungen so ein Knochen taugt. Ein auszureizender Höhepunkt kann eben auch sein, wenn im entscheidenden Moment ein sanfter Handyklingelton mit zuckersüßer Melodie die Cops zusammenzucken lässt.

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